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Die Zweifel des Salaì  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Samstag, 20. Dezember 2008

Die Zweifel des Salaì

Originaltitel: I dubbi di Salaì
Übersetzt von: Annette Kopetzki

Verlag: Kindler
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-463-40522-3
Preis: 19,90 EUR

506 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Rom, 1501: Der schöne Frauenheld Salaì, ein dickköpfiger Dieb und Lügner, trifft mit seinem Stiefvater aus Florenz ein. Was dieser nicht weiß: Salaì hat den Auftrag, ihn auszuspionieren und einen unbekannten Herrn aus Florenz auf dem Laufenden zu halten. Durch den blutigen Mord an einem päpstlichen Skribenten stoßen die beiden auf einen seltsamen Klub deutscher Prälaten, Bankiers und Literaten, der mit allerlei Fälschungen die größte Revolution aller Zeiten vorbereitet. Was Salaì hier aufdeckt, war für alle sichtbar - aber niemand will davon wissen. Eine allzu gefährliche Angelegenheit auch für den konfusen, unschlüssigen Stiefvater, der seine Zeit mit bizarren Erfindungen verschwendet: ein gewisser Leonardo da Vinci.

Meinung:

Das italienische Ehepaar Monaldi und Sorti ist für seine historischen Kriminalromane bekannt. Ihr Erstlingswerk "Imprimatur" sorgte in ihrem Heimatland für heftige Kontroversen - so belegten sie eine Zusammenarbeit zwischen Papst Innozenz XI. und dem protestantischen Wilhelm von Oranien - und führte dazu, dass sich das Paar ins Exil nach Wien zurückzog. Seitdem haben die beiden weitere Romane veröffentlicht, die allesamt als hervorragend recherchiert angesehen werden.

Ihr viertes Buch, "Die Zweifel des Salaì", handelt davon, dass Leonardo da Vinci und sein Adoptivsohn Salaì nach Rom kommen - angeblich, damit der berühmte Künstler sich dort inspirieren lassen und neue Arbeitgeber finden kann. Doch dann geraten die beiden in eine Verschwörung ungeheuren Ausmaßes, in der sogar historische Dokumente gefälscht werden. In ihr spielen die Teutschen, wie die Teutonen auch genannt werden, eine wichtige Rolle. Bei den anschließenenden Ermittlungen ist Salaì auf sich alleine gestellt, denn sein Stiefvater verfolgt eigene Plänen.

So wie es bei dem Schriftsteller-Paar Standard ist, kommt das Buch nicht ohne kontroverse Enthüllungen aus. In diesem Fall handelt es sich um mehrere Schriftstücke, darunter die "Germania" des berühmten römischen Historiker Tacitus. Dieses Werk, welches das germanische Volk beschreibt und seine positiven Eigenschaften hervorhebt, soll wohl gefälscht sein. Ob dem so ist oder ob die Fantasie mit den beiden Autoren durchgegangen ist, lässt sich nicht erschließen. Jedenfalls verwenden Monaldi und Sorti die letzten Seiten des Romans dafür, ihre Entdeckung zu beweisen, obwohl dies für den durchschnittlichen Leser wohl weniger relevant sein dürfte.

Der Roman wird auch weniger von diesem durchaus interessanten Thema bestimmt als vielmehr von den Erlebnissen und Eindrücken des Salaì, dem Stiefsohn des berühmten Leonardo Da Vincis. Man erlebt die Geschehnisse aus seiner Sicht, da die Handlung in Form von Briefen erzählt wird, in denen Salaì einer unbekannten Person berichtet. Durch dieses Stilmittel wird die Handlung natürlich stark subjektiv gefärbt dargestellt.

Die Person des Salaì hat wirklich gelebt, und dass er es faustdick hinter den Ohren hatte, ist überliefert worden. Monaldi und Sorti haben nun diese Eigenschaft genommen und sie stark übertrieben ins Buch eingebaut. Ihr Salaì ist ein genusssüchtiger, unmoralischer Mann, der dem anderen Geschlecht nicht abgeneigt ist und so im Laufe des Romans mit wechselnden Partnerinnen Sex hat. Außerdem macht er sich auch noch regelmäßig über seinen Stiefvater lustig. Er stellt ihn als dumm dar, als jemanden, dessen Erfindungen eh alle nicht funktionieren - und der noch nicht mal merkt, dass sein Stiefsohn ihm das Geld, das er ihm am Morgen geliehen hatte, am Abend wieder aus der Tasche klaut.

Freimütig plaudert sein missratener Stiefsohn all die schmutzigen kleinen Details aus, die den heute so berühmten Künstler aus seiner Sicht ausmachen. Das Ganze wäre vielleicht lustig, wenn sich der Erzähler nicht andauernd wiederholen würde. Hinzu kommt auch noch die Schreibweise des Salaì, der mit Grammatik, Rechtschreibung und komplexen Wörtern gehörig auf dem Kriegsfuß steht, wodurch man sich stark konzentrieren muss, um den Satzgebilden Sinn zu entnehmen. So braucht er beispielsweise zwei Versuche beim Wort "restaurieren", die er am Ende aber abbricht, um eine Umschreibung aufs Papier zu bringen. Hat man die ersten 100 Seiten gelesen, beschleicht einen das Gefühl, bereits alle Gags des Romans zu kennen, sodass die Lektüre dann langweilig und ermüdend wird.

Fazit:

"Die Zweifel des Salaì" von Monaldi & Sortie ist der wenig überzeugende Versuch, in einem historischen Kontext ein humorvolles Buch zu schreiben. So geht dem Leser die Person das Salaì schon nach einer kurzen Zeit gehörig auf die Nerven. Seine Genusssucht und sein unmoralisches Verhalten - vor allem in Bezug auf seinen Stiefvater - machen die Figur eher uninteressant. Und da sich die Scherze auf Kosten von Leonardo da Vinci nach einer Weile wiederholen, ist der Roman am Ende einfach nur langweilig. Hinzu kommt auch noch die schwer zu durchschauende Schreibweise des Titelcharakters, der mit jeglichem Aspekt der Grammatik auf dem Kriegsfuß steht. Der von den Autoren eingebaute potenzielle historischen Disput bezüglich der "Germanica" kann von einem Durchschnittsleser auch nicht so richtig bewertet werden, weil ihm hier das nötige Hintergrundwissen fehlt.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
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