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Silberlicht  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 30. Mai 2010

Silberlicht

Originaltitel: A Certain Slant of Light
Übersetzt von: Sabine Thiele

Verlag: PAN
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-426-28328-8
Preis: 14,95 EUR

320 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Helen ist tot. Und doch ist es ihr nicht vergönnt, ins Himmelreich aufzusteigen. Sie ist eine hell strahlende Gestalt, der durchsichtige Schatten einer einst wunderschönen Frau. Niemand sieht sie, niemand kann sie berühren. Sie ist die stille Muse ihrer "Bewahrer", literaturbegabter Menschen, denen sie die richtigen Worte einflüstert und die nie etwas von ihrer Existenz erfahren werden. Bis eines Tages ein Siebzehnjähriger ihr Leben verändert: Er blickt Helen direkt ins Gesicht und ... er lächelt! Im Körper des Schülers steckt James, ebenfalls eine Lichtgestalt. Er ist fasziniert von Helens Schönheit und vom ersten Augenblick an wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind. Nun müssen sie alles daran setzen, einen menschlichen Körper für Helen zu finden. Eine abenteuerliche Suche beginnt ...

Meinung:

Laura Whitcomb hat mit ihrem Debütroman "Silberlicht" viel Aufsehen im amerikanischen Raum erregt. Mit diesem Titel erzählt die Autorin die ungewöhnliche Geschichte von Helen. Die junge Frau verstarb schon vor sehr langer Zeit und existiert seitdem als "Licht". Doch ist es ihr nur dann möglich, weiterhin auf der Erde zu verweilen, wenn sie einen Halt im Leben hat - und diesen findet sie in literaturliebenden Menschen, denen sie als eine Art Muse zur Seite steht und die sie ihre "Bewahrer" nennt.

So ist Helen mit ihrer Existenz an der Seite dieser kreativen Männer zwar nicht glücklich, aber zufrieden. Diese Menschen verhindern, dass sie in die Hölle abgleitet, und bieten ihr gleichzeitig die Möglichkeit, sich mit ihrer großen Leidenschaft, der Literatur, zu beschäftigen. Ihr aktueller Bewahrer ist Mr. Brown, ein Englischlehrer an einer Highschool, der so gern ein Schriftsteller wäre. Ihn begleitet sie Tag für Tag in den Unterricht, steht ihm bei all seinen Aufgaben zur Seite und ermutigt ihn, weiter an seinem Manuskript zu schreiben.

Niemals nimmt jemand ihre Geistererscheinung wahr, auch wenn Helen schon einmal einen Vorhang oder ein Blatt Papier in Bewegung versetzen kann - bis eines Tages einer der Schüler Helen anlächelt. Anfangs ist sie noch verstört und kann nicht glauben, dass jemand sie zum ersten Mal seit 130 Jahren wirklich sehen kann. Doch James ist kein normaler Schuljunge. Auch er ist ein "Licht", aber im Gegensatz zu Helen ist es ihm gelungen, einen Körper in Besitz zu nehmen, dem seine Seele verloren gegangen war.

Dabei war bei James der Wunsch nach einem menschlichen Körper, danach, endlich wieder etwas fühlen zu können, so groß, dass er sich keine Gedanken darüber gemacht hat, warum die ursprüngliche Seele den Jungen verlassen hatte. Je mehr Zeit Helen und James miteinander verbringen, desto tiefer werden ihre Gefühle füreinander. So steht bald der Entschluss fest, dass auch für Helen ein Körper gefunden werden muss, damit die beiden sich noch näher kommen können.

"Silberlicht" entwickelt einen eigenartigen Sog auf den Leser, der dafür sorgt, dass man das Buch in einem Zug durchlesen möchte. Dabei wird einem erst mit etwas Abstand klar, dass die Geschichte von Laura Whitcomb nicht ganz ausgewogen gestaltet wurde. Anfangs überwiegt die Neugier beim Leser, denn man will einfach wissen, was für ein Wesen Helen ist und wie es ihr zusammen mit ihren Bewahrern ergeht, doch erst, als sie James kennenlernt, hat man das Gefühl, dass man so langsam begreift, dass Helen mehr ist als "nur" eine Geistererscheinung.

Mit dem Jungen und den Bemühungen, einen eigenen Körper für Helen zu finden, verändert sich die Geschichte deutlich. Nun scheint "Silberlicht" nicht mehr zu sein als eine sehr gut geschriebene, aber doch eher klischeebehaftete amerikanische Liebesgeschichte. Denn vor allem dreht sich dieser Part um die Hoffnungslosigkeit einer Liebe zwischen einem Jungen aus der Unterschicht und einem Mädchen aus gutem Hause, wobei Laura Whitcomb sowohl die Themen Drogen und Verbrechen für den asozialen Jungen als auch extreme Religiosität bei Helens Part anspricht.

Erst gegen Ende löst sich die Autorin wieder von dieser vorhersehbar wirkenden Handlungsentwicklung und bietet dem Leser - trotz einer großen Ähnlichkeit des Schlusses mit klassischen Geistergeschichten - überraschende Wendungen und Einblicke in Helens und James' weiteres Schicksal. So gelingt es ihr, dass man vor lauter Ergriffenheit die letzte Seite mit Tränen in den Augen umblättert und mit dem befriedigenden Gefühl den Roman beendet, dass man hier - trotz aller Klischees - eine wirklich erfrischend andere Geschichte präsentiert bekommen hat.

Vor allem überzeugt Laura Whitcomb durch ihre klare und doch sehr gewählte Sprache und die vielen wunderbaren Anspielungen auf die Weltliteratur. Aber auch ihre Charaktere ziehen den Leser in ihren Bann. Helen und James wachsen einem schnell ans Herz und ihr Schicksal lässt einen ebenso wenig in Ruhe wie die Frage, was aus den Seelen jener geworden ist, deren Körper die beiden in Besitz genommen haben. So kann man gut über die kleinen Mängel und Unausgewogenheiten in diesem Roman hinwegsehen und Helens und James' Geschichte einfach genießen.

Fazit:

Mit "Silberlicht" präsentiert die Autorin Laura Whitcomb einen überaus ungewöhnlichen Debütroman. Ihre Hauptfigur Helen ist schon lange verstorben und existiert nur noch als "Licht" - und doch wächst einem die Frau schnell ans Herz. Voller Spannung verfolgt man, wie sich zwischen ihr und James eine Beziehung entwickelt und wie die beiden Figuren darum kämpfen, miteinander glücklich zu sein. Der flüssige Erzählstil, die liebevollen Literaturanspielungen und die sympathischen Charaktere lassen einen nur zu gern darüber hinwegsehen, dass die Handlung in "Silberlicht" nicht ganz ausgewogen gestaltet wurde. So möchte man einfach nur in dieser Geschichte versinken und das Buch erst wieder aus der Hand legen, wenn man die letzte Seite gelesen hat.
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