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Dracula - Die Wiederkehr  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Horror
Geschrieben von Jano Rohleder   
Donnerstag, 3. Dezember 2009

Dracula - Die Wiederkehr

Originaltitel: Dracula: The Un-Dead
Übersetzt von: Hannes Riffel

Verlag: LYX
Erschienen: Oktober 2009
ISBN: 978-3-8025-8220-2
Preis: 19,95 EUR

592 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
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Zum Inhalt:

Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seit die Vampirjäger um Professor Van Helsing den gefürchteten Dracula zur Strecke brachten. Doch der Friede ist trügerisch. In London geschehen grausame Morde. Irgendjemand scheint es auf diejenigen abgesehen zu haben, die damals an der Vernichtung des dunklen Grafen mitwirkten. Könnte es sein, dass der legendäre Dracula noch unter den Lebenden weilt?

Meinung:

25 Jahre liegen die schrecklichen Ereignisse der Harkers und ihrer Freunde nun schon zurück. Ein viertel Jahrhundert ist es also her, dass man das Böse in Gestalt von Dracula, dem blutsaugenden Fürsten der Finsternis, besiegen konnte. Doch so wirklich zum Positiven gewendet hat sich keins der Leben der einstigen "Streiter des Lichts". Die Ehe von Jonathan und Mina Harker ist nur noch eine Farce, was vor allem darin begründet liegt, dass Jonathan ganz gewöhnlich gealtert ist, durch das nach wie vor jugendlich-frische Äußere seiner Frau aber jeden Tag aufs Neue an deren einstige Verbindung mit Dracula erinnert wird. Dies führte im Lauf der Jahre auch dazu, dass sich Jonathan - der die Anwaltskanzlei seines früheren Chefs vermacht bekam - immer mehr dem Alkohol hingab. Lediglich die Sorge um ihren Sohn Quincey (benannt nach ihrem im Kampf gegen Dracula gefallenen Freund Quincey P. Morris) hält die Ehe der beiden noch zusammen - und natürlich das gesellschaftliche Ansehen, das keinen Schaden erleiden soll. Quincey unterdessen, der extra nach Paris geschickt wurde, entspricht so gar nicht den Vorstellungen seiner Eltern, will er doch viel lieber Schauspieler werden, als den sicheren Beruf des Anwalts zu studieren.

Eines Tages beginnen merkwürdige Vorgänge: Ein älterer Mann wird in Paris auf offener Straße vor dem Theater, das Quincey gerade besucht, ermordet. Wie sich dann herausstellt, handelte es sich um Dr. John Seward, den früheren Leiter des Sanatoriums, das sich gegenüber von Draculas Unterschlupf Carfax Abbey befand. Was der Leser zu diesem Zeitpunkt bereits weiß, ist, dass sich Seward auf der Spur einer geheimnisvollen Vampir-Gräfin befand, die nach Frankreich gekommen ist, um dort den Auftritt des rumänischen Schauspielers Basarab zu besuchen - eben jenes Theaterstars, den auch Quincey unbedingt sehen wollte.

Nach und nach kommt es zu weiteren Todesfällen unter denjenigen, die einst Dracula bekämpften und schon bald müssen sich die verbliebenen Fragen, ob der Untote vielleicht zurückgekehrt ist. Doch was hat die seltsame Vampirgräfin mit der Sache zu tun? Und welche Rolle spielen Bram Stoker und der legendäre Jack the Ripper bei dem Ganzen?

Wie oft wurde der "Dracula"-Stoff mittlerweile nun schon in den unterschiedlichsten Formen verarbeitet? Diesmal hat sich Drehbuchautor Ian Holt an eine Umsetzung gewagt - und es musste gleich ein ganz gewagtes Unterfangen sein. Die offizielle Fortsetzung des Romans von Bram Stoker wollte er schreiben (bzw. laut eigener Aussage eigentlich direkt als Film inszenieren, besann sich dann aber darauf, doch erst mal einen entsprechenden Roman vorzulegen) und fragte sich daher so lange bei den Nachfahren des Schriftstellers durch, bis er tatsächlich jemanden fand, der sein Vorhaben unterstützte und dessen Namen man auf das Buchcover setzen konnte. So ist Dacre Stoker auch "nur" ein Urgroßneffe von Bram, der sich aber zumindest schon sein Leben lang für das Werk seines Ahnen interessierte und dem daran gelegen war, den Charakter des Vampirs wieder etwas mehr zum geistigen Eigentum seiner Familie werden zu lassen.

Problematisch bei "Dracula - Die Wiederkehr" ist nur leider, dass das Buch völlig unspannend und ungruselig ist und noch dazu absolut konstruiert und zutiefst albern wirkt. Von der bedrohlichen, düsteren Stimmung des Originals, die einen von Anfang bis Ende in beklommener Spannung hielt, ist hier wirklich gar nichts mehr zu finden. Wenigstens wurde nicht versucht, "Die Wiederkehr" ebenfalls als Brief- und Tagebuchroman anzulegen, denn das hätte die gravierenden Schwächen des Buches wohl noch offener zu Tage treten lassen.

Das Stirnrunzeln des Lesers fängt schon bei der Eröffnungs-Folterszene an, die peinlicherweise nahezu 1:1 aus Eli Roths "Hostel"-Filmen geklaut ist. Ja, Erzsébet Báthory soll tatsächlich im Blut junger Frauen gebadet haben, das ist sogar historisch belegt. Doch dass sie dies derart filmisch inszeniert hat, darf eher bezweifelt werden. Und warum muss man die Vampirmorde in London plötzlich mit Jack the Ripper (der hier immer als "der Schlitzer" übersetzt wurde, statt den allseits bekannten Originalbegriff zu verwenden) in Verbindung bringen, nur weil Bram Stoker irgendwann mal in seinen privaten Aufzeichnungen oder dem Vorwort irgendeiner Ausgabe von "Dracula" darauf verwiesen hat, dass sie den Ripper-Morden nicht unähnlich seien?

Im Gesamtmaß führt das nur dazu, dass der Roman mit konstruierten Plot-Twists vollgestopft wirkt. Ganz offensichtlich wollten die Autoren möglichst viele Ideen mit einbauen, was aber leider völlig daneben gegangen ist und die Story durch und durch vorhersehbar macht. Bezeichnend dafür ist dann auch noch mal die Schlussszene, in der Quincey Harker mit einem neuen Ozeanriesen die Überfahrt in die Neue Welt antreten will, und man sich als Leser nur noch denkt: "Bitte lasst jetzt nicht auch noch die Titanic auftauchen!" Leider wird einem aber nicht einmal dieser Wunsch erfüllt. Selbst der vor einigen Jahren erschienene Roman "Dracula - Der Untote kehrt zurück" von Fredda Warrington, der auch schon kein Maß an Anspruch war, konnte als Fortsetzung deutlich mehr überzeugen als diese "offizielle" Version. "Die Wiederkehr" ist hingegen so langweilig, dass man sich spätestens ab der Hälfte des Romans richtiggehend dazu zwingen muss, das Buch tatsächlich fertig zu lesen. Es interessiert einen einfach nicht, wie es weitergeht - was natürlich für einen Spannungsroman tödlich ist.

Auch das Lektorat - sowohl der Originalausgabe als auch der deutschen Fassung - hatte wohl keine Lust, sich allzu gründlich durch das Buch hindurchzukämpfen. Zu Anfang des Romans gibt es einen Brief von Mina an ihren Sohn, der die Ereignisse aus "Dracula" für ihn und den Leser noch einmal knapp zusammenfasst. Leider ist die Beschreibung in einigen Punkten schlichtweg falsch, was doch schon einen etwas seltsamen Eindruck hinterlässt. Und fällt bereits der sehr platte Schreibstil negativ auf, der eindeutig erkennen lässt, dass weder Holt noch Stoker wirkliche Erfahrungen als Romanautoren haben, gibt es in der deutschen Ausgabe neben einigen ganz grausigen grammatischen Problemen auch immer wieder Flüchtigkeitsfehler, die einfach nicht hätten sein müssen. Aus Jonathan wird zwischendurch plötzlich mal John, dann heißt der Herr auf einmal Steward statt Seward etc. etc. Dabei sind die Charaktere doch nun wirklich nicht so unglaublich schwer auseinanderzuhalten.

Fazit:

"Dracula - Die Wiederkehr" ist leider in jeglicher Hinsicht ein äußerst schwaches Buch. Die Sprache ist schlicht, die Erzählweise absolut unspannend und die Handlung vollgestopft mit viel zu vielen und noch dazu viel zu abstrusen Plot-Twists, die unter anderem auch noch Jack the Ripper und vieles andere mehr mit in die Dracula-Storyline einfließen lassen. Man merkt deutlich, dass beide Autoren alles andere als erfahrene Schriftsteller sind - vielleicht hätte man sich daher auch nicht unbedingt gleich an so ein riesiges Unterfangen wie die "offizielle" Fortsetzung des beliebtesten Schauerromans aller Zeiten wagen sollen. An das hervorragende Original kommt "Die Wiederkehr" jedenfalls zu keiner Zeit auch nur in Ansätzen heran. Schade, dass für die erste Hardcover-Veröffentlichung des LYX-Verlags kein überzeugenderer Titel gewählt wurde.
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