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Schwestern des Mondes 1: Die Hexe  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 2. März 2009

Schwestern des Mondes 1: Die Hexe

Originaltitel: Witchling
Übersetzt von: Katharina Volk

1. Band der Reihe

Verlag: Knaur
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-426-50155-9
Preis: 8,95 EUR

398 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Weil ihre Mutter nur ein Mensch war, haben es die Schwestern Camille, Delilah und Menolly in der Anderwelt nie leicht gehabt. Daran ändert sich wenig, als die drei von ihrem Arbeitgeber, dem Anderwelt-Nachrichtendienst, auf die Erde strafversetzt werden. Doch dann findet der Dämonenfürst Schattenschwinge einen Weg, um die Grenzen seines unterirdischen Reichs zu überwinden - und auf einmal liegt das Schicksal der Menschheit und der Feenvölker in den Händen der Schwestern.

Meinung:

"Die Hexe" ist der Auftakt der mehrteiligen Reihe "Schwestern des Mondes" von Yasemin Galenorn. Die beiden folgenden Titel sind von Knaur für April ("Die Katze") und Juni ("Die Vampirin") 2009 angekündigt. Ob und wann die weiteren Romane der Autorin ins Deutsche übersetzt werden, ist noch nicht bekannt.

Yasemin Galenorn führt den Leser in "Die Hexe" nach Seattle, doch die Stadt hat in den letzten Jahren - genauso wie der Rest der Welt - eine entscheidende Veränderung durchgemacht: Die Anderwelt, das Feenreich, hat ihre Portale geöffnet und Kontakt mit der Erdwelt aufgenommen. Nicht für jeden Menschen ist es so einfach zu verkraften, dass es die ganzen Figuren aus den Märchen wirklich gibt - und dass sie eindeutig nicht dem Sagenklischee entsprechen. Doch auch für diejenigen aus der Anderwelt, die auf der Erde ein neues Zuhause gefunden haben, ist die Umstellung nicht leicht.

Für die drei Schwestern Camille, Delilah und Menolly gibt es eine Menge Sachen, die sie beim Umgang mit Menschen überraschen und verwirren. Dabei war ihre eigene Mutter ein Mensch und hat den drei Frauen einiges über ihre Heimat beigebracht. So waren die Schwestern auch für den AND, den Anderwelt-Nachrichtendienst, die perfekte Wahl, um als Agentinnen auf der Erde zu arbeiten. Zum Glück gab es in den neun Monaten, die Camille und ihre Schwestern nun schon in Seattle leben, keine Vorfälle, die sie nicht in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Polizisten Chase Johnson lösen konnten. Und das, obwohl jede der drei Schwestern als Halbling ihre eigenen Probleme bei der Arbeit hatte.

Die drei Schwestern sind Halb-Sidhe, doch bei jeder von ihnen hat die Vermischung von Feen- und Menschenblut andere Eigenschaften und Fähigkeiten hervorgebracht. Camille ist eine Hexe, doch trotz einer hervorragenden Ausbildung und großer Begabung verursacht ihre menschliche Seite immer wieder "Kurzschlüsse" in ihrer Magie, sodass das Gelingen eines Zaubers zur Glückssache wird. Die zweite Schwester Delilah hingegen ist eine Werkatze, doch statt sich zu Vollmond in eine reißende Bestie zu verwandeln, erinnert ihre tierische Gestalt eher an eine niedliche rote Hauskatze.

Welche Fähigkeiten Menolly von Geburt an hatte, erfährt man als Leser kaum, denn die jüngste der Schwestern wurde bei einem ihrer AND-Aufträge in der Anderwelt getötet und in einen Vampir verwandelt. Noch immer muss sie lernen, mit dieser brutalen Veränderung in ihrem Leben fertig zu werden. Für den AND arbeitet Menolly auf der Erde in einem Nachtklub, und als in diesem Klub ein Riese ermordet wird, finden sich schnell Hinweise, dass Dämonen ihre Finger im Spiel hatten.

Eigentlich sollten die mittleren und höheren Dämonen sicher in den Unterirdischen Reichen eingeschlossen sein - und vor allem sollte es ihnen nicht möglich sein, unbemerkt die Erde zu betreten. Doch Camille und ihre Schwestern müssen nicht nur feststellen, dass sich gleich drei dieser unheimlichen Geschöpfe auf der Erde herumtreiben, sondern auch, dass ihr Erscheinen den Untergang der beiden Welten bedeuten könnte, die den Schwestern so am Herzen liegen. Hilfe vom AND oder gar von der Feenkönigin wird den drei allerdings nicht gewährt, da die Anderwelt gerade vor einem ganz eigenen Problem steht.

Yasemin Galenorn gelingt es wunderbar, mit märchenhaften Klischees zu spielen und so ein Universum zu erschaffen, in dem auf einmal Feen, Hexen, Vampire und Drachen durch unsere gewöhnliche Welt spazieren. Wenn man vom "Verein der Feenfreunde" liest, dessen Mitglieder sich wie Groupies um die diversen Anderwelt-Bewohner bemühen, oder von den anscheinend harmlosen, aber rassistischen Bemühungen der "Aufrechten Bürger-Patrouille", dann fragt man sich unwillkürlich, welche Folgen es noch hätte, wenn auf einmal Märchengestalten in unserer Welt real würden.

Auch die komplexe Gesellschaft der Anderwelt übt einen ganz eigenen Reiz auf den Leser aus. Da man die komplette Geschichte aus Camilles Sicht erlebt und für sie die Geschöpfe und Sitten ihrer Welt ganz normal sind, ergibt sich für den Leser eine faszinierende Perspektive, bei der man zwischen Belustigung und Unglaube schwankt, während man doch gleichzeitig das Gefühl hat, dass all diese seltsamen Dinge ganz normal sein sollten.

Die drei Schwestern sind - ebenso wie die vielfältigen Nebenfiguren - von Yasmine Galenorn sehr liebevoll und detailliert beschrieben. Schnell werden einem die verschiedenen Charaktere sympathisch. Nur bei der Hauptfigur Camille gibt es ein kleines Problem für den Leser: Für die Bewohner der Anderwelt hat Sex einen etwas anderen Stellenwert als auf der Erde, und als Hexe hat Camille besonders intensive Bedürfnisse. So erwarten den Leser neben seitenlangen Beschreibungen zum Thema Dessous und Make-up, die einem den Einstieg in die Geschichte etwas erschweren, auch so einige Sexszenen.

Grundsätzlich wäre dagegen eigentlich nichts einzuwenden, doch der Autorin ist es nicht gelungen, diese Szenen stimmig in die Handlung einzubauen. Egal, ob es sich um einen ehemaligen Liebhaber handelt oder um einen Begleiter bei einer gefährlichen Mission, immer wieder landet Camille in den Armen eines Mannes, während sie sich eigentlich eher Gedanken um ihre Familie und die überaus bedrohliche Situation, in der sich die Erdwelt befindet, machen sollte. Dabei dienen diese Szenen weder dem Verlauf der Geschichte, noch passen sie - aufgrund der zum Teil deftigen Ausdrucksweise - sprachlich zum restlichen Roman.

Doch von diesen Kritikpunkten abgesehen, entfaltet sich für den Leser eine spannende und amüsante Handlung in einer faszinierenden Welt voller Magie. Die Vielfalt an übernatürlichen Wesen, der ansprechende Humor und der flüssige Schreibstil machen auf jeden Fall neugierig auf die nächsten Bände - vor allem, da am Ende von "Die Hexe" noch einige Fragen offen gelassen wurden, die wohl erst in den kommenden Büchern geklärt werden.

Fazit:

Yasmine Galenorn ist es gelungen, mit "Die Hexe" ein faszinierendes magisches Universum zu erschaffen, in dem Geschöpfe aus der Anderwelt sich auf unserer Erde angesiedelt haben. Der Kontrast zwischen dem normalen Leben in Seattle und den neuen Möglichkeiten durch Feen und andere überirdische Wesen birgt seinen ganz eigenen Reiz, der durch die liebevoll beschriebenen Charaktere noch unterstützt wird. Einziges Manko dieser - an sich spannenden und amüsanten - Geschichte sind die nicht in die Handlung passenden Sexszenen mit der Hauptfigur Camille. Auch wenn die Autorin sich bemüht hat, die Gelüste der Halbfee einigermaßen zu begründen, passen diese Szenen weder inhaltlich noch sprachlich zum Rest des Romans.
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