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Die Maurin  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Jana Witte   
Freitag, 8. Oktober 2010

Die Maurin

Verlag: Knaur
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-3-426-50230-3
Preis: 9,95 EUR

672 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Andalusien im 15. Jahrhundert: Zwischen Mauren und Christen toben erbitterte Kämpfe - Kämpfe, die auch das Leben der jungen Zahra nicht unberührt lassen. Als Hofdame und enge Vertraute Aischas, der Hauptfrau des Emirs, gerät sie in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen. Dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Kastilier Gonzalo - eine Liebe, die sie in tödliche Gefahr bringt ...

Meinung:

Bereits seit "Die Nonne mit dem Schwert" ist Lea Korte Liebhabern historischer Romane ein Begriff. Die in Spanien lebende deutsche Autorin wendet sich mit "Die Maurin" nun den Ereignissen am Ende des 15. Jahrhundert in ihrer Wahlheimat zu. Der Roman beginnt im Sommer 1478. Die Blütezeit der maurischen Kultur ist bereits vorbei. Die Reconquista, also die Zurückeroberung der iberischen Halbinsel von den Mauren durch die Christen, nähert sich dem Ende und es gibt nur noch wenige maurische Orte. Das Emirat Granada wird in dieser Zeit von Hassan regiert, der sich in die christliche Spanierin Isabel de Solis, genannt Soraya, verliebt und diese zur Zweitfrau genommen hat. Um ihren Söhnen den Thron Granadas zu sichern, intrigiert Soraya gegen Aischa, Hassans Hauptfrau, und deren Sohn Boabdil, der daraufhin nach Almeria flüchtet.

Aischa will den maurischen Thron natürlich für Boabdil und arbeitet auf dieses Ziel hin. Die politische Situation wird noch komplizierter, als Hassan die Tributzahlungen an das spanische Königspaar Isabel und Fernando verweigert. Er will auch maurische Gebiete zurückerobern und lässt sich zu einem Angriff auf die Stadt Zahara hinreißen. Zwar ist Hassan in dieser Schlacht erfolgreich, aber er spielt, wie nicht nur von Aischa vorhergesehen, dem spanischen Königspaar genau in die Hände: Isabel und Fernando wollen ein einheitliches katholisches Spanien und beginnen, konsequent gegen die Mauren vorzugehen.

In diese Ereignisse wird die intelligente und rebellische Zahra as Sulami hineingezogen. Als 13-jährige Tochter eines angesehenen maurischen Adligen leistet sie am Hofe des Emirs Aischa Gesellschaft und wird deren Vertraute. Zunächst ist sie nur das Ohr der Sultanin am Hof, aber mit der Zeit betraut Aischa sie mit wichtigeren, gefährlicheren Aufgaben. So macht sich Zahra nur in Begleitung eines Eunuchen nach Almeria auf, um in Aischas Auftrag Boabdil zur Rückkehr nach Granada aufzufordern.

Während ihrer Missionen trifft Zahra mehrfach auf den Spanier Gonzalo, der ihr bereits seit der ersten Begegnung nicht mehr aus dem Kopf geht. Als wäre es nicht schon problematisch genug, dass sie Gefühle für einen katholischen Spanier entwickelt, ist auch ihre familiäre Situation schwierig. Yazid, ihr Halbbruder, unterstützt Hassan und hat für Zahra, deren Geschwister und Mutter nur Verachtung übrig, denn Zahras Mutter ist eine zum Islam konvertierte Kastilianerin. Zahras Halbschwester Hayat ist vor ihrem Ehemann zurück in das Haus ihres Vaters geflohen und bedroht damit die Familienehre der Sulamis. Und auch Zahra selbst soll bald mit einem Kaufmann verheiratet werden.

Mit Liebe zum Detail breitet Lea Korte die historischen Ereignisse der letzten Jahre der Reconquista vor dem Leser aus und erzählt flüssig von Intrigen, Kriegstreiberei, Familie und Liebe. Obwohl sich die Autorin in ihrem Roman stärker auf die Mauren konzentriert, bemüht sie sich, sowohl der christlichen als auch der islamischen Seite gerecht zu werden. Hier wie dort gibt es Kriegstreiber, werden Gefangene brutal behandelt oder finden sich gemäßigte und hilfsbereite Menschen. Ihr Augenmerk liegt jedoch auf Zahra. Zu ihr und ihren Lebensumständen kehrt Lea Korte immer wieder zurück. Allerdings sind mit der Wahl dieses Charakters als Protagonistin einige Herausforderungen verbunden, die nicht vollständig gemeistert erscheinen.

So mutet es schon etwas seltsam an, dass sich die heiratsfähige Zahra wiederholt allein aus dem Haus zu einem Lager mit spanischen Gefangen und zurück schleicht, ohne von den Wachen oder den Hausbewohnern bemerkt zu werden. Unglaubwürdig erscheint auch, dass sie ohne Erklärung gegenüber ihrer Familie wochenlang verschwinden kann, als sie nämlich auf die geheime Mission zu Boabdil geschickt wird. Auch wenn man als Leser die Unternehmungen Zahras mit Interesse verfolgt, sind diese mit der eingeschränkten persönlichen Freiheit islamischer Frauen, die die Autorin in ihrem Roman auch zur Sprache bringt, nicht in Einklang zu bringen.

Da in dem Roman zudem auch von Ereignissen außerhalb Zahras Erlebnissphäre die Rede ist, zum Beispiel während Gonzalos Anwesenheit am spanischen Hof oder wenn Boabdil und seine Verbündeten in die Schlacht ziehen, musste die Geschichte zusätzlich aus anderer Perspektive erzählt werden. Die Autorin versetzt daher den Leser unter anderem in Gonzalo, dessen Bruder Jaime, Zahras Halbbruder Yazid und sogar kurz in den Emir Hassan. Hier wäre weniger mehr gewesen. Zwar sind Zahra und Gonzalo von der Autorin über den Roman hinweg detailliert herausgearbeitet worden und erscheinen lebendig, jedoch wird das Innenleben von Yazid und Jaime über weite Teile der Handlung nicht erforscht. In der Folge sind deren Entscheidungen und Handlungen überraschend und wirken unmotiviert.

Ohne Frage hat Lea Korte für "Die Maurin" intensive Nachforschung betrieben. Der Roman weist eine hohe Informationsdichte auf. Leider gelingt es der Autorin und auch dem Lektor nicht immer, die Ergebnisse der Recherche unauffällig in den Kontext der Romanhandlung einzubinden. Bei einer Gelegenheit wird zunächst im Präsens geschildert, wie Zahra den Einzug und die brutale Behandlung spanischer Gefangener in Granada erlebt und es folgt dann im Konjuktiv, wie der spanische Chronist Antonio Agapida hierüber berichten könnte. An vielen anderen Stellen der Handlung werden Hintergrundinformationen erheblich besser eingeflochten, zum Beispiel zur Architektur des Eingangsbereiches arabischer Häuser.

Fazit:

In dem Roman "Die Maurin" stellt Lea Korte die junge Araberin Zahra as Sulami in den Mittelpunkt und verknüpft mit ihr historische Personen und Ereignisse der ausklingenden Reconquista in Spanien. Obwohl die Autorin einen sehr flüssigen Erzählstil hat, kommt es immer wieder zu spürbaren Brüchen, weil Handlungsweisen einzelner Charaktere unmotiviert erscheinen oder Rechercheergebnisse die eigentliche Geschichte dominieren. Dennoch ist Lea Korte in der Gesamtschau ein unterhaltsamer und lehrreicher historischer Roman gelungen, wobei dem Leser in der vorliegenden Taschenbuchausgabe der Einstieg in die vergangene Zeit durch die Auflistung der beteiligten Personen, eine Zeittafel, Stammbäume und ein Glossar nebst Literaturhinweisen erleichtert wird.
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