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Der Kuss des Dämons  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 5. April 2008

Der Kuss des Dämons

Untergenre: Liebe & Romantik
Verlag: Ueberreuter
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-8000-5351-3
Preis: 14,95 EUR

334 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Es beginnt als Liebe auf den zweiten Blick - nie im Leben hätte die junge Dawn für möglich gehalten, dass ihre Gefühle ausgerechnet von Julien erwidert werden. Er ist der unnahbar coole und unheimlich schöne Neue an der Highschool. Doch an Julien haftet auch ein dunkles Geheimnis, das Dawn in die Welt der Vampire führt und aus dem Liebestraum bald einen Albtraum macht.

Meinung:

Wenn innerhalb so kurzer Zeit zwei Vampirromane für Jugendliche auf den Markt kommen, die an einer Highschool spielen, dann liegt es für den Leser nahe, die beiden Titel auch zu vergleichen. Lynn Ravens Debütroman "Der Kuss des Dämons" und Stephenie Meyers Erstlingswerk "Bis(s) zum Morgengrauen" weisen eklatante Ähnlichkeit miteinander auf. In beiden Büchern verliebt sich ein junges Mädchen in den geheimnisvollsten Jungen an der Schule. Doch erst nachdem er sie vor tödlichen Unfällen bewahrt hat, kommen sich die Hauptfiguren näher und gestehen sich letztendlich ihre Zuneigung. Und in beiden Titeln sind es die männlichen Charaktere, die sich dieser Liebe verweigern wollen, da sie Vampire sind und die Mädchen in Gefahr bringen könnten.

Ob nun Lynn Raven ihre Erzählung bewusst an die "Bis(s)"-Reihe angelehnt hat oder schon lange vor Stephenie Meyers Büchern an diesem Roman arbeitete, kann wohl nur die Autorin beantworten. Und vielleicht verdankt sie es auch nur dem aktuellen Trend zum Vampirroman, dass sie so schnell für ihr Erstlingswerk einen Verlag gefunden hat. Doch unabhängig von all diesen Spekulationen muss man anerkennen, dass der Autorin ein sehr gut geschriebener und spannender Debütroman gelungen ist, der eine ganz eigene Welt rund um den Mythos Vampir aufbaut.

Während "Bis(s) zum Morgengrauen" sich unendlich lange bei der Beschreibung Edwards und seiner Schönheit aufhält und erst gegen Ende des Buches etwas Spannung entsteht, schafft es Lynn Raven in ihrem Roman "Der Kuss des Dämons" von vornherein, den Leser in die dunkle Seite der Geschichte einzubinden. Allein der Kniff, die Geschichte mit einem Einbruch in das Sekretariat der Highschool beginnen zu lassen, sorgt von Anfang an für ein Rätsel, das über die Herkunft Juliens hinausgeht.

Erzählt wird der Roman aus zwei Perspektiven: Einerseits gibt es Dawns Seite der Geschichte, in der der Leser mitverfolgen kann, wie sich die beiden Protagonisten kennen lernen. Unterbrochen wird dies von kurzen Einschüben, die aufzeigen, dass ein geheimnisvoller Fremder in der Gegend ist und Erkundigungen über einen Mann einholt. Nach und nach werden in diesen Teil der Erzählung Elemente eingemischt, die stark an einen Krimi erinnern und die Spannung in "Der Kuss des Dämons" auf lange Sicht aufrecht erhalten.

Ein wenig enttäuschend ist es, dass Lynn Raven in ihrer Version einer Teenager-Vampir-Liebesgeschichte auch nicht auf einen Freundeskreis verzichten kann, der den Neuen ablehnt. Dieses ganze Hin und Her zwischen den Jugendlichen, in denen es sich um enttäuschte Liebe und "Bringst du deinen Freund mit, dann will ich dich nicht bei meiner Geburtstagsparty haben!" dreht, hätte man sich zugunsten eines ausführlicheren Hintergrunds für Julien schenken können. Abgesehen davon erinnert diese Problematik doch wieder sehr an die anfängliche Hauptproblematik des Romans "Bis(s) zum Morgengrauen".

Trotz aller Parallelen ist es der Autorin gelungen, in "Der Kuss des Dämons" eigenständige Charaktere zu schaffen, die nur wenig mit den Figuren von Stephenie Meyer gemein haben. Julien ist eine abweisende Figur, die keinerlei Hemmungen hat, junge Mädchen für die eigenen Zwecke auszunutzen. Doch langfristig schafft es Lynn Raven, aus dem coolen, aber unsympathischen Vampir jemanden zu machen, der dem Leser ans Herz wächst und dessen Geheimnis man unbedingt lüften will.

Dawn hingegen ist angenehmerweise, abgesehen von ihrem etwas überbehüteten Leben bei ihrem erfolgreichen Onkel, ein ganz normales Mädchen. Sie hat einen netten Freundeskreis, mit dem sie in ihrer Freizeit viel unternimmt, und erst der Kontakt zu Julien stellt ihr Leben vollkommen auf den Kopf. Besonders schön ist es, dass die junge Frau nicht so wehleidig und passiv ist wie ihr Gegenstück Bella in den "Bis(s)"-Romanen, obwohl auch Dawn in Situationen gerät, in denen sie auf die Hilfe Juliens angewiesen ist.

Ein wenig hat man beim Lesen von "Der Kuss des Dämons" das Gefühl, den Roman in den Händen zu halten, der aus "Bis(s) zum Morgengrauen" hätte entstehen sollen. Vielleicht spricht diese Geschichte den Leser weniger auf der Gefühlsebene an als das vermutliche Vorbild, doch die Autorin schreibt eindeutig auf einem höheren Niveau, als es Stephenie Meyer in ihrem Debütroman an den Tag gelegt hat. Auch schafft es Lynn Raven von Anfang an, Spannung aufzubauen, die über das ganze Buch hinweg nicht abflaut. Trotz einiger vorhersehbarer Wendungen bleibt diese Erzählung bis zum Höhepunkt am Schluss fesselnd und unterhaltsam.

Fazit:

"Der Kuss des Dämons" von Lynn Raven wird wohl immer mit "Bis(s) zum Morgengrauen" verglichen werden. Doch trotz deutlicher Parallelen kann man guten Gewissens behaupten, dass es der Autorin gelungen ist, eine ganz eigene Vampirgesellschaft aufzubauen. Die Charaktere in dieser Erzählung sind um einiges realistischer und somit auch sympathischer als in Stephenie Meyers "Bis(s)"-Reihe. Und im Gegensatz zu der Liebesgeschichte um Bella und Edward ist die Handlung von "Der Kuss des Dämons" vom Anfang bis zum Höhepunkt durchgehend spannend. Gerüchten zufolge ist für Anfang 2009 eine Fortsetzung dieses Buches geplant, die hoffentlich nicht nur das hohe Niveau zu halten weiß, sondern auch weniger Gemeinsamkeiten mit den Werken von Stephenie Meyer aufweist.

 
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