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Die Schattenkämpferin 1: Das Erbe der Drachen  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 15. März 2010

Die Schattenkämpferin 1: Das Erbe der Drachen

Originaltitel: Le Guerre del Mondo Emerso - La Setta degli Assassini
Übersetzt von: Bruno Genzler

1. Band der Reihe

Verlag: Heyne
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-453-53304-2
Preis: 8,95 EUR

544 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Die Halbelfe Nihal und der Magier Sennar haben die Aufgetauchte Welt vom Tyrannen befreit, nun kämpft die blutrünstige Gilde der Assassinen um seine Wiederauferstehung. Allein Dubhe, die furchtlose junge Kämpferin, vermag sie aufzuhalten. Wird sie ihre Welt vor dem Tyrannen bewahren?

Meinung:

Nach der Trilogie rund um die Drachenkämpferin Nihal erzählt Licia Troisi eine neue Geschichte in ihrer Aufgetauchten Welt. Nihal und Sennar sind inzwischen kaum mehr als eine Legende, auch wenn es noch genügend Personen gibt, die sich an die beiden Helden und ihre Taten erinnern. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Leben in den verschiedenen Reichen deutlich verändert. Ido, der Nihals Ausbilder war, lebt nun im Land des Meeres und spielt für die restliche Welt kaum noch eine Rolle.

Dafür hat Dohor inzwischen den größten Teil der Aufgetauchten Welt in seine Gewalt gebracht. Statt nun unter der Herrschaft des von Nihal besiegten Tyrannen zu leiden, leben die Völker im Schatten eines allmächtigen Herrschers, der zwar um einiges subtiler, aber nicht weniger skrupellos vorgeht als der besiegte Bösewicht. In dieser Zeit wächst Dubhe auf, ein impulsives Mädchen, das lieber draußen in der Natur spielt, als von seiner Mutter zu lernen, wie man sich um den Haushalt kümmert.

Doch mit gerade mal acht Jahren tötet Dubhe bei einer - anfangs spielerischen - Auseinandersetzung einen Jungen aus ihrem Dorf und wird dafür in die Verbannung geschickt. Noch immer schockiert von dem, was es getan hat, und der anschließenden Verhandlung, findet sich das Mädchen kurz darauf an der Grenze wieder, wo der Kampf gegen Dohors Truppen stattfindet. Hier muss Dubhe miterleben, wie die Soldaten, die sie in ihre Obhut genommen haben, niedergemetzelt werden. So wird ihr Dasein schon sehr früh von Gewalt bestimmt und ihre einzige Chance besteht darin zu lernen, wie man kämpft, um zu überleben.

Durch die Tötung ihres Spielkameraden ist Dubhe in das Visier einer unheimlichen Gruppierung geraten. Die Gilde der Assassinen beansprucht jedes Kind für sich, das in jungen Jahren mit dem Tod in Berührung kam. Babys, deren Mütter bei der Geburt verstarben, oder kleine Kinder, die auf irgendeine Weise für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich gemacht werden können, werden in der Gilde zu Meuchelmördern ausgebildet. Aber hinter den Assassinen steckt weitaus mehr als nur eine Gruppe von Auftragskillern. Ihr Anführer Yeshol war einst ein Anhänger des Tyrannen und betet noch immer Thenaar, den schwarzen Gott des Todes, an. Sein Ziel ist es, mit Hilfe seiner Assassinen genügend Macht zu erlangen, um die bekannte Welt im Namen seines Gottes zu unterjochen.

Dubhe ist sich schnell darüber im Klaren, dass sie das Interesse der Gilde geweckt hat und das Mädchen versucht alles, um den Assassinen nicht in die Fänge zu geraten. Auch wenn sie für den Tod ihres Spielkameraden verantwortlich ist, so hat ihr diese Tat gezeigt, dass Mord eine unverzeihliche Handlung ist. Nie wieder will sie einem Menschen das Leben nehmen - und doch scheint ihr Weg in genau diese Richtung zu verlaufen, ohne dass sie sich dagegen wehren kann.

Licia Troisi beweist mit "Das Erbe der Drachen", dem ersten Teil ihrer "Die Schattenkämpferin"-Trilogie, dass sie als Autorin gereift ist. Ihre Charaktere sind erwachsener und vielschichtiger, als sie es bereits in "Die Drachenkämpferin" waren, und auch ihre Erzählweise ist deutlich komplexer. Dubhes Geschichte entfaltet sich für den Leser in vielen Rückblenden und so erfährt er parallel zu den aktuellen Ereignissen, wieso das Mädchen sich so vehement gegen ein Leben als Meuchelmörderin wehrt und was es sich für seine Zukunft erträumt. Dabei gelingt es der Autorin, die zeitlichen Sprünge so zu gestalten, dass der Leser nie verwirrt wird, sondern einfach nur sehr gespannt auf Dubhes Lebensweg ist.

Auch die fantastische Welt, in der Licia Troisis Geschichten spielen, hat sich ein wenig verändert. In "Die Drachenkämpferin" litten zwar Teile des Landes unter der Herrschaft des Tyrannen, und Gebiete verödeten oder waren aufgrund der vielen Monster, die dort hausten, zu gefährlich für Reisende geworden, aber es gab immer noch viele wunderschöne Gegenden zu entdecken, in denen magische Völker in Frieden lebten. "Die Schattenkämpferin" hingegen bietet dem Leser realistischer wirkende Lebensumstände, die aufgrund der Kriege der letzten Jahre wenig Erbarmen mit der Bevölkerung gezeigt haben. Hier erlebt man die Schattenseiten eines Lebens unter einem machthungrigen Herrscher und eine Welt, in der Assassinen durch die Straßen ziehen und in der Dubhe nur durch kriminelle Handlungen überleben kann.

Erst mit Lonerin, einem Charakter, der erst sehr spät in die Geschichte eingeführt wird, schwingt wieder etwas von der magischen Schönheit der Aufgetauchten Welt in diesem Roman mit. Obwohl auch er hilflos vor der Gilde der Assassinen steht und in seinem Leben schon zu viele schlimme Erfahrungen gemacht hat, ist er jemand mit einem stabilen Umfeld. Lonerin hat Freunde und Kollegen, denen er am Herzen liegt, und ein fürsorgliches Verhalten liegt in seiner Natur. Durch ihn bekommt auch der Leser Hoffnung, dass sich Dubhes Weg doch einmal zum Positiven wenden könnte, was die Neugier auf die Fortsetzung "Das Siegel des Todes" nur noch steigert.

Doch durch Licia Troisis gereiftere Erzählweise entsteht auch ein Problem: Durch die düstere Umgebung und Dubhes distanzierte und disziplinierte Art wächst einem dieser Charakter nicht so schnell ans Herz wie die Protagonisten aus "Die Drachenkämpferin". Obwohl der Leser mit dem kleinen Mädchen mitleidet, das versuchen muss, in einer so feindlichen Welt zu überleben, besteht doch über lange Zeit hinweg eine gewisse Distanz zu ihr. Erst gegen Ende des Romans ist man so weit in ihre Welt eingetaucht, dass man gleich zum nächsten Band greifen möchte, um zu erleben, wie ihrer Geschichte sich weiterentwickelt.

Fazit:

Mit "Das Erbe der Drachen" legt Licia Troisi einen vielversprechenden Anfang ihrer Trilogie rund um "Die Schattenkämpferin" Dubhe vor. Der Schreibstil ist - ebenso wie die Protagonisten - deutlich reifer als in ihrer vorangegangenen Reihe "Die Drachenkämpferin" und auch ihre fantastische Welt wirkt in diesem Roman realistischer und düsterer. Allerdings wächst einem Dubhe trotz ihres interessanten und fesselnden Werdegangs nicht so schnell ans Herz. Erst gegen Ende des Buches leidet man wirklich mit der jungen Frau mit und hofft für sie, dass der zweite Band der Reihe eine positive Wendung in ihrem Leben bringt.
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