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Die Pubertistin  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Sonntag, 31. Oktober 2010

Die Pubertistin

Verlag: Baumhaus
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-8339-3579-4
Preis: 10,00 EUR

160 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Mutter und Tochter. Der Teenie ist 16, im zehnten Schuljahr und sein Leben voller Glück und natürlich auch Probleme und Katastrophen. Klassenfahrt, Ernährung, Geschwister, Eltern, erste Liebe, der eigene Körper, das nahende Austauschjahr. Verschleppt aus hauptstädtischem In-Bezirk in die Kleinbürgeridylle im Umland strebt die Pubertistin zäh und unbeirrbar nach dem urbanen Moloch. An sich finden ihre Eltern das akzeptabel, aber lauern da nicht auch Gefahren? Komatrinken, Mall Kids, Drogen im Park, ungeschützter Sex? Die Mutter, Mitte vierzig, nicht selten kopfschüttelnd verwundert über ihre Tochter und sich selbst. Dachte sie noch vor kurzem, am Ende der Kinder- und Familienzeit stünde eine große Freiheit, so ängstigt sie nun, was kommen könnte. Für sie selbst, fürs Kind, für den Mann...

Meinung:

Sie war noch so niedlich, als sie Windeln getragen hat, und man war stolz, als man sie das erste Mal in ihr Klassenzimmer gebracht hat. Doch plötzlich steht im Wohnzimmer eine Fremde - ein Teenager, eine Familienterroristin: Die Pubertistin. Gut, dass Anja Maier schon ihre ältere Tochter durch die Höhe und Tiefen der Pubertät begleitet hat. So ist sie schon abgehärtet, als sie ihre jüngere Tochter noch als Kind auf eine Ferienreise schickt und ein völlig anderes Mädchen zurückbekommt. Das bisher noch pflegeleichte Mädchen vergräbt sich in ihrem Zimmer und verflucht plötzlich ihre Eltern dafür, dass sie sie aus der hippen Hauptstadt in die schnarchige Vorstadt geschleppt haben. Schließlich hat sie auf der Reise zwei neue Hauptstadtfreundinnen gefunden, die alles dürfen und scheinbar Unmengen an Geld besitzen. Ab nun beginnt ein Kampf zwischen Verständnis - man war ja selbst nicht anders - und dem Versuch, elterliche Prinzipien durchzusetzen.

In "Die Pubertistin" erzählt die Autorin Anja Maier von ihrem Leben mit ihrer 16-jährigen Tochter, die frisch in die Pubertät gekommen ist. Doch anstatt sich über ihr schwierig gewordenes Kind zu beschweren, nimmt sie die ganze Situation mit Humor - zumindest meistens. Nicht nur einmal denkt sie in ihre Jugend zurück und muss feststellen, dass sie nicht anders war. Zum Beispiel kann sie gut verstehen, dass es ihrer Tochter nicht gefällt, in die Pampa entführt worden zu sein, schließlich befinden sich alle guten Kaufhäuser, Freundinnen und Jungs in der Hauptstadt. Ist sie nicht selbst so schnell wie möglich wieder nach Berlin geflüchtet, um dort zu studieren? Außerdem kennt sie den Beschluss, es völlig anders zu machen als die Eltern, wenn man mal erwachsen ist - und die Tatsache, dass man sich an den Beschluss nicht immer halten kann. Denn man kann noch so überzeugt davon sein, dass man sein Haus für alle Freunde der Kinder offen halten möchte - wenn sie Zigarettenstummel im Blumenbeet hinterlassen und die Milchvorräte einer Woche innerhalb eines Nachmittages aufbrauchen, ist Schluss mit lustig.

Obwohl sie viel von ihrem Leben preisgibt, gelingt es Frau Maier immer, genug Anonymität bestehen zu lassen. Weder erfährt man die Namen ihrer Kinder, noch wo die Pubertistin letztendlich ihr Austauschjahr verbringen wird. Es ist gut vorstellbar, dass auch die Namen der Freunde und Freundinnen der Töchter bzw. der eigenen Freunde nicht die echten sind.

"Die Pubertistin" ist ein Buch für Mütter und Töchter und jeder der beiden kann etwas davon lernen. Mütter erinnern sich womöglich daran, dass sie selbst mit 16 auch nicht pflegeleicht waren und dass die Pubertät auch mal ein Ende hat. Töchter nehmen sich vielleicht ein bisschen weniger ernst und sehen, dass ihre Eltern ihnen auch nicht nur Böses wollen.

Die Pubertistin ist sowieso nicht ständig nur anstrengend. Denn hinter der harten Fassade oder wahlweise auch riesigen Sonnenbrille steckt immernoch das Mädchen, das zu seinen Eltern aufsieht, ihre Hilfe benötigt und wenn es erstmal aufgetaut ist, richtig anschmiegsam sein kann. Doch das Kind wird eben erwachsen. Besonders schön sieht man das in einer Urlaubsszene, als die begeisterte Tochter ihre ängstliche Mutter zum Schnorcheln mitnimmt. Plötzlich ist es das Kind, dass dem Elternteil sagt: Ich bin bei dir, du musst keine Angst haben.

Fazit:

"Die Pubertistin" ist ein wunderbar satirisches Buch und das Erstlingswerk der taz-Journalistin Anja Maier. In kurzen Kapiteln berichtet sie von ihrer gerade pubertierenden jüngsten Tochter und nimmt sich selbst dabei auch nicht bierernst. Das macht das Buch zu einem Spaß für Mütter, Töchter und sicher auch Väter, die dabei lernen, dass die Pubertät auch irgendwann wieder vorbei geht und bis dahin kann man die Sache auch mit Humor nehmen.
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