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Der fliegende Mönch  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Jana Witte   
Sonntag, 8. Mai 2011

Der fliegende Mönch

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3-404-16428-8
Preis: 8,99 EUR

448 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Kloster Schussenried, 1616: Kaspar Mohr ist wenig erfreut, als sein Abt ihm aufträgt, eine entflohene Hexe aufzuspüren. Hexerei - das ist für den aufgeklärten Prior nur ein Hirngespinst. Zudem wünscht er sich nichts sehnlicher, als weiter ungestört an seinen Maschinen und Apparaturen herumwerkeln zu können. Doch dann steht die vermeintliche Hexe auf einmal in seiner Werkstatt und bittet ihn um Hilfe. Kurze Zeit später verschwindet eine Magd, ein Mönch erhängt sich, und die Inquisition ist Kaspar auf den Fersen. Denn der Prior spielt ein gefährliches Spiel: Er versteckt nicht nur die "Hexe" bei sich im Kloster, sondern hat wie sein Lehrmeister Leonardo da Vinci einen Traum - den Traum vom Fliegen ...

Meinung:

Natürlich ist die junge Witwe Agnes eine Hexe: Nur ihr Gemüse wurde nicht vom Hagel zerstört. Dann ist da noch die verendete Kuh ihres Nachbarn. Außerdem kennt sie Kräuter, weiß Dinge und ist rothaarig. Und sie ist aus dem Schussenrieder Büßerturm entkommen, obwohl er verschlossen und bewacht ist. Doch diese Flucht blieb nicht unbemerkt. Der Mob ist hinter Agnes her, die instinktiv weiß, dass sie nicht nach Hause zu ihren beiden Kindern kann. Aber im Schussenrieder Kloster, dort, wo man sie nicht vermuten wird, könnte sie sich vielleicht eine Zeit verstecken.

Und tatsächlich kann Agnes den aufgeklärten Prior Kaspar Mohr davon überzeugen, ihr zu helfen. Dass sie intelligent und zudem des Lesens und Schreibens kundig ist, macht es für Kaspar Mohr sowohl einfacher als auch gefährlicher. So ist er zwar in der Lage, Agnes im Kloster zu verstecken, allerdings kann er auch nicht der Versuchung widerstehen, entgegen der Anordnung des Abtes mit Agnes' Hilfe weiter an seinem Flugapparat zu bauen. Doch es gibt weitere Herausforderungen für Kaspar: Der Abt hat ihn beauftragt, Agnes zu fangen und der Hexerei anzuklagen. Zudem kommt die Inquisition aus Rom, um Kaspar Mohr über Galileo Galilei zu befragen, den Kaspar in Rom kennen und schätzen gelernt hat.

Der deutsche Autor Simon X. Rost wirft den Leser in das Geschehen, beginnend mit Agnes' Verfolgung. Man sieht förmlich die blitzenden Sensen und spürt den jagenden Gedanken der jungen Frau auf der Flucht nach. Ohne reißerisch zu werden, ziehen diese Flucht und Agnes' weiteres Schicksal den Leser in ihren Bann. Und zudem wird deutlich, dass in und um Schussenried noch weitere seltsame Dinge geschehen.

Dabei verliert der Autor in seinem ersten Roman "Der fliegende Mönch" auch die Charakterzeichnung nicht aus den Augen. Ob sich Simon X. Rost in einem Handlungstrang dem Inquisitor Käppli widmet oder sein Hauptaugenmerk wieder den Geschehnissen im Kloster zuwendet - die Protagonisten sind durchweg lebendig und ihr Agieren wirkt natürlich. Nicht nur Agnes' und Kaspars Innenleben samt Motivationen sind sorgfältig gestaltet, sondern auch das ihrer Gegenspieler. So taucht man als Leser in die Gedanken des Inquisitors Käppli ein und verfolgt die Ambitionen des Abtes, der sein Kloster zu neuer Größe führen will.

Spürbar liegt dieser fiktiven Geschichte um den historisch verbürgten Kaspar Mohr eine ausführliche Recherchearbeit zugrunde. Letztere diente Simon X. Rost zunächst als Basis für ein Theaterstück und nun für den gleichnamigen Roman. Erfreulich unauffällig bildet sie den Hintergrund für die Motivation und das Romansetting, das vom Autor in bildlicher Sprache umgesetzt wird. Es ist durchaus möglich, dass diese Bildhaftigkeit auf Simon X. Rosts Erfahrungen als Regisseur und Autor von Theaterstücken und Drehbüchern beruht. Auf jeden Fall erleichtert sie - genauso wie das Glossar - den Zugang zu dieser vergangenen Welt.

Fazit:

Simon X. Rosts Romandebüt führt ins Deutschland des Jahres 1616. In "Der fliegende Mönch" vermischt der Autor Fakten und Fiktion zu einer fesselnden Kriminalgeschichte um den aufgeklärten und historisch verbürgten Prior Kaspar Mohr. Die psychologisch ausbalancierten Protagonisten agieren glaubhaft vor dem gut recherchierten Hintergrund aus weltlicher und kirchlicher Macht, Glauben und Wissenschaft. Und dank der bildlichen Sprache des Autors wird dem Leser das Romangeschehen beinahe filmhaft präsentiert.
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