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Die Weltenbaumler  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 22. Dezember 2008

Die Weltenbaumler

3. Band der Reihe

Verlag: Heyne
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-453-52399-9
Preis: 8,95 EUR

395 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
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Zum Inhalt:

Sie kennen ihn noch nicht? GON, den kleinen kurzgesichtigen und überaus toleranten Gott, der die Welt der Mythen bereits mehrmals kräftig aufgemischt hat? Nun, wenn in Asgard ein Gott ermordet wird, wenn die mythischen Tiere die Flucht ergreifen und eine Selbsthilfegruppe gründen und der Drache den jungen Siegfried erlegt, kann das nur eines bedeutet - GON und sein Prophet wandern weiter durch die Weltgeschichte: Diesmal landen sie bei den germanischen Göttern und singen das Nibelungenlied ...

Meinung:

Es ist schon ein Wagnis, ein Buch zu schreiben, das in erster Linie lustig sein soll, denn Humor liegt immer im Auge des Betrachters. Es gibt Autoren, deren Humor relativ universal ist - hier sind die besten Beispiele sicherlich Douglas Adam oder Terry Pratchett. Dann gibt es Schriftsteller, bei denen der Humor schon eher speziell ist, wie Walter Moers mit seinen "Das kleine Arschloch"-Comics. Und es gibt Autoren, bei denen der Humor nur bei wenigen Lesern zündet. Gerd Scherm, der Verfasser von "Die Weltenbaumler", fällt leider genau in diese Kategorie.

Gerd Scherm ist in vielen verschiedenen Stilrichtungen schriftstellerisch unterwegs, wie zum Beispiel Lyrik, Erzählungen oder Theater-Dramen, und ist Gastdozent an der Freien Universität Berlin, im Bereich Kultur- und Religionssoziologie. Also bringt er eigentlich gute Voraussetzungen mit für ein Buch, das sich mit dem Thema Religionen auf humorvolle Art und Weise auseinandersetzen will.

Held der Geschichte ist Seshmosis, einziger Prophet und Priester von GON, dem Gott ohne Namen. Eigentlich hatte sich Seshmosis zusammen mit seiner Liebsten, der Priesterin Tani, als Mitglied in der Gilde der vollkommenen und auserwählten Schreiber im Orient Byblos auf ein ruhiges Leben gefreut. Doch der Traum muss leider platzen, als sein Gott ihm mitteilt, dass ein Nachfahre von ihm in Gefahr ist. Dieser muss gerettet werden, weshalb Seshmosis sich auf eine Reise durch Raum und Zeit begibt. Er landet in der Völkerwanderungszeit und muss miterleben, wie es beinahe zu Ragnarök (dem Weltuntergang in der nordischen Mythologie) kommt und wie die Nibelungen untergehen.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil handelt von dem Entstehen und dem Verhindern von Ragnarök, während sich der zweite mit dem Nibelungenlied beschäftigt. In beiden Bereichen ist deutlich zu erkennen, dass Gerd Scherm wirklich etwas von dieser Materie versteht. Er bevölkert sein Buch mit Unmengen an Sagengestalten und benutzt Aspekte der nordischen Religionen, um seine Handlung zu bereichern. In dieser Hinsicht ist der Roman sehr solide. Vor allem nutzt der Autor zwar die mythologischen Vorlagen, doch hält er sich nicht sklavisch an sie, sondern pickt sich sozusagen die Rosinen heraus.

Leider bringt dem Autor sein Wissen über nordische Mythologien aber nichts, wenn es ihm nicht gelingt, daraus einen gelungenen Roman zu schaffen. Wenn Gerd Scherm nicht versuchen würde, auf Biegen und Brechen ein großes humoriges Werk zu schreiben, wäre es vielleicht noch annehmbar. Doch er versucht viel zu bemüht, amüsant zu sein - was ihm letztlich nicht gelingt. Man kann zwar sehen, dass gewisse Stellen lustig sein sollen - so lässt sich unter anderem bei Raffin (einem Händler) und Nost'trut-Amus (einem Seher) durchaus auf den Charakter der Person schließen, aber diese Kniffe regen den Leser nicht wirklich zum Lachen an.

Auch die Hauptperson von "Die Weltenbaumler" erzeugt höchstens ein gequältes Lächeln. Seshmosis ist als handlungstragende Person einfach zu passiv. Er lässt sich treiben, beklagt ab und an sein Schicksal und betet seinen Gott an - beeinflusst allerdings kaum die eigentliche Geschichte. Er wird zu einem Spielball der diversen Götterfiguren und erringt Belohnungen, ohne etwas dafür zu tun. So etwas ist eher langweilig zu lesen und lässt keine Spannung aufkommen. Und sein Gott GON geht einem mit der Zeit regelrecht auf die Nerven. Er ist allwissend und allmächtig, zu jeder Zeit am rechten Ort und kann dadurch einiges bewirken. Doch darüber hinaus wirkt er nur farblos und etwas überheblich.

Fazit:

Gerd Scherms "Die Weltenbaumler" ist der Versuch, aus berühmten Sagenvorlagen ein Buch zu machen, das den Leser zum Lachen bringen soll - und es versagt dabei leider auf ganzer Linie. Zwar kann der Leser erkennen, dass gewisse Stellen durchaus komisch gemeint sein könnten, doch der Funke will einfach nicht zünden, denn dafür sind die Gags zu lahm und zu uninteressant. Auch dass mit Seshmosis ein vollkommen von seinem Gott abhängiger Protagonist die Handlung trägt, macht die Geschichte nicht besser. Der Priester ist extrem passiv und lässt sich im Prinzip nur treiben. Was immer er tut, sein Gott wird es schon richten - und so eine Grundhaltung lässt beim Leser nur Langeweile aufkommen.
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