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Drachenbrut  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 26. März 2008

Drachenbrut

Originaltitel: His Majesty's Dragon
Übersetzt von: Marianne Schmidt

1. Band der Reihe

Verlag: Blanvalet
Erschienen: Juni 2007
ISBN: 3-442-24443-0
Preis: 8,95 EUR

420 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Als die HMS Reliant eine französische Fregatte aufbringt, kann Captain Will Laurence noch nicht ahnen, wie sehr sich sein Leben bald schon ändern wird. Denn die Fregatte hat eine höchst kostbare Fracht an Bord: ein noch nicht voll ausgebrütetes Drachenei, dem schon bald eine jener sagenhaft mächtigen Flugkreaturen entschlüpfen wird. Will Laurence weiß um seine Pflicht: Er muss dem Drachen einen Namen geben und so der lebenslange menschliche Begleiter dieses Geschöpfes werden. Auch wenn das bedeutet, dass er die Planken seines geliebten Schiffes für immer verlassen und sich in die Lüfte erheben muss - als ein Feuerreiter Seiner Majestät.

Meinung:

Aktuell ist im Fantasy-Bereich wieder ein verstärkter Trend zu Drachen zu erkennen. Gerade im Jugendbuchbereich genießen Trilogien wie "Eragon" oder "Die Drachenreiterin" steigende Popularität. Doch Naomi Noviks Reihe um "Die Feuerreiter Seiner Majestät" greift - entgegen der allgemeinen Tendenz, komplett selbst gestaltete Welten zu beschreiben - das Konzept des historischen Fantasyromans auf, der auf realen geschichtlichen Ereignissen basiert. Diese verbindet die Autorin mit den fantastischen Geschöpfen zu einer spannenden Erzählung.

Die Geschehnisse rund um den britischen Kapitän Will Laurence und seinen Drachen Temeraire spielen zur Zeit der napoleonischen Kriege. Hier hat sich Naomi Novik zwar einige Freiheiten bezüglich der historischen Tatsachen genommen, sich aber ansonsten bemüht, eine realistische Darstellung dieser Zeit zu liefern, erweitert um die Idee einer Luftarmee, die aus Drachen besteht. Dabei beschreibt die Autorin verschiedene Varianten der mystischen Tiere, welche in der Schlacht mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten (Feuer spucken, Säure speien, Sturzflüge) taktisch eingesetzt werden können. Eines haben allerdings alle Drachen gemeinsam: Sie können von Geburt an mit Menschen sprechen.

Temeraire unterscheidet sich von den üblichen Drachen, die bei den britischen Feuerreitern eingesetzt werden. Erst einmal wählt dieses Geschöpf nach dem Schlüpfen Will Laurence als seinen Reiter, obwohl dieser verhältnismäßig alt ist, um noch eine Ausbildung in diesem Bereich zu beginnen und eigentlich ein junges Besatzungsmitglied vorgesehen war, um sich um den Drachen zu kümmern. Dann stellt sich auch noch heraus, dass es sich bei Temeraire um einen chinesischen Kaiserdrachen handelt, dessen Fähigkeiten nicht mit denen der anderen von der Armee eingesetzten Tiere vergleichbar sind.

Da sich schnell eine Bindung zwischen dem jungen Drachen und dem Kapitän entwickelt, sieht sich Will Laurence gezwungen, seine Laufbahn bei der Marine zu beenden, um sich den Feuerreitern anzuschließen. Während ihrer gemeinsamen Lehrzeit in Schottland entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft zwischen Temeraire und dem Offizier. Diese Beziehung der beiden Hauptcharaktere bildet den Schwerpunkt der Geschichte von Naomi Novik.

Will Laurence, der ohne sein eigenes Zutun aus seinem bisherigen Leben herausgerissen wird und sich nun in der Welt der Feuerreiter zurechtfinden muss, ist der Charakter, aus dessen Perspektive die Handlung erzählt wird. Einige Aspekte seines neuen Lebens befremden ihn vom ersten Augenblick an und an diese kann er sich auch im Laufe seiner Ausbildung nicht gewöhnen, da sie seinem militärischen Sinn für Ordnung widersprechen. Doch gelingt es ihm auch, viele für ihn wichtige Elemente aus seiner Zeit in der Marine in seine neue Welt zu integrieren und auf diese Weise sein Leben zumindest in einigen Punkten so zu gestalten, wie es seiner Persönlichkeit entspricht.

Naomi Novik lässt sich sehr viel Zeit, um im Laufe des Buches die Beziehung zwischen Will Laurence und Temeraire zu entwickeln. Auch wenn gerade die Luftkämpfe spektakulär dargestellt sind, liegt doch das Hauptaugenmerk auf dem Zusammenspiel zwischen dem ehemaligen Marineoffizier und seinem überaus intelligenten und eigenwilligen Drachen. Temeraire muss sich als fremdartiger Drache auch erst einmal einen Platz in der Feuerreiterstaffel schaffen. Obendrein beweist er recht schnell, dass er seinen eigenen Kopf hat und nicht unreflektiert auf seinen Reiter hören will. Dafür entwickelt sich gerade dadurch, dass sich die beiden Hauptfiguren sozusagen gegenseitig ausbilden, eine intensive Beziehung zwischen Will und Temeraire. Erst gegen Ende des Buches verlagert sich der Schwerpunkt mehr in Richtung Kampfgeschehen. Es gelingt Naomi Novik, die eleganten Kämpfe der Drachen, die am Boden so schwerfällig wirken, spannend zu beschreiben.

Fazit:

Auch wenn man auf den ersten Blick glauben könnte, dass Naomi Novak mit ihrer Reihe "Die Feuerreiter Seiner Majestät" nur auf einen aktuellen Trend aufspringt, hat es die Autorin geschafft, mit ihrer gelungenen Mischung aus historischen Fakten und einer Luftstreitmacht aus Drachen einen erfrischend anderen Fantasyroman zu schreiben. Ihr Buch "Drachenbrut" liest sich überaus spannend, und ihre Figuren sind so liebevoll beschrieben, dass sie dem Leser schnell ans Herz wachsen. Ein so ansprechender Debütroman lässt große Vorfreude auf den Folgeband "Drachenprinz" entstehen.
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