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Drachenglanz  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 12. Dezember 2008

Drachenglanz

Originaltitel: Empire of Ivory
Übersetzt von: Marianne Schmidt

4. Band der Reihe

Verlag: Blanvalet
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-442-26572-5
Preis: 8,95 EUR

506 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Englands Verteidigung ist in Gefahr: Ein mysteriöses, todbringendes Virus hat die Drachenflotte befallen. Allein Temeraire und eine Handvoll neu rekrutierter Drachen bleiben unversehrt. Da werden Feuerreiter Will Laurence und Temeraire beauftragt, in Afrika nach einem Gegenmittel zu suchen ...

Meinung:

Naomi Noviks Buchreihe "Die Feuerreiter Seiner Majestät" geht mit "Drachenglanz" in die vierte Runde. Erzählt werden die Abenteuer des Drachen Temeraire und seines Kapitäns Will Laurence. Nach einer langen und gefährlichen Reise von China über die Türkei und Preußen nach England müssen beide entsetzt feststellen, dass die Feuerreiterstreitmacht ihrer Heimat nicht in der Lage ist, gegen Napoleon und seine Armeen anzutreten, die sich sammeln, um bald das britische Königreich zu erobern. Alle Echsen sind an einer geheimnisvollen Krankheit erkrankt, an der auch bereits einige von ihnen gestorben sind. Fieberhaft müssen die beiden nun die Suche nach einem Heilmittel in die Wege leiten, ehe es für die britischen Drachen zu spät ist. Dabei führt sie ihre Reise nach Afrika, wo sie sich mit Sklavenhandel und den dortigen Artgenossen der geflügelten Reptilien auseinandersetzen müssen.

Eine Stärke von "Die Feuerreiter Seiner Majestät" war es schon immer, die verschiedenen Völker äußerst realistisch darzustellen. Naomi Novik beschrieb diese nicht nur, sondern schaffte es auch, sie lebendig wirken zu lassen. Dies ist in "Drachenglanz" nicht anders. Vollkommen glaubwürdig schildert sie die Struktur der Stämme Afrikas sowie deren Drachen. Hierbei lässt sie sich etwas Besonderes einfallen, indem sie von dem Glauben der Bewohner dieses Kontinents erzählt, dem zufolge die dortigen großen Echsen Wiedergeburten früherer Verstorbener sind.

Was zunächst nach purem Aberglauben klingt und eine Vorurteilsfalle zu sein scheint, hat jedoch einen wahren Kern - und es stellt die Kolonialmächte schon sehr bald vor große Schwierigkeiten. So kann Naomi Novik ihre zweite Stärke ausspielen: Die Fähigkeit, die Figuren perfekt zu charakterisieren. Dies zeigt sich besonders schön an ihren beiden Hauptpersonen Temeraire und Will Laurence. Beide sind durch ihre gemeinsam überstandenen Abenteuer zusammengeschweißt worden und haben trotzdem ihre unterschiedlichen Ansichten behalten.

Bei Will Laurence stehen die Treue zur Krone und seine persönliche Ehre über allem anderen. Sie definiert seinen Charakter ebenso wie sein Unbehagen gegenüber der Sklaverei. Während sein Vater ein strikter Gegner davon ist, ist Will in dieser Hinsicht ein bisschen ambivalent. Zwar ist auch er gegen den Menschenhandel, doch vermeidet er es, eine klare Position zu diesem Thema zu beziehen. Trotzdem - oder gerade deshalb - kommt es zu Problemen mit seinem besten Freund Thomas Riley, der klar für die Sklaverei ist. Dies führt neben einigen anderen Problemen zu Reibereien zwischen den beiden Freunden, die dem Protagonisten in der Seele wehtun. Durch diese Kombination von positiven und negativen Charaktereigenschaften wirkt der Kapitän wie eine reale Person.

Temeraire sieht die Treue zur Krone ein bisschen anders. Er ist ein hochintelligenter Drache, der vielleicht in einigen Dingen etwas zu naiv ist. Temeraire stellt für sich den Schutz seines Kapitäns und seiner Crew über alles, selbst über den Dienst an dem britischen Empire. Er kam ursprünglich mit einigen äußerst hochtrabenden Plänen nach England zurück, die die Lebensweise der Drachen verbessern sollten, musste jedoch bald erkennen, dass sich seine Pläne nicht so einfach in die Realität umsetzen lassen, besonders angesichts der grassierenden Krankheit bei den englischen Drachen.

Aber auch die Gegenseite wird von der Autorin gut dargestellt. Sie vermeidet (im Gegensatz zum vorhergehenden Band) allzu platte Charakterisierungen und versteht es, die Ansichten der Afrikaner glaubwürdig wirken zu lassen. Dies ist besonders gut an Mokhachane zu sehen, dem in weiblicher Drachenform wiedergeborenen afrikanischen König, der alles daran setzt, die Fremden aus seinem Reich zu vertreiben. Die Motivationen dieses ziemlich aufbrausenden Drachens wirken in Kombination mit den realistisch dargestellten Dienern und Verwandten sehr einleuchtend.

Fazit:

"Drachenglanz" ist ein weiteres Meisterwerk von Naomi Novik. Sie schafft es, sowohl die verschiedenen Völker als auch die unterschiedlichen Figuren glaubwürdig darzustellen und so einiges an Spannung zu erzeugen. Ihre beiden Hauptfiguren müssen im Laufe des Buches einige Male bittere Niederlagen einstecken, was sie jedoch am Ende nicht hindert, ihrer Mission zu folgen. Bei Will Laurence sind es die Reibereien über das Thema Sklaverei mit seinem besten Freund Thomas Riley, die ihn belasten. Und Temeraire muss seine hochfliegenden Pläne für die Verbesserung der Lebensqualität seiner englischen Artgenossen zurückstecken. Aber auch die Gegenseite wird sehr gut dargestellt, was man vor allem an dem in Drachenform wiedergeborenen afrikanischen König Mokhachane sehen kann.
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