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Millionär  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Humor
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 22. März 2008

Millionär

Verlag: Scherz
Erschienen: Juni 2007
ISBN: 978-3-502-11033-0
Preis: 13,90 EUR

298 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Was ist eigentlich aus Tommy Jauds Romanfigur, dem "Vollidioten", geworden? Nichts natürlich. Simon nörgelt, Simon nervt - aber Simon verbessert die Welt. Glaubt er. Außerdem braucht der inzwischen arbeitslose Vollidiot mal eben eine Million Euro, um eine nervtötende Nachbarin loszuwerden. In seiner Not entwickelt Simon eine derart abgefahrene Geschäftsidee, dass die Chancen gar nicht schlecht stehen, sein Ziel zu erreichen.

Meinung:

Tommy Jauds Roman "Millionär" ist der dritte Band um Simon Peters und erzählt, wie der Charakter sich vom nörgelnden Hartz-IV-Empfänger zum Geschäftsmann entwickelt. Motivation für diese radikale Veränderung ist der Wunsch, endlich die ungeliebte Nachbarin loszuwerden, was nur möglich zu sein scheint, wenn man in der Lage ist, das Haus zu kaufen und der Dame aus dem Dachgeschoss zu kündigen. An den Haaren herbeigezogen? Und wie!

"Millionär" wird in der Regel als "Comedy"-Roman bezeichnet, nicht allein aufgrund der Tatsache, dass der Autor seinen Lebensunterhalt als Gagschreiber für unter anderem die "Wochenshow" und Anke Engelkes Sendung "Ladykracher" verdient hat. Comedy polarisiert immer - und so wird es Leser geben, für die es keine unterhaltsameren Bücher gibt als die von Tommy Jaud, genauso wie einige sagen werden, dass sie noch nie in ihrem Leben etwas so wenig komisches gelesen haben.

Will man neutral bleiben, so kann man behaupten, dass der Autor einige treffende und genaue Beobachtungen über das Leben in einer werbungsgesteuerten Konsumgesellschaft niedergeschrieben hat, welche aber den anspruchsvolleren Leser hoffnungslos unterfordern. Die Grundidee soll witzig sein und das wohl zu sehr, denn bei jedem Witz, bei jeder Begebenheit des Buches kommt das Gefühl auf, dass Tommy Jaud den Humor zwanghaft heraufbeschwören wollte und gerade deshalb gescheitert ist.

Weder amüsiert es, wenn man den zwar treffenden, aber zumeist boshaften Beobachtungen des Romans folgt, noch schafft es die Hauptperson, den Leser auf ihre Seite zu ziehen. Simon Peters ist ein kleinlicher und nervtötender Mensch, mit dem man nie im Leben in derselben Stadt wohnen möchte. Schaffen es andere Autoren, beim Leser unerwartete Sympathie für die negativen Charaktere ihrer Werke aufkommen zu lassen, so hofft man bei "Millionär" eher auf ein rasches Ende der Geschichte, damit man nie wieder etwas mit dieser Person zu tun haben muss.

Auf den letzten 70 Seiten hat man dann das Gefühl, dass der Autor nun endlich aus dem Buch auch eine Erzählung machen wollte, statt es bei einer Aufreihung von Beschwerdeanrufen und Nachbarschaftsleiden zu belassen. Hier endlich kommt das Ganze etwas in Schwung, scheint Tommy Jaud weniger bemüht mit dem Witz umzugehen und erlaubt es so, dass mit jeder skurrilen Wendung unerwarteter Humor durchschimmert.

Leider kommen diese gelungenen Momente gegen den überaus durchschnittlichen Eindruck des Gesamtwerks kaum an. Auch wenn es hier und da mal etwas treffender, kritischer und berührender wird, bleiben ansonsten die aufgezeigten Missstände so sehr an der Oberfläche, dass der Leser darüber hinwegfliegt, ohne innezuhalten und sich der Tatsache bewusst zu werden, dass neben der amüsanten Komponente in der Comedy auch immer ein bitterer Funken Wahrheit steckt.

Doch wer sich nicht daran stört, dass "Millionär" oberflächlich bleibt und immer wieder das Gefühl aufkommen lässt, man habe die gleichen Szenen schon einige Male im anspruchslosen Comedy- Abendprogramm der Privatsender gesehen, der wird gewiss mit diesem Buch genauso viel Spaß haben wie mit den Vorgängern "Vollidiot" und "Resturlaub - Das Zweitbuch". Übrigens plant der Autor nach der erfolgreichen Verfilmung von "Vollidiot" mit Oliver Pocher schon das Drehbuch für "Resturlaub".

Fazit:

Humor ist Geschmackssache und so wird auch dieses Buch seine Leser finden, vor allem unter denjenigen, die auch nach der zehnten Wiederholung etwas Lustiges am Comedy-Abendprogramm der Privatsender zu finden wissen. Für den kritischeren Leser dürfte "Millionär" hingegen eine Enttäuschung sein, da der Humor fast das ganze Buch hindurch zu bemüht und zu flach ist und die Hauptfigur weder ausreichend sympathisch noch tiefgehend genug geschildert wurde, um dieses Manko auszugleichen.

 
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