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Der Brautmaler  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 16. September 2010

Der Brautmaler

Originaltitel: Skæbnegalleriet
Übersetzt von: Marie-Sophie Kasten

Untergenre: Biografischer Roman
Verlag: Knaur
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3-426-63800-2
Preis: 8,95 EUR

416 Seiten
Inhalt
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Zum Inhalt:

London 1537: Hans Holbein der Jüngere ist Hofmaler Heinrichs VIII., des berüchtigten englischen Monarchen. Und er wird auf eine heikle Mission entsandt: Holbein soll europäische Prinzessinnen porträtieren, unter denen der König dann seine neue Gemahlin wählen will. Doch was, wenn sie sich nicht unbedingt durch Schönheit auszeichnen?

Meinung:

Mit "Der Brautmaler" hat Helle Stangerup einen sehr reizvollen biografischen Roman rund um den Maler Hans Holbein den Jüngeren geschaffen. Der Leser steigt am 12. Oktober 1537 in die Geschichte ein, an dem Tag, an dem Hans Holbein zusammen mit den Bürgern von London die Geburt des Thronfolgers Edward feiert. Doch während in den Straßen der Stadt ausgelassene Menschen Richtung Themse streben, um die Salutschüsse richtig genießen zu können, fällt der Blick des Malers auf eine Frau am Rande des Geschehens. In ihr erkennt er seine alte Freundin Margaret (Meg) Roper wieder, die älteste Tochter des vor über zwei Jahren geköpften Thomas More.

Noch während der Maler überlegt, ob er Meg - die er seit der Verurteilung ihres Vaters nicht mehr gesehen hatte - ansprechen soll, sieht er einen Mann mit einem Messer, der die Frau angreifen will. Im letzten Moment kann er den Mordanschlag auf Meg Roper vereiteln, ohne dass seine alte Freundin überhaupt mitbekommt, dass sie in Gefahr geschwebt hat. Nach diesem Ereignis kann Hans Holbein die Sorge um Meg nicht mehr abschütteln und versucht in den nächsten Monaten alles, um mehr über ihren Angreifer, den ungewöhnlichen Dolch, mit dem sie erstochen werden sollte, und die Hintergründe der Tat herauszufinden.

Dabei ist der Hofmaler des englischen Königs gerade anderweitig beschäftigt: Kurz nach der Geburt des Thronfolgers verstirbt Jane Seymour und so sucht Heinrich VIII. dringend nach einer neuen Ehefrau, mit der er weitere Kinder zeugen kann. So wird Hans Holbein auf Reisen quer durch Europa geschickt, um die Frauen zu porträtieren, die als potenzielle Königin in Frage kommen. Doch leicht ist die Aufgabe des Malers bei dieser Brautschau nicht. Auf der einen Seite verlässt sich Heinrich VIII. darauf, dass sein als unbestechlich geltender Hofmaler die betreffenden Frauen so realistisch wie möglich abbildet, auf der anderen Seite wird Hans Holbein vom Lordsiegelbewahrer Thomas Cromwell, der eine protestantische Verbindung für England im Auge hat, unter Druck gesetzt.

Es gelingt Helle Stangerup mit "Der Brautmaler", eine eindrucksvolle Geschichte rund um den Maler Hans Holbein, Heinrich VIII. und andere bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit zu erzählen. Dabei lenkt die angedeutete "Krimihandlung" eher von den faszinierenden Details der historischen Ereignisse ab, denn auch ohne den fiktiven Anschlag auf Meg Roper hätte einen das Leben von Hans Holbein in seinen Bann gezogen und man hätte einen ganz neuen Blick auf Heinrich VIII., die englische Reformation und einige der führenden Köpfe dieser Zeit bekommen.

Die Autorin versteht es nämlich, dem Leser ein Gefühl für das alltägliche Leben unter einem so mächtigen - und zum Teil auch willkürlichen - Herrscher, wie es Heinrich VIII. war, zu vermitteln. Auch für Hans Holbein, der als Einwanderer in London nur aufgrund seines meisterlichen Könnens geduldet wurde, entscheidet das Wohlwollen des Königs über fast jeden Aspekt seines Lebens. Ohne die jährliche finanzielle Anerkennung, die die Anstellung als Hofmaler mit sich bringt, könnte Hans Holbein sich nicht von seinen Verpflichtungen in Basel loskaufen. Er wäre gezwungen, zurück zu seiner Frau und seinen Kindern zu gehen und ein freudloses Leben an ihrer Seite zu führen.

Nur die Gunst des Königs ermöglicht dem Maler die Freiheit, weiterhin in der Fremde seinem Handwerk nachzugehen, und vor allem die Tatsache, dass seine Gemälde von ihrem Herrscher geschätzt werden, sorgt dafür, dass der Adel und die reichen Kaufleute Holbein mit Porträts beauftragen. Doch eine Verbindung zu den Mächtigen dieser Zeit kann auch schnell zu einer Bedrohung für den Ausländer werden. Denn jedes Todesurteil, das gegen einen derjenigen ausgesprochen wird, die von Hans Holbein gemalt wurden, könnte den Künstler dem Verdacht des Hofverrats aussetzen. Und jede üble Laune des Königs könnte für einen geschätzten Menschen den Tod bedeuten.

Auch wenn "Der Brautmaler" kein Roman ist, der emotional mitreißt und seine Figuren durch große Höhen und Tiefen führt, nimmt Helle Stangerup den Leser mit ihrer Mischung aus einer historisch sehr korrekten Darstellung, einer sehr schönen Sprache und einem gepflegten Erzählstil wirklich gefangen. Dabei fordert die Autorin schon etwas Aufmerksamkeit vom Leser, denn immer wieder wird auf Personen oder Ereignisse angespielt, die einige Kapitel zuvor nur in einem Nebensatz erwähnt wurden. Auch bietet es sich an, neben dem Roman noch einen Bildband zu Hans Holbeins Werken zur Hand zu haben, da all die ausführlichen Beschreibungen der Gemälde in einem das Bedürfnis wecken, einen intensiven Blick auf all die Porträts zu werfen.

Fazit:

Helle Stangerup ist es mit ihrem Roman "Der Brautmaler" gelungen, dem Leser eine ganz neue Perspektive auf das Leben des Malers Hans Holbein und die Zeit Heinrichs VIII. zu vermitteln. Mit ihrer schönen, klaren Sprache erzählt die Autorin von dem Leben des Künstlers in London und von seiner Arbeit für den König. Historisch so korrekt wie möglich - und doch anschaulich und fesselnd - wird das Alltagsleben dieses Künstlers dargestellt. Innerhalb dieser biografischen Geschichte bot sich Helle Stangerup auch die Möglichkeit, auf die englische Reformation, die politische Situation und die führenden Köpfe dieser Zeit einzugehen und diese historische Epoche für den Leser lebendig werden zu lassen. "Der Brautmaler" bietet somit eine sehr faszinierende Lektüre, die einen nicht nur den Künstler Hans Holbein mit neuen Augen betrachten lässt, sondern auch seine Zeit und seine Lebensumstände.
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