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Eine Hexe mit Geschmack  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 16. Juni 2008

Eine Hexe mit Geschmack: Mit doppelter Portion Menschenfleisch!

Originaltitel: A Nameless Witch
Übersetzt von: Karen Gerwig

Untergenre: Humor
Verlag: Piper
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-492-26655-0
Preis: 9,95 EUR

400 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Sie ist untot. Sie ist eine Hexe. Sie hat keinen Namen, aber eine nervtötende Ente als Schutzgeist. Und unbändigen Appetit auf Menschenfleisch ... Doch als die Grundfesten der Welt durch einen wahnsinnigen Zauberer erschüttert werden, ändert sich alles. Denn gemeinsam mit dem Weißen Ritter muss die Hexe alles daran setzen, das Zauberreich zu retten. Sie hat allerdings nicht bedacht, wie appetitanregend der Ritter ist - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes ...

Meinung:

Ein Familienfluch ist der Grund dafür, dass die Hauptfigur von "Eine Hexe mit Geschmack: Mit doppelter Portion Menschenfleisch!" untot geboren wurde. Obwohl jeder darüber Bescheid wusste, dass ein schwarzer Magier einen Fluch ausgesprochen hatte, der jedes sechste Kind in der Familie bis ans Ende aller Zeiten dazu verdammen sollte, eine grausige Abscheulichkeit zu sein, hatten die Eltern der namenlosen Hexe es gewagt, ein sechstes Kind in die Welt zu setzen. Direkt nach seiner Geburt wurde das Mädchen im Keller eingesperrt und verbrachte dort die ersten achtzehn Jahre ihres Lebens.

Zum Glück kam dann eine alte Frau vorbei, die das Mädchen den Eltern abkaufte und beschloss, es zur Hexe auszubilden. Obwohl ihr neuer Lehrling einen für Hexen fast nicht tolerierbaren Makel aufwies, gab sich die Grausige Edna alle Mühe mit der jungen Frau. Die unakzeptable Schönheit der Namenlosen wurde mit Dreck, unförmiger Kleidung und einem hexengemäßen Humpeln überdeckt, in dem Wissen, dass kein normaler Mensch sich die Mühe machen würde, hinter die Verkleidung zu schauen.

So lebte die Verfluchte relativ glücklich und zufrieden mit der Grausigen Edna zusammen und lernte alles, was man als gute Hexe wissen musste. Doch eines Tages wird ihre Lehrmeisterin ermordet und die namenlose Hexe macht sich zusammen mit ihrem Vertrauten Molch (einer dämonischen Ente) dazu auf, die Grausige Edna zu rächen. Nach und nach wächst die kleine Gruppe um die Hexe und Molch, bis sie ihre Reise in der kleinen Garnisonsstadt erst einmal unterbrechen und sich für eine Weile niederlassen. Dort treffen die namenlose Hexe und der Weiße Ritter Wyst aus dem Westen aufeinander und ein lustiges Abenteuer nimmt seinen Lauf.

A. Lee Martinez' "Eine Hexe mit Geschmack" erinnert stark an die fantastischen Bücher von Esther Friesner. Die Geschichte wird überaus amüsant erzählt und der Autor spielt mit den Klischees klassischer Fantasy-Geschichten, um ihnen überspitzt und mit einer gehörigen Portion Humor in seinem Roman eine ganz neue Bedeutung zu verleihen.

Auch wenn die Idee einer mordlustigen sprechenden Ente auf den ersten Blick ein bisschen zu gezielt die Lachmuskeln seines Publikums ansprechen soll, gelingt es dem Autor durch sein liebevolles Charakterdesign und einfach wunderbare Dialoge, den Leser wirklich gut zu unterhalten. Gerade zwischen Molch und dem Troll Gwurm, der sich der Gruppe angeschlossen hat, entspannen sich Unterhaltungen, die eine eigene amüsante Dynamik entwickeln.

Obwohl die unmögliche Beziehung der namenlosen Hexe zu dem Weißen Ritter Wyst aus dem Westen die Handlung zu bestimmen scheint und zu einigen witzigen und romantischen Szenen führt, bietet "Eine Hexe mit Geschmack" auch actionreiche Kampfszenen, nach denen der bedauernswerte Troll nicht selten damit beschäftigt ist, seine Gliedmaßen wieder zusammenzusuchen.

Leider wird die Geschichte im letzten Drittel des Buches deutlich schwächer. Hätte der Autor nach der großen Schlacht seinen Roman beendet, wäre es eine durchgehend stimmige und lustige Erzählung von einer namenlosen Hexe und ihrer hoffnungslosen Liebe geworden. Dabei stören weniger die philosophischen Ansätze, die A. Lee Martinez auf den letzten Seiten einbaut - obwohl diese einigen Schwung aus der Geschichte nehmen -, als vielmehr die Tatsache, dass man als Leser nur eine gewisse Menge an ähnlichen Dialogen und Szenen lustig finden kann. So sehr einen ein putzbesessener Besen anfangs zum Lachen bringt, die wiederholte Erwähnung dieser Tatsache ringt einem gegen Ende des Buches nur noch ein müdes Lächeln ab.

Fazit:

"Eine Hexe mit Geschmack" von A. Lee Martinez ist ein witziger Roman, in dem klassischen Elementen der Fantasyliteratur auf humorvolle Art eine ganze neue Bedeutung verliehen wird. Gerade die unmögliche Liebesgeschichte zwischen der namenlosen Hexe und dem Weißen Ritter sorgen für erfrischende Unterhaltung. Wenngleich die Story im letzten Drittel des Buchs deutlich schwächer wird, bietet der Roman skurrile und sympathische Charaktere, deren amüsante Dialoge die Lachmuskeln des Leser strapazieren werden.

 
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