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Die Entdeckung des Hugo Cabret  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 7. Juni 2010

Die Entdeckung des Hugo Cabret

Originaltitel: The Invention of Hugo Cabret
Übersetzt von: Uwe-Michael Gutzschhahn

Verlag: cbj
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-570-22118-1
Preis: 12,95 EUR

544 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.9

Wertung:
9.9
von 10
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Zum Inhalt:

Hugo Cabret, seines Zeichens Waisenjunge, Dieb und Wächter der Uhren, lebt verborgen in den Gemäuern des Pariser Bahnhofs. Niemand weiß von ihm, dem Jungen, der alles im Blick behält und sich doch allen Blicken entzieht, bis ein kühnes Mädchen und dessen bärbeißiger Großvater auf ihn aufmerksam werden. Schlagartig ist in Gefahr, was Hugo so sorgsam hütet: seine geheime Existenz - und damit die rätselhafte Zeichnung, das liebevoll aufbewahrte Notizbuch und der mechanische Mann. Jene Dinge, die den Weg zu seinem faszinierenden Geheimnis weisen ...

Meinung:

Mit "Die Entdeckung des Hugo Cabret" schuf Brian Selznick eine beeindruckende Verschmelzung von Bildergeschichte und Jugendroman mit filmisch anmutenden Elementen. Mehr als die Hälfte der über 540 Seiten ist mit weichen und - im besten Sinne - altmodisch wirkenden Bleistiftzeichnungen des Autors gefüllt, in denen die Teile der Handlung dargestellt werden, die nicht im Text beschrieben werden. Obwohl dieses Buch auf den ersten Blick nur die Geschichte des Jungen Hugo erzählt, entfaltet sich für den Leser der Zauber einer Zeit, in der Stummfilme und Automaten die Menschen in eine magisch anmutende Welt entführten.

Nachdem Hugo Cabrets Vater auf tragische Weise ums Leben kam, wird der Junge von seinem Onkel aufgenommen. Dieser ist im Pariser Bahnhof für die verschiedenen Uhren zuständig und überträgt seine Aufgabe bald an Hugo, weil er seine Zeit lieber dem Schnaps und dem Müßiggang widmet. Doch eines Tages kommt der Onkel nicht wieder nach Hause, und so versucht der Junge, allein mit der ihm übertragenen Arbeit fertig zu werden, während er heimlich weiter in einem verborgenen Raum im Bahnhof lebt.

Ohne den Gehaltsscheck des Onkels einlösen zu können, ist Hugo allerdings gezwungen, seine Lebensmittel in den umliegenden Geschäften zu stehlen. Und auch beim Spielzeugmacher, der ebenfalls einen Stand im Bahnhof betreibt, langt Hugo regelmäßig zu. Denn der große Traum des Jungen ist es, den automatischen Mann, der schon das Interesse seines Vaters fesselte, so weit zu reparieren, dass er wieder funktioniert. Dieser Automat sitzt an einem Tisch und hat eine Schreibfeder in der Hand - und insgeheim hofft Hugo, dass er über dieses mechanische Wunderwerk doch noch einmal eine Nachricht von seinem verstorbenen Vater bekommen könnte.

Aber dann erwischt ihn der alte Spielzeugmacher beim Stehlen einer kleinen Aufziehmaus und als er die Taschen des Jungen durchsucht, bekommt er das geheime Notizbuch von Hugos Vater in die Hände. Nur mit Hilfe des Mädchens Isabelle, der Patentochter des Spielzeugmachers, könnte es Hugo gelingen, die kostbaren Aufzeichnungen wiederzubekommen, doch dafür müsste der Junge dem Mädchen genügend vertrauen, um ihm seine Geschichte zu erzählen.

"Die Entdeckung des Hugo Cabret" enthält nicht nur die Handlung rund um den Waisenjungen Hugo, der ganz allein versucht, eine große Aufgabe zu bewältigen, sondern auch eine ganz wunderbare Hommage an die ersten Filme, die je in einem Kino gezeigt wurden, und an den Filmemacher Georges Méliès. Brian Selznick vermittelt dem Leser eindringlich, welch ein überwältigendes Erlebnis es für die Zuschauer war, zum ersten Mal einen Zug auf einer Leinwand auf sich zurasen zu sehen, und welch einen Zauber eine fantastische Geschichte wie "Die Reise zum Mond" von Georges Méliès auf die Menschen ausübte.

Dem Autor gelingt es, auch in seinen Illustrationen die Magie der Stummfilmzeit wieder zum Leben zu erwecken: So verwendet Brian Selznick in seinen Bildern einen Zoom auf verschiedene Personen und Details und andere filmische Elemente, es gibt eine Verfolgungsjagd - wie es sich laut Hugo für das Ende eines guten Films gehört - und viele Anspielungen auf Stummfilmklassiker wie "Ausgerechnet Wolkenkratzer!" mit Harold Lloyd. Doch auch auf die Verbindung zwischen der Bühnenzauberei, Automaten und der Filmgeschichte geht der Autor in diesem Buch ein und macht den Leser so neugierig auf weitere Details zu diesem Bereich der Kulturgeschichte.

Besonders faszinierend ist es, wie gut die Verschmelzung zwischen dem Bild- und dem Textanteil in "Die Entdeckung des Hugo Cabret" funktioniert. Nach den ersten Seiten merkt man kaum noch, wie man zwischen den beiden Erzählformen wechselt, und hat das Gefühl, dass die einzelnen Passagen genau so dargestellt werden mussten. Auch die Einbindung von Originalzeichnungen des Filmemachers Georges Méliès gelingt ganz hervorragend. Leider ermöglicht es die enge Bindung der Taschenbuchausgabe dem Leser nicht, alle Zeichnungen vollständig zu betrachten, da sehr oft Details im Schnitt verschwinden und nur dann zur Geltung kämen, wenn man das Buch mit Gewalt aufbrechen würde.

Obwohl dieser Roman für "Kinder ab 10 Jahren" empfohlen wird, ist dieses Buch auch für deutlich ältere Leser wunderbar geeignet. Hugo Cabrets Geschichte erzählt von Einsamkeit und Freundschaft, vom Zauber des Films und von einer Zeit, als technisch auf einmal alles möglich erschien, und berührt einen sehr. Aber auch derjenige, dem die Handlung vielleicht zu kindgerecht erscheint, wird der Faszination dieser ungewöhnlichen Erzählweise und der Leidenschaft des Autors für den Stummfilm und die Automaten erliegen.

Fazit:

Mit "Die Entdeckung des Hugo Cabret" ist dem Autor und Illustrator Brian Selznick wirklich ein aufsehenerregendes Werk gelungen. Mit einer faszinierenden Mischung aus Bleistiftzeichnungen, Filmelementen und Textpassagen wird die Geschichte des Waisenjungen Hugo Cabret erzählt, der versucht, ganz allein seiner Aufgabe im Pariser Bahnhof nachzugehen. Zugleich entsteht so neben der anrührenden Handlung eine mitreißende Hommage an die Stummfilmzeit, die ersten fantastischen Leinwandproduktionen, die Automatentechnik der Bühnenzauberer und den Filmemacher Georges Méliès.
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