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Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Samstag, 20. Dezember 2008

Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen

Untergenre: Historisches
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-407-74093-9
Preis: 8,95 EUR

352 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Dresden, 1813. Napoleons Truppen belagern die Stadt, die engen Gassen sind verstopft, das Essen ist knapp. Keine einfache Zeit für Filomena, der ihr Zuhause zu eng geworden ist. Eines Tages kommt eine Gauklertruppe in die Stadt. Filomena ist fasziniert - vor allem die geheimnisvolle Kunstreiterin Pruna hat es ihr angetan. Bald verbindet die beiden eine innige Freundschaft und als die Artisten weiterziehen, folgt ihnen Filomena. Das Leben der Gaukler ist aufregend, doch ständig laufen sie Gefahr, zwischen die verfeindeten Fronten zu geraten ...

Meinung:

Die Autorin Karla Schneider wurde 1938 in Dresden geboren und lebte lange Zeit in der DDR. Sie siedelte 1979 in die Bundesrepublik über und begann 1988 ihre Karriere als freie Schriftstellerin. Zu ihren Werken gehören nicht nur Bücher für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Die Geschichten, die sie erzählt, spielen sowohl in der Gegenwart, als auch in den verschiedensten historischen Epochen. Der Roman "Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen" wurde das erste Mal 1992 von Beltz & Gelberg veröffentlicht und nun unter dem Gulliver-Imprint neu aufgelegt.

Erzählt wird die Geschichte der Filomena Findeisen, die bei ihrem Onkel und ihrer Tante wohnt, welche eine Armenschule betreiben. Die Familie lebt in Dresden, zur Zeit der napoleonischen Kriege, genauer während der Befreiungskriege, die die endgültige Niederlage von Napoleon einleiteten. Die ganze Stadt ist im Brennpunkt des Geschehens, zwischen den Franzosen auf der einen Seite und deren Gegnern auf der anderen. Trotzdem kommen eines Tages Gaukler in die Stadt und Filomena ist von diesen sofort fasziniert. Sie lernt dabei die Kunstreiterin Pruna kennen, die ungefähr im gleichen Alter wie sie ist. Als es dann eines Tages zu einem Eklat bei den Findeisens kommt, flieht Filo - wie sie auch gerufen wird - zu ihrer Freundin. Und so zieht sie dann mit der Truppe umher und erlebt spannende Abenteuer.

Beim Lesen merkt man, wie viel Mühe sich Karla Schneider beim Recherchieren gemacht hat. Der gesamte historische Hintergrund wirkt stimmig und schlüssig. Dabei ist vor allem die Beschreibung der belagerten Stadt Dresden, die unter den Kriegswirren zu leiden hat, besonders gut geworden. Darauf aufbauend ist es daher für die Autorin ein Leichtes, Spannung zu erzeugen. Doch leider gibt es auch immer wieder Momente, in denen man als Leser verwirrt ist. Nämlich dann, wenn die Autorin zu Gunsten einer neuen Situation die vorherige Handlungs- und Figurenlogik ignoriert.

Zum Beispiel findet Filomena eine Maus, die sie, mit Erlaubnis ihrer Familie, in einem Käfig auf ein geliehenes Klavier stellt. Doch das Nagetier bricht aus und knabbert das Instrument an, beschädigt es dadurch und entzieht damit den Findeisens eine wichtige Existenzgrundlage. Daraufhin kommt es zu einem Eklat, den sich Filomena so sehr zu Herzen nimmt, dass sie ausbüxt und zu ihrer Freundin Pruna flüchtet, mit der sie dann mitgeht. Man merkt diesem Szenario an, dass es nur dem Zweck dient, den Status der Titelfigur zu verändern. Dass dabei diese Handlung sich mit den vorherigen Charakterisierungen beißt - so wurden Onkel und Tante vorher als streng, aber auch als gerecht und freundlich beschrieben - scheint dabei egal zu sein. Und solche unglaubwürdigen Plotentwicklungen findet man leider immer wieder in regelmäßigen Abständen im Roman vor.

Dabei ist eigentlich die Charakterisierung der beiden Hauptpersonen ordentlich geworden. Filomena wird als ein aufgewecktes, wenn auch manchmal arg naives zwölfjähriges Mädchen beschrieben, während ihre Freundin Pruna durch ihr ungezwungenes Leben charakterisiert wird. Sie behauptet von sich selbst, Magie anwenden zu können, was jedoch wohl eher in ihrer Einbildung stattfindet. Doch passt dies zu den zweien, denn sie verfügen immer noch über jede Menge Fantasie. Beide verbindet ihre tiefe und innige Freundschaft, die das zentrale Element des Romans ist, der ansonsten recht schonungslos mit den Details des Krieges umgeht.

Karla Schneider lässt nämlich den Tod einige Male urplötzlich und ohne Vorwarnung zuschlagen. Da stirbt mal eben ein Kind an einem Querschläger und Filo muss, um die Familie ihrer Freundin zu schützen, einen Soldaten von hinten erstechen. Dies alles wird äußerst realistisch beschrieben, in allen Konsequenzen und Facetten. Daher sollten sich lieber erst einmal die Eltern die entsprechenden Szenen angucken, ehe sie entscheiden, ob das Buch auch für ihren Nachwuchs geeignet ist.

Leider endet der Roman ziemlich abrupt, sodass viele Handlungsstränge ungelöst bleiben, genau wie nicht näher auf das Schicksal einiger wichtiger Figuren eingegangen wird. Es ist schade, dass die Autorin anscheinend das Gefühl hatte, den Roman auf Biegen und Brechen zu einem Ende bringen zu müssen. Denn so hat man das Gefühl, nur ein Fragment zu lesen und bleibt etwas ratlos und frustriert zurück.

Fazit:

Karla Schneider hat mit "Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen" ein leider nur durchschnittliches Buch geschrieben. In Hinsicht auf die historischen Details weiß der Roman zu überzeugen und alles wirkt stimmig und passend. Leider gibt es aber auch Stellen, wo die Handlung plötzliche Sprünge macht, um für die Figuren eine dramatische Wendung herbeizuführen. Dies trifft vor allem auf Filomena zu, die von einem Moment zum anderen Dinge tut, die ihrer vorherigen Charakterisierung eher widersprechen. Immerhin kann Karla Schneider ansonsten durch die gelungene Darstellung der Freundschaft zwischen der Titelheldin und ihrer Freundin Pruna beim Leser punkten. Gewöhnungsbedürftig ist der offene und schonungslose Umgang mit dem Thema "Tod", weshalb der Roman vielleicht nicht für alle jungen Leser geeignet ist. Leider endet die Geschichte außerdem ziemlich abrupt und lässt einen ratlosen und frustrierten Leser zurück.
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