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Die Greenwich-Chroniken 1: Die Zeitdiebe  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 29. April 2009

Die Greenwich-Chroniken 1: Die Zeitdiebe

Originaltitel: The Greenwich Chronicles: The Time Wreccas
Übersetzt von: Christina Sarembe

1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Coppenrath
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-8157-9269-8
Preis: 16,95 EUR

432 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Ein verhängnisvoller Diebstahl! Zeitvater Tim ist entsetzt. Jemand ist in seine geheime Werkstatt eingedrungen und hat den Tick, das Herzstück des neuen Zeitmessers, gestohlen! Wenn der Chronometer nicht in der ersten Sekunde des neuen Jahres zu schlagen beginnt, wird die Zeit für immer und ewig stillstehen. Alles deutet darauf hin, dass die fiesen, hinterhältigen Wrackas den Tick in ihr finsteres Reich unter der Erde verschleppt haben. Jetzt gibt es für die Zeithüter nur noch ein Ziel: den Tick rechtzeitig wiederzubeschaffen. Doch wer kann sich unbemerkt in das gefahrenvolle Tunnellabyrinth der Wrackas begeben? Da finden die Hüter in dem Wracka-Mädchen Snot eine unerwartete Hilfe ... und ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Meinung:

Val Tylers Debütroman "Die Zeitdiebe" bildet den Auftakt der Reihe "Die Greenwich-Chroniken". Der zweite Band, "Zeitenwirbel", ist Anfang 2009 auf Deutsch erschienen, ein weiteres Buch der Reihe befindet sich - laut einer Aussage der Autorin - noch in der Planungsphase. Wer mehr über die Schriftstellerin und ihre Bücher erfahren möchte, findet unter www.valtyler.co.uk eine liebevoll gestaltete Homepage, auf der Val Tyler unter anderem auf Fragen ihrer jungen Leser eingeht.

"Die Zeitdiebe" führt einen in eine fantastische Welt, die neben unserer Realität existiert. So erfahrt man schnell, dass der Greenwich Park mehr ist als eine schöne Grünanlage in London, in der man seine Freizeit verbringen kann. Hier befindet sich auch - vor den Augen der Menschen gut verborgen - die Werkstatt des Zeitvaters Tim. Er ist zusammen mit den anderen Hütern dafür verantwortlich, dass die Zeit in geordneten Bahnen verläuft. Als Oberster der Hüter verwaltet er den aktuellen Zeitmesser, der nun schon seit tausend Jahren dafür sorgt, dass die Zeit nicht stillsteht.

Aber nun ist der Zeitmesser so alt, dass er dringend durch einen neuen ersetzt werden muss. Hundert Jahre baute Zeitvater Tim schon an dem Ersatzgerät und zu Silvester soll das magische Wunderwerk in Betrieb genommen werden. Sollte der neue Zeitmesser nicht in der ersten Sekunde des neuen Jahres seine Arbeit aufnehmen, dann würde die Zeit für immer stehen bleiben. Doch die hinterhältigen Wrackas stehlen nur wenige Tage vor dem Jahresende den Tick, das Herzstück des Zeitmessers. Nun befürchten die Hüter, dass diese Schandtat das Ende der Welt bedeutet, wenn es ihnen nicht rechtzeitig gelingt, den gestohlenen Tick zurückzubringen.

Für Tid, den Enkel des Zeitvaters, hat dieser Vorfall eine ganz besondere Bedeutung, denn er ist für den Diebstahl mitverantwortlich. Obwohl er genau wusste, dass er niemandem von der geheimen Werkstatt seines Großvaters erzählen durfte, hat er einem fremden Mädchen verraten, wo sie sich befindet. Doch wie hätte er ahnen können, dass Sofie eine Wracka ist, wo sie doch saubere Kleider getragen, gut gerochen und so richtig schön mit ihm zusammen gespielt hatte? All diese Dinge treffen sonst niemals auf einen dieser Unholde zu.

Nicht nur für die Hüter kommt mit dem Diebstahl des Tick viel in Bewegung, denn in der Drunterwelt fühlt sich das Wracka-Mädchen Snot schuldig, weil es Tid eine Falle gestellt und ihm das Geheimnis der Zeitwerkstatt entlockt hat. So recht hat sich Snot bei den Wrackas nie wohlgefühlt, aber ihnen aus Angst geholfen, den Diebstahl durchzuführen. Doch nachdem sie als Sofie gesehen hat, wie schön die Drüberwelt ist und wie nett es sein kann, mit einem Freund im Park zu spielen, kann sie sich gar nicht mehr in ihre alte Umgebung einfinden. So beschließt Snot, dass sie wieder zurück an die Oberfläche gehen und Tid helfen wird, den Tick zurückzuholen.

Val Tyler hat ihre fantastische Welt sehr einfach und betont gegensätzlich aufgebaut. So sind die Hüter weise und freundliche Gestalten, die niemals die Hand gegen jemanden erheben würden, während die Wrackas vor Schmutz starrende, asoziale Wesen sind, in deren Gesellschaft nur der Stärkste überlebt. Doch auf jeder Seite gibt es auch Personen, die sich in ihrem Umfeld nicht wohlfühlen und sich nach einem anderen Leben sehnen. Während Snot lieber Sofie wäre und in eine liebevolle Familie aufgenommen werden möchte, gibt es einen Hüterjungen, der regelmäßig seiner gewalttätigen Seite nachgibt und der von den heimtückischen Wrackas fasziniert ist.

Allein schon durch die Sprache wird der große Unterschied zwischen den beiden Gesellschaften deutlich: Während die Hüter eine gewählte und klare Ausdrucksweise pflegen, muss man sich als Leser sehr an die unkorrekten Formulierungen der Wrackas gewöhnen, die gern mal ein paar Silben vernuscheln, Wörter falsch aussprechen oder doppelte Verneinungen verwenden. Doch hat man sich erst einmal eingelesen, dann erleichtert dieser sprachliche Kontrast es, die verschiedenen Perspektivenwechsel nachzuvollziehen.

Spannend und voller Überraschungen entwickelt sich das Abenteuer um die Wiederbeschaffung des Tick. Die Wrackas sind wunderbare Bösewichte für ein Kinderbuch. Denn auch wenn es immer wieder zu gefährlichen Situationen kommt und viel gekämpft wird, kann selbst der junge Leser so dumme Gestalten doch nicht wirklich als Bedrohung empfinden. Stattdessen gibt es immer wieder lustige Situationen, wenn die Wrackas versuchen, sich gegenseitig auszustechen oder bei ihrem Anführer einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Trotz einer sehr starken Schwarz-weiß-Zeichnung der Charaktere und der klischeehaften Figuren kann "Die Zeitdiebe" aufgrund der vielen Details überzeugen. Selbst Zeitvater Tim, der das personifizierte Ideal des liebevollen Großvaters ist, kann sogar von erwachsenen Lesern toleriert werden, weil es Val Tyler mit diesem Roman gelingt, eine wunderbar abenteuerliche Geschichte mit Sofies Suche nach Geborgenheit und einem friedvolleren Leben zu verbinden. Die Autorin beschreibt ganz deutlich, dass ein jeder es selbst in der Hand hat, ob er "gut" oder "böse" sein will, und dass Vertrauen, Freundschaft und Liebe kostbare Güter sind, die das Leben zu etwas Besonderem machen.

Fazit:

Nach einer zwanzigjährigen Tätigkeit als Grundschullehrerin hat Val Tyler ein gutes Gespür dafür entwickelt, welche Art von Geschichten Kinder gern hören würden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihr Debütroman "Die Zeitdiebe" sehr gut auf die jungen Leser zugeschnitten ist. Auch wenn einem Erwachsenen die deutlich schwarz-weiß gestalteten Abenteuer von Tid und Sofie wohl ein wenig zu einfach und klischeebehaftet vorkommen mögen, wird sich ein Kind daran gewiss nicht stören. Stattdessen wird es mit den liebevoll beschriebenen Charakteren mitfiebern und hoffen und bangen, dass es Tid und Sofie rechtzeitig gelingen wird, den Tick zurückzubekommen.
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