Banner bookdepository.com

Der Maskenmörder  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Jana Witte   
Dienstag, 2. Februar 2010

Der Maskenmörder

Untergenre: Historischer Krimi
Verlag: Ravensburger
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-473-58284-6
Preis: 6,95 EUR

288 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

London im 18. Jahrhundert. Der Opernsänger Giacomo Amorelli zieht die Fans in Scharen an. Doch als sein Konkurrent Ferrante bei laufender Vorstellung in den Tod stürzt, gerät der Star unter Verdacht. Der junge Adlige Lucius ist wie viele andere Zeuge dieses Sturzes. Hinter der Bühne entdeckt er Umstände, die ihn zweifeln lassen, dass Ferrantes Tod ein Unfall war. Als dann auch noch ein Theaterdiener stirbt, will Lucius die Wahrheit ermitteln. Hat wirklich Amorelli seinen Konkurrenten beseitigt oder will ihm jemand einen Mord anhängen?

Meinung:

Die deutsche Autorin Nina Blazon, Jahrgang 1969, dürfte der Leserschaft primär durch ihre Fantasy-Werke wie zum Beispiel "Faunblut", "Der Kuss der Russalka" oder die "Woran-Saga" bekannt sein. Mit "Der Maskenmörder" legt sie nun erneut einen historischen Roman vor und betritt dabei die Krimibühne. Im London des 18. Jahrhunderts treten in dem von Prinz Frederick von Wales unterstützten "King's Theatre" die beiden konkurrierenden Opernsänger Nicola Ferrante und Giacomo Amorelli auf. Die Premierenvorstellung der Oper "Der Flug des Ikarus" wird unter anderem von Lady Isobel Burlington und ihrem Neffen Lucius Gildare besucht. Doch was als Wettstreit der Sänger beginnt, endet im Desaster: Ferrante verunglückt und stürzt.

Als Lucius im Auftrag seiner Tante dem Sänger Amorelli während der Pause eine Einladung übermitteln will, erfährt er als einer der ersten, dass Ferrante tödlich verunglückt ist. Lucius bemerkt auch das sauber durchschnittene Führungsseil. Seine Aufmerksamkeit wird dann jedoch von einer maskierten Dame abgelenkt. Letztere tuschelt mit einem Theaterdiener, der verstohlen auf den Schnürboden weist. Bevor Lucius mehr erfahren kann, ist die Dame verschwunden und ihm bleibt nur, den Auftrag seiner Tante auszuführen.

Am nächsten Morgen brodelt London: Ferrante und Amorelli haben sich lautstark vor der Aufführung gestritten und nun ist Ferrante tot! Wurde er ermordet? Lucius fallen sehr wohl die Widersprüchlichkeiten zwischen dem Zeitungsartikel und seiner eigenen Beobachtung auf. Schließlich war das Führungsseil nicht gerissen, sondern sauber durchtrennt. Ein Unfall, wie der Theaterdirektor behauptet, war Ferrantes Tod sicher nicht. Sind die maskierte Dame und der Theaterdiener etwa Mordkomplizen? Seine Tante, an deren Weisungen er sich gebunden fühlt, untersagt ihm jedoch, sich weiter mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Ganz kann Lucius aber seine Neugier nicht unterbinden und begibt sich vor seiner eigentlichen Arbeit im Kontor noch einmal zum "King's Theatre". Gerade wurde dort der Theaterdiener Leonhard "Shake" Hearn tot aufgefunden. Außerdem wird Amorelli in einer Kutsche zum Theater gefahren, in der anscheinend auch die maskierte Dame des Vorabends sitzt. Lucius kann seinem Drang, die Wahrheit zu erfahren, nicht mehr widerstehen und beginnt mit seinen eigenen Ermittlungen, mit unerwarteter Unterstützung.

Eindeutig steht der junge Erwachsene Lucius im Mittelpunkt dieses Romans. Er ist der uneheliche Sohn von Marcus Burlington und auf dem Land bei seiner Mutter aufgewachsen. Als sein Vater verstirbt, wird Lucius von seiner Tante, Lady Isobel, nach London eingeladen, die ihm eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich ermöglicht. Lucius ist intelligent, neugierig und hat den Drang, Unregelmäßigkeiten und Rätseln auf den Grund zu gehen, ob sie nun im Kontor vorzufinden sind oder bei einer Mordermittlung. Die Autorin begeht dabei nicht den Fehler, Lucius ohne Fehl und Tadel und als gehorsamen Neffen darzustellen. Seine manchmal mit ihm durchgehende Fantasie, besonders aber seine ambivalenten Gefühle gegenüber seiner Tante, lassen Lucius' Charakter lebendig werden: So empfindet er einerseits Dankbarkeit gegenüber Lady Isobel, andererseits ist er ihre Vorurteile und herablassenden Bemerkungen angesichts seiner Herkunft leid.

Der Kriminalfall selbst entwickelt sich zügig, die offensichtlichen Verdächtigen werden bereits im zweiten Kapitel angeführt. Aber vieles ist nicht so, wie es scheint: Gerüchte rumoren, Intrigen werden gesponnen und Masken in mehrfacher Hinsicht getragen. Schlechte Presse und Unruhestifter erschweren zusätzlich Lucius' Suche nach der Wahrheit. Die Autorin gesteht dem Leser hier auch keinerlei Vorteil zu: Man begleitet Lucius - manchmal gemeinsam mit seinen Helfern - durch dunkle Londoner Gassen, in die Theater, Künstlerzimmer und Salons, Cafés und Hinterhäuser, folgt mit ihm den Hinweisen und Spuren und ist so immer mitten im Geschehen. Dabei gelingt es der Autorin, die Spannung auch mit einem recht geringen Umfang an Gewalt aufrechtzuerhalten. Dies ist umso erfreulicher, da "Der Maskenmörder" vom Verlag für Leser ab 12 Jahren empfohlen wird. Ganz ohne Gewalt kommt der Roman natürlich nicht aus - schließlich ist es eine Kriminalgeschichte -, jedoch liegt das Hauptaugenmerk auf Lucius' Detektivarbeit und der seiner Helfer/innen.

Bei der vorliegenden Taschenbuchausgabe des Ravensburger Buchverlags handelt es sich übrigens um die Neuauflage des 2007 als Hardcover erschienenen Romans "Der Maskenmörder von London". Das Taschenbuch trägt ein schön gestaltetes Coverbild, mit welchem die düstere Atmosphäre des nächtlichen Londons im 18. Jahrhundert eingefangen wird. "Der Maskenmörder" ist in neun Kapitel unterteilt und am Ende des Romans findet der Leser - ähnlich wie in einem Bühnenstück - die wichtigsten in der Geschichte auftretenden Personen. Für einen vergleichsweise günstigen Taschenbuch-Neupreis von 6,95 EUR bekommt man mit diesem Band eine schön gestaltete Veröffentlichung geboten.

Fazit:

Nina Blazon legt einen stimmungsvollen Kriminalroman vor, der den Leser in das London des 18. Jahrhunderts entführt. Das Buch zeichnet sich durch einen mit zahlreichenden Wendungen versehenen Plot und lebendige Charaktere aus. Wie gut die Autorin recherchiert hat, zeigt sich beispielsweise in der thematisierten Konkurrenz der beiden Theaterhäuser, die von verschiedenen Mitgliedern der königlichen Familie unterstützt werden, aber auch in Andeutungen über Amorellis Sangeskunst und deren Ursache. Diese Komplexität macht "Der Maskenmörder" für erwachsene Leser ebenfalls interessant. Aus den vorgenannten Gründen kann der Roman in seiner Gesamtheit allerdings manchen jüngeren Leser eventuell etwas überfordern.
Weiterführende Infos

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.