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Die letzte Konkubine  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Sonntag, 21. Dezember 2008

Die letzte Konkubine

Originaltitel: The Last Concubine
Übersetzt von: Susanne Aeckerle

Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-570-00986-4
Preis: 19,95 EUR

512 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.8

Wertung:
9.8
von 10
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Zum Inhalt:

Japan, 1865: Der Frauenpalast ist eine riesige abgeschottete Welt mit eigenen Regeln mitten in der Hauptstadt Edo, dem heutigen Tokyo. Intrigen sind unter den 3.000 Frauen an der Tagesordnung und sie bekommen nur einen einzigen Mann je zu Gesicht - den Shogun. Sachi, ein wunderschönes 15-jähriges Mädchen, wird ihm von seiner Frau, Prinzessin Kazu, als letzte Konkubine zum Geschenk gemacht. Doch Japan befindet sich im Bürgerkrieg - schwarze Schiffe haben nach drei Jahrhunderten der Isolation Ausländer und Feuerwaffen ins Land gebracht. Dramatische Veränderungen stehen bevor: Ein Bürgerkrieg bricht aus. Was geschah mit den 3.000 Frauen des Frauenpalasts, als der Shogun starb, und ein neues, modernes Japan mit dem Kaiser inthronisiert wurde? Was geschah mit Prinzessin Kazu?

Meinung:

Nach mehreren Sachbüchern über Japan und japanische Geschichte, die ihren Ruf als Expertin für dieses Land festigten, hat die Journalistin Lesley Downer mit "Die letzte Konkubine" ihren ersten Unterhaltungsroman verfasst. Die Geschichte erzählt von der schönen Sachi, die dem Shogun - dem inoffiziellen Oberhaupt von Japan (offiziell ist der Tenno, der Kaiser, das Oberhaupt des Landes) - zum Geschenk gemacht wird.

Als Ehefrau des Shoguns lebt sie in dem Frauenpalast und wird dort auch unterrichtet. So kann sie bald schreiben und wird ebenfalls in der Kunst der Verteidigung unterwiesen. Doch dann stirbt überraschend ihr Ehemann und Sachis Welt bricht auseinander: Ausländer, Langnasen genannt, drängen darauf, dass sich Japan gegenüber der restlichen Welt öffnet. Diese Einmischung in die japanische Politik führt zu einem Bürgerkrieg, bei dem auf der einen Seite die Anhänger des Shoguns - und damit der alten Zeit - zu finden sind und auf der anderen Seite die Getreuen des Kaisers - und damit der neuen Zeit -, die durch die Fremden unterstützt werden.

Lesley Downer liefert bei der Beschreibung der damaligen Gesellschaft wirklich überzeugende Arbeit ab. Jedes Detail, soweit man das als Durchschnittsleser beurteilen kann, ist in sich stimmig und richtig. Gleichzeitig vermeidet die Autorin jegliche Beurteilung, welche Partei damals Recht hatte oder welche Fehler begangen wurden. Sie lässt beide Seiten zu Wort kommen und ihre Ansichten schildern. Es wird deutlich aufgezeigt, dass das Leben der Japaner einschneidend verändert und keiner von dieser gesellschaftlichen Umwälzung verschont wurde.

Die Autorin verdeutlicht dies durch ihre Hauptpersonen, wobei der Schwerpunkt auf Sachi liegt. Diese ist in einem kleinen Dorf aufgewachsen und wird dort von der Hauptfrau des Shoguns entdeckt und von ihr als Ehefrau des Herrschers in den Frauenpalast gebracht. Genauer gesagt wird sie die offizielle Konkubine dieses mächtigen Mannes, eine der wichtigsten Positionen, die sie als Frau erreichen kann. Doch ihre geordnete Welt gerät aufgrund des Bürgerkrieges durcheinander - und dass sie, als sie aus dem Palast fliehen muss, den jungen Samurai Shinzaemon kennen und lieben lernt, macht ihr Leben noch komplizierter. Zusätzlich gibt es noch einige Rätsel über Sachis wahre Herkunft zu klären.

Doch verzichtet die Autorin darauf, Sachi nur als passives Opfer darzustellen. Sie macht im Gegenteil immer wieder klar, dass hinter der Fassade der Konkubine eine Persönlichkeit steckt, die sich über gängige Konventionen auch mal hinwegsetzt und sich notfalls auch zu wehren weiß. Schließlich ist aus der einfachen Dorfbewohnerin eine Frau des Shoguns geworden, gerade weil sie sich für einen Augenblick nicht an die üblichen Regeln hielt.

Ihr zur Seite steht ihre treue Freundin und Dienerin Taki. Die beiden Frauen unterstützen sich gegenseitig und geben einander den nötigen Halt, um diese turbulente Zeit zu überstehen. Die Tatsache, dass sie sich beide in einen Mann verliebt haben, was in der damaligen Gesellschaft eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war, eint diese Frauen. Liebe im westlichen Sinne dufte es zu jener Zeit nicht geben. Was auch die Erklärung dafür ist, wieso es in der alten japanischen Sprache keine wortwörtliche Entsprechung für "Liebe" gab.

Sachis Herz gehört dem jungen und wilden Shinzaemon, der auf der Seite des Shoguns steht, selbst nachdem dieser bereits gestorben ist. Er ist gegenüber den Veränderungen skeptisch, nutzt sie jedoch als ein Mittel, um seine Ansichten im Kampf verteidigen zu können. Shinzaemon ist ein bisschen starrköpfig, weil er auf Biegen und Brechen die alte Ordnung verteidigen will, doch trotzdem steht er immer wieder Sachi und Taki bei.

Das Wunderbare an dem Roman ist, dass Lesley Downer geschickt Klischees vermeidet. Dies zeigt sich zum Beispiel auf der Gefühlsebene: So passiert es zwar, dass sich in die Protagonistin mehrere Personen verlieben, doch kommt es deswegen nicht zu einem Liebesdrama, wie man es eigentlich erwarten könnte. Zum anderen stellt die Autorin durch Passagen, die darauf hindeuten, dass eine Sachi nahe stehende Person sie vielleicht verraten könnte, dem Leser eine geschickte Falle. Doch auch hier entpuppt sich dieses Handlungselement hinterher als etwas vollkommen anderes, als der Leser es vorher erwartet hätte.

Fazit:

Das Zusammenspiel aus anscheinend historisch exakter Beschreibung eines im Umsturz begriffenen Japans sowie dem Schicksal von Sachi und ihrer Freundin macht den besonderen Reiz dieses Romans aus. Geschickt vermeidet die Autorin die Fallstränge der Klischees und beschreibt in ihrer Geschichte glaubhafte Figuren. Sowohl Sachi, die immer einen Hang zur Unabhängigkeit aufweist, als auch Taki, die ihrer besten Freundin immer zur Seite steht, wirken realistisch und glaubwürdig. Das Gleiche gilt auch für den im Roman dargestellten Konflikt, bei dem es Lesley Downer vermeidet, Partei für eine Seite zu ergreifen. Stattdessen lässt sie die jeweiligen Gegner durch verschiedene Charaktere zu Wort kommen und ihre Argumente schildern.
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