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Imperium  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 22. März 2008

Imperium

Originaltitel: Imperium
Übersetzt von: Wolfgang Müller

Verlag: Heyne
Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-453-47083-5
Preis: 8,95 EUR

475 Seiten
Inhalt
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Zum Inhalt:

Ein unbekannter junger Anwalt - hochintelligent, sensibel und enorm ehrgeizig - betritt das Zentrum der Macht. Er hat nur ein Ziel: Er will nach ganz oben. Der Fall eines Kunstsammlers, der vor der Willkür eines skrupellosen und gierigen Gouverneurs fliehen muss, kommt ihm da gerade recht. Der Gouverneur hat einflussreiche und gefährliche Freunde im Senat, und sollte der Anwalt den Fall gewinnen, würde er die gesamte alte Machtclique zerschlagen. An die Niederlage wagt er nicht zu denken, sie könnte ihn das Leben kosten. Eine einzige Rede kann über sein Schicksal und die Zukunft einer Weltmacht entscheiden, doch seine gefährlichste Waffe ist das Wort.
Die Weltmacht am Scheideweg ist Rom. Der Name des jungen Anwalts ist Marcus Tullius Cicero - Außenseiter, Philosoph, brillanter Redner und der erste Politiker modernen Stils.

Meinung:

Mit "Imperium" liegt nach "Pompeji" der zweite historische Roman von Robert Harris vor, der im antiken Weltreich Rom spielt. Dieses Mal erzählt der Autor die Geschichte des berühmten Redners und Politikers Marcus Tullius Cicero, der noch heute für seine Reden berühmt ist. Doch Robert Harris liefert mit diesem Buch nicht nur eine (teils fiktive) Biografie des berühmten Mannes ab, sondern macht aus seinem Leben einen spannenden Anwaltsroman, der nicht wenige aktuelle Bezüge hat.

Geschildert wird das Leben des Staatsmannes aus der Sicht seines Sklaven und Sekretärs Tiro, der schon den jungen Cicero auf seiner Reise zu den berühmtesten Rhetoriklehrern der römischen Welt begleitete und so die Wandlung vom kränklichen und schüchternen Stotterer zu einem der begabtesten Redner und Anwälte Roms erleben durfte. Robert Harris verwebt hierbei bekannte Tatsachen - wie Berichte über Reisen Ciceros, das Wissen um die einflussreichen Männer dieser Zeit und eine Erwähnung einer Biografie, die von Tiro über Cicero geschrieben wurde - mit fiktiven Elementen, die die Spannung des Buches unterstützten und sich zu einem stimmigen Bild ergänzen.

Inwieweit dabei ein korrektes Bild dieser Zeit und dieser Männer entsteht, kann wohl nur derjenige beurteilen, der als Historiker seinen Schwerpunkt auf das Römische Reich gesetzt hat. Für alle anderen entsteht auf diese Weise ein spannender und überaus unterhaltsamer Roman, der trotz einiger Längen zu überzeugen weiß. Gerade die Passagen, in denen es um die Fälle Ciceros geht, zeigen ein überzeugendes Bild von einer politischen und korrupten Gemeinschaft, in der man nur mit überragendem Intellekt und viel Glück gegen die Mächtigen angehen kann.

Während Tiro so manches Mal fassungslos vor den Ereignissen steht und dabei selbst zum Werkzeug seines Herren wird, wird von Cicero ein Portrait gezeichnet, das einen nicht herzlosen, aber wild entschlossenen Mann zeigt, der bereit ist, die nötigen Mittel anzuwenden, um an die Macht zu kommen. Auch wenn er eigentlich gewisse ethische Grenzen nicht überschreiten möchte, so beugt der junge Anwalt seine Prinzipien oft genug der Notwendigkeit. Erst wenn er für sein Handeln keine Entschuldigung mehr finden kann, verweigert er das korrupte Spiel der Politiker - und auch dann kann man sich nicht sicher sein, ob nicht ein gewisses Kalkül hinter seinem Entschluss steckt.

Dabei hat der Leser eine erstaunlich distanzierte Haltung zu dem Staatsmann. Man kann Cicero für seine Handlungen nicht wirklich verurteilen, doch gutheißen kann man seine Kompromisse auch nicht. Um so schöner sind die Momente, in denen der junge Politiker in der Lage ist, seine Ziele dadurch durchzusetzen, dass er sich auf die Seite der Geschändeten und Unterdrückten schlägt.

Langsam aber sicher geht Cicero seinen Weg und ist dabei als fast mittelloser Mann vom Land auf die finanzielle Unterstützung seiner Frau Terentia und die organisatorische Hilfe seines Bruders Quintus angewiesen. Doch nur dank seiner rhetorischen Fähigkeiten, seiner Intelligenz und seines Ehrgeizes kann er es mit so mächtigen Männern wie dem Feldherren Pompeius, dem aufstrebenden Caesar oder seinem direkten Konkurrenten Hortensius, dem besten Anwalt Roms, aufnehmen.

Leider werden die wirklich sehr spannenden und nicht selten amüsanten Passagen des Romans von einigen sich ein wenig dahinziehenden Elementen unterbrochen, die die Zeiten zwischen den Prozessen und großen politischen Ereignissen beschreiben. Doch auch, wenn man sich hier und da beim Lesen ein wenig vorwärtskämpfen muss, beeinträchtigt dies nicht wirklich das Lesevergnügen - kann man doch davon ausgehen, dass der nächste Abschnitt wieder interessant und gewitzt genug geschrieben ist, um dies auszugleichen.

Allerdings macht sich das Fehlen eines Personenverzeichnisses schon negativ bemerkbar, da man bei der Fülle an Namen, die im Laufe der Jahre immer wieder auftauchen, schnell einmal dasteht und sich fragt, wer diese Person denn noch einmal war und in welchem Zusammenhang man schon etwas über sie gelesen hatte. Auch eine Zeittafel, die vielleicht die Ereignisse des Buches mit den wichtigsten (und die Handlung beeinflussenden) historischen Momenten verbindet, wäre für den Leser hilfreich gewesen. So ist man bei der erschlagenden Menge von Daten, Fakten und Geschehnissen nicht selten gezwungen, noch einmal zurückzublättern, um den genauen Zusammenhang herzustellen.

Sprachlich zeigt sich der Roman "Imperium" ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenngleich es dem Autor wirklich hervorragend gelungen ist, bekannte Reden Ciceros so in die Erzählungen einzubetten, dass sich kein Bruch im Stil finden lässt. Manchmal sind diese Reden sogar einfacher und flüssiger zu lesen als einige Dialoge zwischen den Politikern, die sich einer zwar stimmigen, aber manchmal anstrengenden Sprache bedienen.

Fazit:

Mit "Imperium" hat Robert Harris einen spannenden Anwaltsroman rund um das Leben des bekannten Rhetorikers und Politikers Marcus Tullius Cicero geschaffen, der zusätzlich noch mit einigen überaus amüsanten Momenten aufwarten kann. Auch wenn die historischen Ereignisse und die Fülle an Namen zum Teil etwas verwirrend sind und einige etwas langgezogene Passagen ein wenig die Ausdauer des Lesers strapazieren, so kann man sich doch bei diesem Buch auf ein interessantes Lesevergnügen gefasst machen. Die Figur des Cicero und die Personen in seiner Umgebung sind so stimmig dargestellt und Tatsachen mit Fiktion so gelungen verwoben, dass der Leser Lust auf weitere Romane dieser Art bekommt.
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