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Der kleine Vampir und die Letzte Verwandlung  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Jano Rohleder   
Dienstag, 6. Mai 2008

Der kleine Vampir und die Letzte Verwandlung

20. Band der Reihe

Verlag: rororo rotfuchs
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-499-21459-2
Preis: 6,95 EUR

144 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Dank einer Einladung von Olga Fräulein von Seifenschwein, die Anton auf keinen Fall ablehnen darf, nimmt er an der höchsten und geheimsten Zeremonie der Vampire teil: der Nacht der Letzten Verwandlung! In dieser Nacht, in der es keine Geheimnisse, keine Lügen und keine Täuschungen gibt, werden alle Menschen, die von Vampiren gebissen werden, endgültig selbst zu Vampiren. Anton erfährt, was es bedeutet, ein Mensch unter Vampiren zu sein. Selbst Rüdiger, der kleine Vampir, kann ihm dieses Mal nicht zu Hilfe kommen ...

Meinung:

Als die Reihe "Der kleine Vampir" mit dem ersten Band im Jahr 1979 startete, hätte wohl niemand gedacht, dass die Abenteuer um Rüdiger und seinen menschlichen Freund Anton knapp 30 Jahre später immer noch in aller Welt beliebt sein würden. Zahlreiche Bände erschienen im Laufe der Jahre, besonders viele brachte 1989 hervor, als die kanadische TV-Serie mit Gert Fröbe als Friedhofswärter Geiermeier gerade über die Bildschirme flimmerte. In der letzten Zeit erschienen allerdings nur noch vereinzelte Bände und mit dem soeben bei rororo-rotfuchs veröffentlichten 20. Teil soll die Reihe nun wohl auch zu ihrem Abschluss gekommen sein.

Leider zeigt sich "Die letzte Verwandlung" jedoch nicht als würdiges Finale für dieses enorm beliebte Kinderbuch-Franchise. Die Story kann einfach nicht an den Witz und die Spannung anknüpfen, die die Geschichten um Rüdiger, den kleinen Vampir, früher ausmachten. Die Figuren bleiben zu oberflächlich (anstatt ihren jeweiligen Charakter klar zu zeichnen, wird auf frühere Abenteuer verwiesen), die Geschichte zu spannungsarm und emotionslos. Lediglich der Vollzug der "Letzten Verwandlung" wird etwas interessanter beschrieben (und teilweise fast schon zu brutal für das Zielpublikum), ansonsten plätschert alles eher vor sich hin.

Zudem kommt der kleine Vampir selbst viel zu kurz. Eigentlich sollte man erwarten, dass der titelgebende Protagonist im Abschlussband seiner Reihe auch irgendwo im Mittelpunkt steht. Stattdessen taucht er jedoch lediglich als Randfigur auf, die fast schon überflüssig erscheint. Überraschend ist zudem das Ende der Geschichte, das mit einer traurigen Wendung um Anna aufwartet, die jedoch sehr willkürlich wirkt und den Eindruck macht, hauptsächlich als Mittel zum Zweck zu dienen.

Positiv lässt sich anmerken, dass sich die "Letzte Verwandlung" erstmals etwas tiefgründiger mit Antons Beziehung zu Anna befasst, als dieser darüber nachdenkt, dass er irgendwann erwachsen sein wird, während Anna auf ewig im Körper eines Kindes gefangen ist. Hier wäre es jetzt interessant gewesen, auf diesen Gefühlskonflikt dann auch tatsächlich näher einzugehen. Doch stattdessen klingt er nur flüchtig in eins, zwei Sätzen an.

Generell ist in Bezug auf den "kleinen Vampir" eine Sache sehr schade: die Reihe hat sich in knapp 30 Jahren in keiner Hinsicht weiterentwickelt. Es mag zwar einerseits schön sein, dass die Geschichten so zeitlos sind, doch irgendwo geht einfach etwas verloren, wenn Band 20 aus dem Jahr 2008 inhaltlich nur einige Monate nach Band 1 aus dem Jahr 1979 spielt. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, der Handlung durch eine zeitliche Weiterentwicklung zu neuem Schwung zu verhelfen. Paul Maar ist das ja beispielsweise beim "Sams" auch hervorragend gelungen, ohne dass er sich selbst dabei untreu geworden wäre. Angela Sommer-Bodenburg hat diese Chance für ihren "kleinen Vampir" leider nicht genutzt.

So bleibt beim treuen Leser nach der Lektüre von "Der kleine Vampir und die Letzte Verwandlung" ein sehr zwiespältiges Gefühl zurück. Einerseits freut man sich natürlich, Neues von Rüdiger & Co. zu lesen, andererseits ist man jedoch enttäuscht über die wenig überzeugende, geradezu langweilige Handlung, die in keinem Verhältnis zu den vor Witz und Spannung sprühenden früheren Geschichten steht. Und wer die alten Abenteuer nicht kennt, wird an dem neuen Band noch weniger Spaß haben, da nahezu alle Figuren und Begebenheiten Vorwissen aus vorherigen Bänden voraussetzen, um für den Leser nachvollziehbar zu bleiben.

Fazit:

Falls "Der kleine Vampir und die Letzte Verwandlung" tatsächlich der letzte Band der Reihe um Anton, Anna und Rüdiger sein wird, kann man leider kaum von einem "krönenden Abschluss" sprechen. Die Geschichte, in der Rüdiger - die eigentliche Hauptfigur - viel zu kurz kommt, plätschert vor sich hin, ist über weite Teile nahezu uninteressant und verweist für die Charakterisierung einzelner Figuren einfach auf frühere Bände, anstatt sich selbst darum zu kümmern. Mit den spannenden Abenteuern, die der "kleine Vampir" in seiner Anfangszeit erlebte (die inhaltlich eigentlich nur kurz vor der Handlung von Band 20 liegt), hat "die Letzte Verwandlung" leider nichts mehr gemein. Schade, dass aus dem großen Potenzial dieser beliebten Reihe nur noch so wenig gemacht wird.
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