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Die Tore der Welt  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 1. Februar 2010

Die Tore der Welt

Originaltitel: World Without End
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Januar 2010
ISBN: 978-3-404-16380-9
Preis: 12,99 EUR

1310 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

England im Jahre 1327. Vier junge Menschen versuchen ihr Glück zu machen: Der rebellische Merthin, ein Nachfahre des großen Baumeisters Jack; sein Bruder Ralph, der in den Ritterstand aufstrebt; das Mädchen Caris, das sich nach Freiheit sehnt; und Gwenda, die Tochter eines Tagelöhners, die nur der Liebe folgen will. Und dann ist da noch Godwyn, ein aufstrebender Mönch, der nur ein Ziel vor Augen hat: Er will Prior der Abtei von Kingsbridge werden. Um jeden Preis.

Meinung:

Ken Follett schrieb 1990 mit "Die Säulen der Erde" einen Welterfolg. In diesem Buch schilderte der Autor, wie in dem fiktiven Ort Kingsbridge eine Kathedrale gebaut wurde und wie dies das Leben der dort wohnenden Menschen beeinflusste. Mit "Die Tore der Welt" liefert er nun den Nachfolger, ohne jedoch vom Leser in irgendeiner Form Vorwissen zu verlangen. Inhaltlich sind 200 Jahre vergangen und man schreibt das Jahr 1327. Kingsbridge ist inzwischen ein prosperierendes Örtchen geworden, was vor allem dem regelmäßig stattfindenden Wollmarkt zu verdanken ist.

Zu Beginn des Buches ist es wieder so weit und der Markt zieht wie üblich allerlei Menschen an, darunter auch vier ganz bestimmte Kinder: Caris ist die emanzipierte Tochter eines örtlichen Wollhändlers, während Merthin und Ralph Nachfahren von Jack Builder sind, dem ursprünglichen Bauherrn der Kathedrale des Ortes. Allerdings wird diese Abstammung in der Familie nicht mit Stolz gesehen, denn sie streben nach Höherem - wie dem Ritterstand. Und dann ist da noch Gwenda, die Freundin von Caris und Tochter eines Tagelöhners.

Die Vier geraten bald darauf in den örtlichen Wald und erleben mit, wie sich dort ein Ritter gegen Angreifer zur Wehr setzt. Zutiefst erschrocken fliehen die Kinder - bis auf Merthin, der zurückbleibt und dem Edelmann hilft, ein wichtiges Dokument zu verbergen. Danach bringt der Junge den Ritter in das Kloster des Ortes, wo der Adlige um Aufnahme bittet. Dort befindet sich gleichzeitig auch Godwyn, der Sohn der Tante von Caris. Er ist ein Mönch, der genau wie die Builders nach Höherem strebt und bereit ist, dafür alles zu tun.

Ken Follett erzählt nun in neun Teilen, wie sich das Leben der Protagonisten im Laufe der Zeit verändert. Inhaltlich vergehen 34 Jahre, in denen sich die handlungstragenden Personen durch diverse Schicksalsschläge immer gezwungen sehen, sich den Gegebenheiten wieder neu anzupassen. Dazu tragen auch die historischen Umstände bei. So erlebt der Leser mit, wie sich Kingsbridge immer mehr zu einer Stadt entwickelt, aber auch wie die Pest gnadenlos wütet. Das und auch andere Beschreibungen der Vergangenheit wirken sehr stimmig und geschichtlich exakt. Daran merkt man, dass sich der Autor bei der Recherche viel Mühe gegeben hat.

Doch so gut die historischen Darstellungen auch sein mögen, die Qualität des Romans steht und fällt mit den Protagonisten und der Handlung. Die Charaktere werden im Buch erstaunlich modern dargestellt, was man besonders an Caris merkt. Sie wirkt überraschend selbstbewusst und emanzipiert und geht trotz aller Schwierigkeiten ihren eigenen Weg. Allerdings übertreibt es Ken Follett bei ihrer Charakterisierung. Besonders im letzten Drittel des Romans strapaziert er für einige dramatische Wendungen doch arg die sonst so exakte historische Darstellung. Gleichzeitig muss man aber auch betonen, dass Caris eher ein extremes Beispiel ist, da bei den anderen Figuren trotz ihrer modernen Verhaltensweise die historische Exaktheit erhalten bleibt.

Die Gegenspieler stellt Ken Follett nicht immer im allerbesten Licht dar. Sie haben allerlei negative Eigenschaften und tun alles, um den Helden immer neue Schwierigkeiten zu bereiten. Dadurch wirken sie im Vergleich blass und zweidimensional. Dies bemerkt man besonders bei Godwyn, der alles tut, um mehr Macht zu erlangen oder diese dann zu festigen. Dabei entpuppt er sich als ein Meister der Manipulation und der Intrige.

Es ist sicherlich eine Herausforderung, 1200 Seiten zu schreiben und dabei die Spannung zu erhalten. Doch im Gegensatz zum Vorgänger-Buch gelingt dies Ken Follett leider nicht. Dazu wirken die einzelnen Teile in ihrem Aufbau zu formelhaft. Zum einen fängt der Autor bei jedem Handlungssprung praktisch immer wieder von vorne an, um den Leser in die jeweilige neue Situation einzuführen und auch seine Protagonisten und ihre Gegenspieler neu aufzustellen. Dies dauert immer etwas und so muss sich der Leser gedulden, bis der Plot wieder an Fahrt aufnimmt. Zum anderen ist die Handlung manchmal arg vorhersehbar, da man fast immer davon ausgehen kann, dass die Gegenspieler den Helden einen scheinbar sicheren Triumph am Ende doch noch irgendwie vergällen. Doch trotz dieser Kritikpunkte gelingt es Ken Follett immer wieder, den Leser von Neuem ans Buch zu fesseln.

Fazit:

"Die Tore der Welt" von Ken Follett ist ein guter Roman, wenn auch mit einigen Mängeln. Positiv macht sich bemerkbar, dass die historischen Details, so weit man das als Leser beurteilen kann, stimmig sind. Die verschiedenen handlungstragenden Personen werden dem Leser hinsichtlich ihrer positiven oder negativen Charaktereigenschaften schnell näher gebracht. Dabei fällt auf, dass einige von ihnen ziemlich modern wirken und agieren. Auch schafft es der Autor leider nicht, die Spannung konstant zu erhalten. Dies fällt besonders zu Beginn eines jeden neuen Handlungsbogens auf. Doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat er den Leser wieder so weit, dass er das Buch erst nach dem Beenden der letzten Seite aus der Hand legen mag.
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