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Die Hüter der Schatten  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Horror
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 29. September 2008

Die Hüter der Schatten

Originaltitel: The Inheritor / Witch Hill
Übersetzt von: Barbara Röhl

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-404-77271-1
Preis: 5,99 EUR

718 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
5.4

Wertung:
5.4
von 10
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Zum Inhalt:

Als Leslie die seltsame Melodie in dem alten Haus hört, glaubt sie noch an eine Sinnestäuschung. Sie ahnt nicht, dass sie bereits in den Bann des Bösen geraten ist. Ein unheimlicher Schatten streckt die Hand nach Leslies Schwester Emily, einer begabten jungen Musikerin, aus. Das Haus, in dem sie leben, scheint ein Tor zu einer alten, düsteren Welt zu sein. Um Emilys Leben zu retten, muss Leslie zuerst ihr eigenes magisches Erbe akzeptieren und zu einer Hüterin der Schatten werden. Können ihr das Medium Claire Moffat und der Parapsychologe Colin MacLaren dabei helfen? Zusätzlich in dieser Ausgabe: eine weitere Erzählung um Claire und Colin mit dem Titel Hexenhügel.

Meinung:

Marion Zimmer Bradley war nicht nur eine der wenigen erfolgreichen SciFi- und Fantasy-Autorinnen überhaupt. Sie war auch eine der wenigen Kreativen aus diesen Genres, die es schaffte, auch im Mainstream Erfolg zu haben. Dies gelang ihr durch ihren Roman "Die Nebel von Avalon". Daneben hat sie zahlreiche andere Werke geschaffen, darunter auch die Bücher der Darkover-Romanreihe sowie die Erzählungen, die in dem vorliegenden Band gesammelt wurden.

Beide Romane spielen in ein und demselben Universum, wobei das einzige Bindeglied zwischen den beiden der Parapsychologe Colin McLaren bildet. Die letzte Erzählung "Hexenhügel" wurde eigentlich zuerst veröffentlicht, und zwar im Jahr 1972. Das jedoch "Die Hüter der Schatten" eigentlich der zweite Teil der Serie ist, ist nicht von Bedeutung. Beide lassen sich problemlos separat lesen, egal, welche Reihenfolge man beim Lesen wählt.

Qualitätsmäßig war es eine gute Entscheidung "Die Hüter der Schatten" vorzuziehen. Es ist eine wesentlich bessere Geschichte als "Hexenhügel". Der Grund liegt vor allem an den handelnden Personen. Die erste Geschichte handelt von der Psychologin Leslie, die gemeinsam mit ihrer jüngeren, musikalisch hochtalentierten Schwester Emily in ein altes Haus zieht. Jenes ist allerdings anscheinend verflucht. Und dabei spielt Leslies neue Liebe, Emilys Mentor Simon eine wichtige Rolle.

Leslie ist eine auf Anhieb sympathische Person. Sie hat besondere Gaben. So kann sie, ohne darauf Einfluss zu nehmen, Visionen haben, die ihr das Schicksal von vermissten Personen zeigen. Eine Gabe, vor der sie am Anfang regelrecht flieht. Als Psychologin versucht sie zunächst eine rationale Erklärung für die mysteriösen Dinge, die im neuen Haus passieren, zu finden. So gibt es eine weiße Katze, die sich jedoch nicht fassen lässt und ab und an tot ist. Erst nach und nach erkennt sie ihre parapsychologischen Fähigkeiten und akzeptiert sie. Der endgültige Wechsel von Psychologie zu Parapsychologie, der Moment in dem sie sie bewusst einsetzt, um zum Beispiel einer Patientin zu helfen, geschieht dann jedoch zu abrupt. Er will nicht so recht überzeugen, weil der Moment des Übergangs fehlt.

Ihr Liebhaber Simon ist mit dem Haus auf eine bestimmte Art und Weise verbunden. Er kannte einige der Vorbesitzer. Als Figur ist Simon faszinierend. Ein ehemaliges Musiktalent, mit mystischen Fähigkeiten. Ein verbitterter Mensch, der alles tun würde, um sein Manko, eine durch einen Unfall verkrüppelte Hand, wieder auszugleichen. Schnell wird klar, dass er an den eskalierenden Ereignissen im Haus nicht ganz unschuldig ist. Doch zu keinem Zeitpunkt hat man den Eindruck, dass er einen klassischen Antagonisten darstellt. Man bemitleidet ihn eher, denn seine Motive sind absolut nachvollziehbar.

Diese beiden Figuren sind Dreh- und Angelpunkt der ersten Geschichte. Sie bilden ein faszinierendes Paar, das absolut glaubwürdig in seiner Art und Weise zu handeln ist. Dass dabei die anderen Figuren etwas an den Rand gedrängt werden, stört nicht.
Am besten kommt dabei noch Emily weg, die jüngere, hochbegabte Schwester von Leslie. Bei ihr macht es Spaß, ihre Entwicklung zu lesen, wie sie immer mehr und mehr eine eigenständige Persönlichkeit wird, die dennoch nicht ihre Begabung vernachlässigt.

Colin MacLaren und Claire Moffat tauchen zwar auch auf, doch kann man ihre Rolle eher als zwei "deus ex machina" bezeichnen. Sie bleiben im Vergleich zu den anderen Figuren flach und in Sachen Charakterisierung nicht gerade überzeugend.

Die zweite Geschichte, "Hexenhügel", handelt von Sara, einer jungen Frau, die innerhalb weniger Tage ihre gesamte engere Familie verliert. Da erfährt sie von einer Erbschaft, einem Haus irgendwo im tiefsten Hinterland Amerikas. Und dort trifft sie nicht nur auf ein Geheimnis, das ihre Familien-Vergangenheit angeht, sondern auch auf einen magischen Zirkel, der sie als eine der ihren begrüßt.

Qualitätsmäßig enttäuscht der zweite Teil des Buches. Im Prinzip schildert Marion Zimmer Bradley nur, wie ihre Protagonistin auf verschiedene Art und Weise Sex hat. Damit das ganze eine Art Legitimation hat, wurde um diese Szenen dann eine äußerst dünne Story gestrickt. Und das merkt man beim Lesen auch. Sara weiß zwar, dass etwas nicht richtig ist, spielt jedoch die ganze Zeit mit. Sie wehrt sich nicht, sondern wird eine Art willenloses Werkzeug, das in jedem Kapitel mit wechselnden Partnern Bett-Gymnastik betreibt. Dadurch wirkt sie alles andere als sympathisch. Und wenn sie dann am Ende endlich aufbegehrt, fehlt die Logik dahinter.

Colin MacLaren aus der ersten Geschichte taucht zwar auf, trägt jedoch noch weniger zur Handlung bei, als bei seinem ersten Auftritt. Immerhin kommt ihm dieses Mal nicht die Rolle eines "deus ex machina" zu.

Fazit:

Die erste Geschichte dieses Bandes, "Hüter der Schatten", ist eine gelungene Mystery-Story mit leichtem Horror-Einschlag. Der Wandel von Leslies Skepsis zu ihrer Akzeptanz gegenüber ihrer besonderen Fähigkeiten geschieht zwar am Ende etwas zu plötzlich, aber das ist dann auch das einzige Manko in einer ansonsten gut geschriebenen Erzählung. Die Figuren sind hier allesamt absolut glaubwürdig geschildert. Das merkt man besonders an Simon, der aufgrund seiner Vergangenheit und seines Frusts über seine aktuelle Lage sehr gut als Schurke hätte verkauft werden können. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Leider besteht der Band nicht nur aus "Hüter der Schatten" sondern auch aus "Hexenhügel". Diese Geschichte ist im Prinzip nichts anderes als eine Aneinanderreihung diverser Sex-Szenen, zusammengehalten nur durch eine äußerst dünne Story. Besonders die Protagonistin Sara präsentiert sich als willenloses, williges Opfer der diversen Sexspiele. Wenn sie dann letzten Endes aufbegehrt, wirkt dies absolut unglaubwürdig.
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