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Die Zombies  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Horror
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 31. März 2010

Die Zombies

Verlag: Piper
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-492-26746-5
Preis: 12,95 EUR

480 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Zombies gelten als unheimlich, feindselig und dumm. Doch die junge Lily ist davon überzeugt, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Seit jeher fasziniert sie der Zombie-Mythos, und sie ist geradezu besessen davon, mehr über die Geschöpfe zu erfahren. Als Lily den attraktiven Victor kennenlernt, kommt sie einem erschreckenden Geheimnis auf die Spur: Zombies existieren wirklich, die unheimlichen Geschöpfe sind mitten unter uns - und Lily erfährt am eigenen Leib, was es bedeutet, lebendig und tot zugleich zu sein ...

Meinung:

Mit dem Roman "Die Zombies" versucht der Autor Thomas Plischke, von dem durch Horrorfilme geprägten Klischee der hirnlosen Untoten abzuweichen und eine anrührende Geschichte über die junge Lily zu erzählen, die sich in einen Zombie verwandelt. Dabei werden im ersten Drittel des Buches immer wieder (fiktive) Interviews aufgeführt, die Lily mit Wissenschaftlern geführt hat, die sich intensiv mit Mythen rund um den Tod in den verschiedenen Kulturen beschäftigt haben.

Denn die Studentin schreibt an einer Doktorarbeit, die auf Sagen rund um lebende Tote eingeht, und versucht dabei die Ursachen für die verschiedenen Formen des Aberglaubens herauszufinden und die Parallelen in den unterschiedlichen Kulturen aufzuzeigen. Ihre Familie ist nicht gerade begeistert von der Richtung, in die sich ihr Anthropologiestudium entwickelt hat, was immer wieder für Spannungen sorgt. Verständnis hingegen findet Lily bei ihrem Freund Gottlieb, der für alle Probleme rund um ihre Arbeit ein offenes Ohr hat. Doch nicht nur für ihr Studium interessiert sich der junge Mann aus Deutschland: Er empfindet deutlich mehr als nur Freundschaft für Lily, kann sich aber aus persönlichen Gründen nicht auf eine Beziehung einlassen.

Bei der Beerdigung ihres geliebten Großvaters lernt die Anthropologin einen geheimnisvollen Fremden namens Victor kennen, der sie einige Tage später zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung einlädt. Dabei verspricht ihr Victor, dass er sie mit Informationen versorgen könnte, die von großer Relevanz für ihre Doktorarbeit sind. Doch erst einmal findet sich Lily in einem Club wieder, wo sie im Laufe eines seltsamen Spiels von einem Mann gebissen wird, den sie für einen sehr überzeugenden Zombie-Schauspieler hält. Nach diesem Biss verändert sich Lilys ganzes Leben, und statt weiter ihrem Studium nachgehen zu können, muss sie nun versuchen, als Zombie ihre Persönlichkeit zu behalten und nicht zu einem hirnlosen Untoten zu verkommen.

Der Leser bekommt diese Geschichte nicht nur aus Lilys, sondern auch noch aus zwei weiteren Perspektiven erzählt. Zum einen ist da Gottliebs Sicht, der nach dem plötzlichen Tod seines Vaters in Deutschland die Familiengeschäfte übernehmen soll. Schnell wird klar, dass der junge Mann in den letzten Jahren nicht wegen des Studiums nach England gegangen war, sondern um Lily und ihre Forschung im Auge zu behalten. Der dritte Erzählstrang dreht sich um Ben, der in einem kleinen schottischen Dorf aufgewachsen ist, in dem das Leben streng reglementiert ist. Die Bewohner in diesem kleinen Ort wirken wie extreme Sektenmitglieder, und ihre Bereitschaft, alles für die "Alten" zu opfern, ist erschreckend.

So interessant die anfangs eingestreuten wissenschaftlichen Interviews (samt persönlicher Nebenbemerkungen von Lily und ihrem Gesprächspartner) sind, so erschweren sie dem Leser doch den Einstieg in die ersten Kapitel. Abgesehen davon findet man sich schnell in die Geschichte ein, auch wenn der Prolog schon von vornherein klarstellt, dass sich Lily durch die folgenden Ereignisse in einen Zombie verwandeln wird und so die Handlung erst einmal einiges an Spannung verliert.

Thomas Plischke betont in seinem Nachwort, dass es ihm vor allem darum ging, mit den verschiedenen Facetten der Zombies zu spielen und sich Gedanken darüber zu machen, wie sich ein intelligenter Untoter, der sich seine menschliche Persönlichkeit weitgehend erhalten hat, verhalten würde. Doch letztendlich führt dieser Versuch dazu, dass man häufig das Gefühl hat, lediglich in einen etwas anderen - und unappetitlicheren - modernen Vampirroman geraten zu sein.

Wahrscheinlich wird "Die Zombies" wohl wirklich nur diejenigen Leser unterhalten können, die von den romantischen Vampirgeschichten genug haben und nun einen sanften Einstieg ins Horrorgenre suchen. Für eher zart besaitete Leser enthält dieser Roman zu viele herausquellende Gedärme, lebendig verschlungene Tauben und Verwesung, während die intelligenten Zombies dem echten Horrorliebhaber zu kultiviert erscheinen werden. Auch gelingt es Thomas Plischke nicht, durch den Part rund um Ben und das Dorf, in dem er lebt, das anscheinend beabsichtigte leise Grauen auszulösen, wie es ein H.P. Lovecraft so großartig beherrschte. So bleibt am Ende die Frage, was der Autor nun mit diesem Buch eigentlich für eine Geschichte hat erzählen wollen.

Lilys Beziehungen zu Gottlieb und Victor wirken unreif und ohne nachvollziehbare Basis. Stattdessen werden diese emotionalen Verwicklungen dazu verwendet, um dumme und unüberlegte Handlungen zu rechtfertigen. Und obwohl die Interviews rund um die verschiedenen Formen des Aberglaubens interessante Ansätze für die lebenden Toten bieten würden, präsentiert Thomas Plischke letztendlich nur zwei Arten von Zombies: Die intelligenten, die sich nur unwesentlich von bekannten modernen Vampiren unterscheiden, und diejenigen, die alle klassischen Klischees bedienen - was letztendlich zu einem recht vorhersehbaren Ende dieses Romans führt.

Die ganze Zeit über bleibt beim Leser das Gefühl, dass der Autor ein zu großes Zielpublikum abdecken wollte. Für einen normalen Konsumenten von romantischen Urban-Fantasy-Romanen werden "Die Zombies" zu unappetitlich und zu wenig attraktiv sein. Für Liebhaber des subtilen und ungewöhnlichen Horrors sind in diesem Titel einfach viel zu viele billige Splatterklischees verarbeitet worden, während diejenigen, die von so einem Buch eher die brutalen und ekelhaften Elemente erwarten, wenig mit den Gefühlsproblemen der Protagonisten anfangen können. So wird diese Geschichte - trotz des gepflegten Erzählstils - wohl nur wenige Leser zufriedenstellen können und kaum Lust auf weitere Romane dieser Art wecken.

Fazit:

Trotz der erfrischenden Grundidee von Thomas Plischke, in seinem Roman "Die Zombies" mal eine andere Seite dieser Untoten aufzeigen zu wollen, befriedigt die Geschichte den Leser nicht. Während man verfolgt, wie die junge Lily sich in einen Zombie verwandelt und mit Hilfe des rätselhaften Victor mit ihrer neuen Existenz zurechtkommen muss, kommt der Verdacht auf, dass der Autor einfach zu viel in seinen Roman einbringen wollte. So prallt eine unausgegorene Liebesgeschichte auf klassische Motive, wie man sie aus Splatterfilmen kennt. Das ganze Durcheinander wird dann noch mit einer Ausarbeitung der intelligenten Zombies gewürzt, die ganz uninspiriert an die verschiedenen modernen Vampirromane erinnert. Auch die erschreckend dummen Entscheidungen, die einige Charaktere aus "Liebe" treffen, frustrieren den Leser und lassen den Verdacht aufkommen, dass eine klassische Zombiegeschichte doch wesentlich unterhaltsamer gewesen wäre.
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