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Nebenan  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 22. März 2008

Nebenan

Untergenre: Humor
Verlag: Piper
Erschienen: Dezember 2007
ISBN: 978-3-492-26649-9
Preis: 9,95 EUR

544 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Eigentlich ist unsere Welt von Heinzelmännchen, Dryaden und anderen fantastischen Wesen bevölkert. Denn nur, weil wir Menschen diese Gestalten nicht sehen können, bedeutet dies nicht, dass sie nicht existieren. Vor allem die Heinzelmänner übernehmen die wichtige Funktion, den magischen Teil der Welt "Nebenan" einzusperren und mit ihm all die dunklen Gestalten, die weder den Menschen noch den guten magischen Völkern wohlgesinnt sind. Doch eines Tages öffnet eine Gruppe von Live-Rollenspielern unabsichtlich ein Tor nach "Nebenan", und einer Gruppe finsterer Übeltäter gelingt der Übergang in unsere Welt.

Meinung:

Der Roman "Nebenan" von Bernhard Hennen handelt von dem Altgermanistik-Studenten Till, einem Romantiker und Träumer, der es kaum glauben kann, als eines Tages in seinem normalen Köln Heinzelmännchen und andere Fabelgestalten vor ihm auftauchen.

Da nach sechs Jahren Studium seine Abschlussarbeit von seinem Professor vernichtend beurteilt wird, scheint Till nichts anderes übrig zu bleiben, als seinen Kummer zusammen mit seinen Freunden von den "Ui Talchiu", einer mittelalterlichen Rollenspielgruppe, am Samhain in Met zu ertränken.

Doch durch einen unglücklichen Zufall schaffen es die Rollenspieler bei ihrer Samhain-Feier, ein Tor nach "Nebenan" zu öffnen. "Nebenan" ist der Teil der Welt, der von Magie durchdrungen ist und schon seit Jahrhunderten von den Heinzelmännern von unserer realen Welt abgeriegelt wird. Bei der Öffnung des Tors gelangen ein paar "Dunkle" in Gestalt des Zauberers Cagliostro, seines trotteligen Werwolfs Baldur und des Erlkönigs ins heutige Köln und stellen schnell die ganze Stadt auf den Kopf.

Das bleibt auch nicht ohne Folgen für Till und seine Freunde, die von den Heinzelmännern dazu verdonnert werden, den Schlamassel, den sie angerichtet haben, wieder in Ordnung zu bringen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Während Cagliostro zusammen mit einer jungen Möchtegerndruidin von den "Ui Talchiu" versucht, unsere heutige Welt mit Hilfe der Magie wieder in ein fantastisches und märchenhaftes Reich unter seiner Herrschaft zu verwandeln, ist der Erlkönig erschüttert von den Veränderungen, die die Welt seit seinem letzten Besuch in unserer Realität durchgemacht hat.

Er beschließt, dass es Zeit für radikale Schritte ist, eine weitere Verseuchung der Erde mit Atomkraft, Giftmüll und sonstigen Dingen kann nicht akzeptiert werden. Doch ihm ist auch klar, dass er Hilfe brauchen wird, um sich im heutigen Köln zurechtzufinden. Nur gut, dass es für ihn so leicht ist, ein paar Ökoterroristen aufzutreiben. Parallel versuchen die Heinzelmänner alles, um die Spuren, die die Dunklen hinterlassen, zu vertuschen und ein Eindringen weiterer böser magischer Wesen zu verhindern.

Als dann auch noch den hochtechnisierten Heinzelmännern die wichtige Liste mit den Namen der Geheimagenten von "Nebenan" verloren geht und die Spitzel zurückgezogen werden müssen, damit die Dunklen sie nicht in Gefahr bringen, wird es nötig, dass eine Gruppe tapferer Helden nach "Nebenan" geht und die Pläne der üblen magischen Wesen auskundschaftet. Schneller als Till und seine Freunde gucken können, werden sie kostümiert und in der Begleitung der beiden Heinzelmänner Wallerich und Birgel in das magische Reich geschickt.

Doch "Nebenan" zeigt eine Seite der zauberhaften Figuren, die in den Märchen so nicht geschildert wird. Da gibt es viele Fettnäpfchen, in die die Rollenspieler treten können, und die Reise in die Märchenwelt ist doch um einiges gefährlicher, als sie hätten ahnen können. Denn wer weiß heutzutage schon, wie man einen Drachen erlegt, wie man mit einem geheimnisvollen Fährmann am Rhein umzugehen hat und wie man Konversation mit der Schneekönigin betreiben soll?

Bernhard Hennen beschreibt in "Nebenan" auf sehr amüsante Weise, welche Folgen die Magie in unserer heutigen Welt haben kann. Besonders Figuren wie der Erlkönig, der als moderner Ökoterrorist durch Köln zieht, bringen den Leser zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken über das, was der Mensch der Welt antut. Der Autor hat es geschafft, dass fast jede Figur die Sympathie des Lesers weckt, egal, ob der Charakter nun auf der Seite der Guten oder der Dunklen kämpft. Gerade die kleinen Eigenheiten, die Bernhard Hennen den vertrauten Märchenfiguren zuschreibt, lassen sie real und irgendwie liebenswert wirken.

Die ganze Geschichte wird aus der Sicht der verschiedenen Charaktere in vielen kleinen Episoden geschildert, die sich zu einer großen Erzählung verbinden. Dieser Sprung zwischen den Schauplätzen und Personen führt dazu, dass sich der Leser zwar bei den ganzen lustigen und skurrilen Ereignissen sehr amüsiert, aber der Funke, der das Buch als Gesamtwerk auszeichnen würde, springt leider nicht über. So unterhaltsam jede einzelne Szene ist, man fiebert als Leser dem Ende nicht wirklich entgegen, was bei einer so schönen Idee und einer so unterhaltsamen Umsetzung sehr bedauerlich ist.

Auch muss man anmerken, dass dieses Buch eigentlich rund 20 Jahre zu spät geschrieben wurde. Vor der Lektüre von Büchern wie Matt Ruffs "Fool on the Hill", Tom Holts "Der Fliegende Holländer" oder Thorne Smiths "Das Nachtleben der Götter" wäre die Geschichte von "Nebenan" eine frische, neue und angenehm bizarre Abwechslung zum klassischen Fantasyroman gewesen. So allerdings beschleicht den Leser doch allzu häufig das Gefühl, dass der Autor in diesem Roman alte Erzählungen in mehrfacher Hinsicht neu aufbrüht.

Fazit:

Bernhard Hennen hat mit "Nebenan" ein solides und recht amüsantes Buch geschaffen, das durch eine skurrile Mischung aus Realität und Sagenwelt zu unterhalten weiß. Besonders positiv lassen sich seine Charaktere hervorheben, bei denen ein jeder, selbst diejenigen auf der dunklen Seite, so liebevoll in ihren Eigenheiten beschrieben sind, dass man sie als Leser schnell ins Herz schließt. Leider schafft der Autor es trotz vieler sehr unterhaltsamer Szenen nicht, den Roman zu einem mitreißenden Ganzen zu machen. Und wer schon mehrere Titel gelesen hat, die auf der gleichen Grundidee wie "Nebenan" basieren, wird sich des Gefühls nicht erwehren können, dass in dieser Erzählung wenig Neues geboten wird. Doch selbst bei einem Vergleich mit älteren Titeln dieses Genres werden die vielen zauberhaften Charaktere und skurrilen Ideen von Bernhard Hennen den Leser einige amüsante Stunden lang zu unterhalten wissen.

 
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