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Der Elbenschlächter  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 15. Januar 2011

Der Elbenschlächter

1. Band der Reihe

Untergenre: Krimi
Verlag: LYX
Erschienen: April 2010
ISBN: 978-3-8025-8257-8
Preis: 9,95 EUR

320 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Fünf tote Elbenjünglinge innerhalb weniger Tage und alle auf magische Weise ihres Blutes beraubt - ein Fall für das IAIT, das "Institut für angewandte investigative Thaumaturgie", spezialisiert auf die Aufklärung magischer Verbrechen. Seine beiden besten Agenten, Lichtadept Meister Hippolit und Jorge der Troll, werden ausgeschickt, um dem rätselhaften Elbenschlächter auf die Spur zu kommen. Die Entdeckungen, die sie dabei machen, überraschen sogar die beiden erfahrenen Ermittler ...

Meinung:

Mit "Der Elbenschlächter" haben die beiden Autoren Jens Lossau und Jens Schumacher eine Mischung aus Fantasy, Humor und Krimi geschaffen. Dabei ist der Krimianteil der Handlung recht vorhersehbar und schon lange vor Auflösung der Geschichte wird dem Leser bewusst, wer für die Abschlachtung der Elben verantwortlich ist. Ein wenig mehr Unterhaltung bieten die beiden Protagonisten Meister Hippolit und Jorge der Troll. Dabei ist es allerdings keineswegs neu, dass ein schmächtiger - und in diesem Fall kindlich wirkender - Magier aufgrund seiner äußeren Erscheinung Schwierigkeiten hat, seine Autorität durchzusetzen, während ihm ein eher ungebildeter und sehr starker "Beschützer" zur Seite gestellt wird.

Trotzdem gelingt es Jens Lossau und Jens Schumacher, das Verhältnis der beiden Figuren amüsant darzustellen und vor allem dem Troll Jorge im Laufe der Geschichte mehr Tiefgang zu verleihen. Denn zu Beginn von "Der Elbenschlächter" wirkt der Troll einfach nur dumm und triebgesteuert, während er seinen Lebensinhalt anscheinend im Verzehr von Krügerschweinen, Saufen und Prügeln sieht. Jorges Neigung, zu jeder Gelegenheit Troll-Sprichwörter zu zitieren (die er oft genug gerade erst erfunden hat), kann den Leser durchaus amüsieren, wirkt aber in der Häufung viel zu gewollt.

Bei Meister Hippolit wird der Humor hingegen in erster Linie dadurch erzeugt, dass er aufgrund eines fehlgeschlagenen Verjüngungszaubers nun im Körper eines Kindes gefangen ist. Er, der bis vor Kurzem noch ein geachtetes Mitglied des "Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie" war, muss nun erleben, wie er von Ladenbesitzern vor die Tür gesetzt und von Straßenkindern zusammenschlagen wird. Obwohl ihm seine große Zaubermacht erhalten geblieben ist, darf er sie nicht benutzen, um sich gegen solch eine Behandlung zu wehren.

Neben dem Kontrast zwischen dem hochintelligenten, aber kindlich wirkenden Hippolit und dem eher primitiven Troll Jorge lebt "Der Elbenschlächter" von den atmosphärischen Beschreibungen des Autorenduos. Dabei ist die Idee von Elben-Strichern weder neu noch besonders tiefgehend umgesetzt worden, sorgt aber für einen sehr stimmungsvollen Einstieg in das Buch. Und während Hippolit und Jorge herauszufinden versuchen, wer die Elben tötet und ihnen all ihr Blut raubt, kann der Leser durch die Augen der Ermittler die Stadt Sdoom entdecken.

Durchzogen von einem Fluss - dessen Beschreibung auffallend an Terry Pratchetts Ankh erinnert -, beherbergt die Stadt die unterschiedlichsten Völker und Schichten. So zieht es Hippolit und Jorge von den Elendsvierteln, in denen die Elben anschaffen gehen, über Handwerkerviertel bis zum Schloss der Königin, sodass man die vielen verschiedenen Facetten dieses Ortes erleben und genießen kann. Besonders schön ist dabei, dass die Welt, die die beiden Autoren hier erschaffen haben, nicht im tiefsten Mittelalter feststeckt, sondern an der Grenze zur Industrialisierung steht. Vor allem die Vulwoogs - dampfbetriebene Fahrzeuge - bringen einen reizvollen Hauch von Steampunk in die Handlung.

Doch weder der immer wieder aufblitzende Humor noch die atmosphärischen Beschreibungen reichen aus, um dem Leser am Ende von "Der Elbenschlächter" das Gefühl zu geben, befriedigende Lesestunden erlebt zu haben. Zu viele Elemente in dieser Geschichte sind vorhersehbar oder wirken wie eine "Hommage" an andere Fantasywerke. Auch der Kriminalfall sorgt nicht für die erwartete Spannung, da der Mörder schnell vom Leser entlarvt wird und man deshalb das Gefühl hat, dass sich die Geschichte bis zur endgültigen Auflösung etwas dahinschleppt. Insgesamt ist "Der Elbenschlächter" zwar ein leicht zu lesendes und recht unterhaltsames Buch, es kann den Leser aber nicht so weit überzeugen, dass er zu der Fortsetzung ("Der Orksammler") greifen würde.

Fazit:

Obwohl "Der Elbenschlächter" von Jens Lossau und Jens Schumacher dank einer Mischung aus Fantasy, Krimi und Humor alle Zutaten beinhaltet, die zu einer wirklich unterhaltsamen Geschichte führen können, bleibt am Ende des Buches eher ein enttäuschtes Gefühl beim Leser zurück. Trotz wirklich schöner atmosphärischer Beschreibungen und der dezenten Charakterentwicklung von Jorge überwiegen klischeehafte Figuren, Elemente, die einem schon durch andere Autoren vertraut sind, und eine überaus vorhersehbare Krimihandlung. Das alles sorgt dafür, dass man den Roman zwar schnell herunterlesen und das eine oder andere Mal dabei schmunzeln kann, jedoch erzeugt er keinen bleibenden, positiven Eindruck.
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