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Die Drachenkämpferin 1: Im Land des Windes  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 21. März 2008

Im Land des Windes

Originaltitel: Cronache del Mondo Emerso: Nihal della Terra del Vento
Übersetzt von: Bruno Genzler

1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: cbj
Erschienen: Feburar 2006
ISBN: 978-3-570-13113-8
Preis: 16,95 EUR

383 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Im Land des Windes wächst ein Mädchen auf, das anders ist als die Gemeinschaft, in der es lebt: schlank, drahtig, mit lebhaften violetten Augen, fließendem, blau glänzendem Haar und auffallend spitz zulaufenden Ohren. Sein Name: Nihal. Dieses Mädchen setzt es sich in den Kopf, dem Orden der Drachenritter beizutreten, der allein seine Welt von der Geißel des grausamen Tyrannen befreien kann. Allerdings wurde noch nie ein Mädchen in den Eliteorden aufgenommen. Doch in Nihals Adern fließt Kämpferblut.

Meinung:

Mit "Im Land des Windes", dem ersten Roman der "Drachenkämpferin"-Trilogie, legt die Autorin Licia Troisi ein gelungenes Erstlingswerk vor. Liebevoll und detailliert beschreibt sie ihre Welt, die für den langjährigen Fantasyleser zwar wenig Neues bietet, aber trotzdem durch so manch ungewohnte Perspektive auf bekannte fantastische Völker zu überzeugen weiß. Nur selten gibt es Momente, in denen die Fülle an Beschreibungen dazu führt, dass man die dargestellten Szenen und Lebensweisen hinterfragt und sich nicht vorstellen kann, dass das funktionieren könnte.

Die Hauptfigur Nihal ist besonders detailliert und liebevoll ausgearbeitet. Die Autorin nimmt sich die Zeit, die Kindheit des Mädchens, sein Temperament und sein Umfeld zu beschreiben, um so die Basis für seine weitere Entwicklung zu legen. Schon von klein auf will die ungestüme Tochter des Waffenschmieds Livon nichts anderes sein als eine Kriegerin. Nicht nur in dieser Beziehung unterscheidet sie sich von ihren Spielkameraden in der Turmstadt, in der sie aufwächst.

Wirklich sympathisch wirkt Nihal zu Beginn der Erzählung nicht. Zu sehr ist das Mädchen auf sich selbst fixiert und nimmt keine Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse anderer, während es seine Ziele verfolgt. Nicht selten wünscht sich der Leser, dass Nihal endlich ihr pubertierendes Trotzverhalten ablegt. Erst im Laufe des Buches lernt man Nihal so zu nehmen, wie sie ist, und bis zu diesem Zeitpunkt erhalten die vielen Nebenfiguren das Interesse an der Erzählung aufrecht.

Egal, ob es nur der Gemüsehändler ist, dessen Auslage mal wieder von den spielenden Kindern umgestoßen wurde, der über dem ungestümen Temperament seiner Tochter verzweifelnde Vater oder die Respekt einflößende Gestalt der Tante, die später Nihals Ausbildung übernimmt - jeder der Charaktere ist so stimmig dargestellt, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Besonders Sennar, ein Schüler der Magie, bildet einen schönen Kontrast zu der egoistischen Nihal.

Sehr stimmig wird die Entwicklung Nihals gezeigt, als ihre Kriegerträume endlich Realität für sie werden. Eine Kriegerin wollte sie immer sein, träumte davon, das Land von der Herrschaft des Tyrannen zu befreien, Heldentaten zu vollbringen und als Drachenreiterin bewundert zu werden. Doch erst als sie erfährt, wie es ist, wirklich in eine Schlacht verwickelt zu sein und zuzusehen, wie Menschen getötet werden, die einem wichtig sind, begreift Nihal, was es bedeutet, in den Krieg zu ziehen. Gegen diese Schrecken kann ihr auch die beste Ausbildung nicht helfen und egal wie gut sie als Kriegerin sein mag, Nihal muss lernen, dass sie nicht jeden Menschen retten kann.

Zusätzlich zu seiner Ausbildung zur Kämpferin, die das Mädchen vor viele fast unlösbare Aufgaben stellt, belasten es seit frühester Kindheit "Stimmen" und "Erscheinungen", die es auffordern, gegen den Tyrannen zu kämpfen und all diejenigen zu rächen, die von diesem getötet wurden. Hinter all dem stecken Geheimnisse aus Nihals Vergangenheit, die sich nicht einfach lösen lassen. Erst mithilfe ihrer Tante Soana und ihres Freundes Sennar schafft es Nihal, mit dieser Belastung umzugehen.

Licia Troisi beschreibt gekonnt, welch einen langen Weg Nihal zurücklegen muss, bis sie ihr Ziel in Sichtweite hat. "Im Land des Windes" gehört nicht zu den Fantasyromanen, in denen der Heldin ihre Fähigkeiten in den Schoß fallen. Neben der jahrelangen Ausbildungszeit in den verschiedenen Bereichen, die sie immer wieder vor physische und psychische Herausforderungen stellt, sieht sich Nihal mit schwerwiegenden Fragen konfrontiert, die nicht einfach mit dem Schwert zu lösen sind.

Gerade diese nachdenklichen Momente, bei denen sich auch der Leser fragen darf, wie viel man aufzugeben bereit sein sollte, um ein Ziel zu erreichen, machen diesen Roman so lesenswert. Ohne zu belehren schafft es die Autorin, moralische Aspekte in die Erzählung einzubringen, die sich um Themen wie die Frage drehen, ob ein Mensch, der für das Gute kämpft, wirklich gut ist, wenn seine Taten denen der Bösen in nichts nachstehen.

Fazit:

Nicht nur für ein Erstlingswerk ist "Die Drachenkämpferin: Im Land des Windes" sehr gut geschrieben. Die wenigen Längen und auch die Tatsache, dass die Hauptperson erst sehr langsam an Sympathie gewinnt, werden durch die detaillierten und liebevollen Schilderungen der Nebenfiguren und der fantastischen Welt auf jeden Fall ausgeglichen. Der Roman lässt sich flüssig lesen, auch an Tiefgang fehlt es ihm nicht. Dabei schafft er es jedoch, nicht belehrend zu sein. Licia Troisi hat mit dieser Erzählung ein viel versprechendes Werk geschaffen, dass den Leser gespannt auf eine Fortsetzung warten lässt.

 
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