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Das Bernstein-Teleskop  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Sabine Hut   
Montag, 24. März 2008

Das Bernstein-Teleskop

Originaltitel: The Amber Spyglass
Übersetzt von: Wolfram Ströle

3. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Heyne
Erschienen: Oktober 2007
ISBN: 978-3-453-50373-1
Preis: 9,95 EUR

590 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Lyra befindet sich in der Gewalt von Mrs. Coulther, welche sie mit einem starken Schlafmittel betäubt. Jedoch kann ihr toter Freund Roger in diesem Zustand mit Lyra Kontakt aufnehmen. So reift in ihr der Wille, in die Welt der Toten zu gehen, um sich nochmals bei Roger zu entschuldigen. Denn in ihren Augen ist er ihretwegen gestorben. Die Reise ins Reich der Toten wird schmerzhaft und lang. Doch ist sie entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte. Der Kampf zwischen den Allermächtigsten tobt schon und die Frage ist, ob es zwei Kinder schaffen können, das Schicksal zu beeinflussen.

Meinung:

Endlich ist der Abschluss der Trilogie geschafft und das Abenteuer hat ein Ende. Man muss sagen, dass der letzte Band nicht mehr ganz so überzeugend ist wie seine Vorgänger. Woran genau das liegt, kann man nicht wirklich beschreiben. Jedoch scheinen gewisse Dinge in diesem Buch eher unwichtig und die Handlung zieht sich zeitweilig etwas in die Länge. Der Erzählstil ist ausschmückender geworden. Teilweise ist das wirklich gut gelungen und passt hervorragend in die Geschichte. Es gibt jedoch auch Stellen, bei denen es Pullman leicht übertreibt.

Doch auch viel Neues und Schönes ist im Roman zu erkunden. Das Volk der Mulefa tritt auf den Plan. Mulefa sind merkwürdige Tiere, welche auf allen Vieren gehen und einen Rüssel haben. Man könnte also meinen, es handele sich um Elefanten, aber weit gefehlt. Diese Tiere basteln sich aus Samen Rollen für die Füße. Auf denen rollen sie durch ihr ganzes Leben. Auch können sie sich mit Geräuschen und Rüsselbewegungen unterhalten. Eben weil sie keinem bisher bekannten Fantasytier ähneln, ist die Idee sehr gelungen. Das Angebot an phantastischen Figuren steigt in diesem Band weiter an, sodass es beispielsweise Engel, besagte Mulefa, Harpyen, Hexen und Geister gibt. Diese Vielzahl an Wesen ist genau richtig, um sich in die unterschiedlichsten Welten entführen zu lassen.

Die Geschichte bietet auch in diesem Band wieder überraschende Wendungen und eine packende Story. Mit den kleinen bereits erwähnten Einschränkungen. Teilweise ist es sehr bewegend weiterzulesen und wird sicher auch den einen oder anderen Leser zu Tränen rühren. So gesehen hat Pullmann wirklich alles richtig gemacht. Der Leser leidet wieder mit den Hauptcharakteren und hofft, dass sich alles zum Guten wendet. Das Geheimnis um die Gespenster, welche auch schon im "Magischen Messer" auftauchten, wird gelöst - auf andere Weise, als die meisten Leser sicherlich dachten.

Die Bücherreihe zum "Goldenen Kompass" wurde von der Kirche stark kritisiert und in diesem Band zeigt sich auch, warum dies so war. Die christlichen Lehren werden stark in Frage gestellt, fast ins Lächerliche gezogen und die Priester der kirchlichen Behörde werden als böse und hinterhältig dargestellt. Das deutlichste Beispiel für Pullmans ablehnende Haltung gegenüber der Kirche ist wohl, dass ein Pater beauftragt wird, Lyra zu töten. Dieser Pater bekommt schon vor der Tat die Absolution erteilt, wodurch es im Auge der Kirche nicht mehr schlimm ist, dass er tötet - er kommt trotzdem in den Himmel. Wer so denkt wie Pullman wird sich sicherlich an den gelegentlichen Seitenhieben erfreuen. Andere könnten sich angegriffen fühlen.

Was noch als negativ zu beurteilen ist, ist die Schilderung der Beziehung zwischen Lyra und Will. Man hat nicht das Gefühl 12- und 13-jährigen "Kindern" zuzuhören. Es klingt als würden sich Erwachsene unterhalten, denn Kinder, die die erste Liebe erleben, reden nicht so offen und geschwollen über ihre Gefühle. Auch das Ende der Geschichte zeigt wohl etwas zu viel Vernunft für dieses Alter.

Fazit:

Der Abschluss der Trilogie kann nicht ganz so überzeugen wie seine Vorgänger. Trotz der schönen Welten und der vielen verschiedenen Fantasy-Figuren zieht sich die Handlung teilweise in die Länge. Auch das Ende hätte besser sein können, denn 12- und 13-jährige, die entscheiden wie Erwachsene, wird es selten geben und genau deshalb wirkt dies sehr an den Haaren herbeigezogen. Trotz allem ist die Geschichte spannend und bringt Spaß beim Lesen.
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