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Das Fest der Vampire  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Heike Bellas   
Mittwoch, 3. Dezember 2008

Das Fest der Vampire

Herausgegeben von Carsten Polzin.

Verlag: Piper
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-492-26678-9
Preis: 7,00 EUR

238 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Wenn Vampire in der Weihnachtsnacht zuschlagen. Wenn Dämonen in kalten Welten Unheil anrichten. Wenn Zauberer in vereisten Städten ihr Schicksal finden ... Die beliebtesten phantastischen Autoren unserer Zeit führen mit neuen unheimlichen, überraschenden und humorvollen Geschichten in magische Winterreiche. Ein Band mit Originalerzählungen von Michael Peinkofer, David Wellington, Jonathan Barnes, Julia Conrad, William King und vielen anderen, dazu zwei weihnachtliche Klassiker von Terry Pratchett und Ian Watson.

Meinung:

Im November 2007 erschien "Das Fest der Zwerge - Phantastische Weihnachtsstorys", in dem Weihnachtsgeschichten verschiedener bekannter Fantasyautoren versammelt waren. Im November 2008 folgte nun "Das Fest der Vampire - Phantastische Weihnachtsstorys", das dem Prinzip seines Vorgängers folgt. Wieder findet man Weihnachtserzählungen verschiedener namhafter Autoren, darunter Größen wie Terry Pratchett, der durch seine "Scheibenwelt"-Romane bekannt ist, oder Jonathan Barnes, dessen Debüt "Das Albtraumreich des Edward Moon" in den Reihen der Genreliebhaber gefeiert wurde.

Dabei sind die verschiedenen Stile der einzelnen Autoren auch in ihren Erzählungen deutlich zu erkennen. So erfindet Tobias O. Meißner, der für seine Innovativität bekannt ist, in "Von draußen" eine skurrile Kriminalgeschichte am Weihnachtsabend, die in einem offenbar bayrischen Dörfchen spielt, mit urigen Inspektoren und einem ungewöhnlichen Mörder. Unverkennbar auch Jonathan Barnes Schreibstil, der sich diesmal in seiner Geschichte an Dickens "Weihnachtsgeschichte" zu orientieren scheint.

In den Erzählungen werden auch die verschiedenen Nationalitäten der Autoren deutlich. Die meisten Geschichten spielen in dem Land, in dem der jeweilige Autor lebt. Meißners Erzählung findet in Bayern ihren Platz, während Barnes "Mr. Goldicutt's Party" in England stattfindet. Ausnahmen bilden dabei Charlotte Kerner, deren "Vierundzwanzig Hahnenschreie" auf Mallorca erklingen, und William Kings "Karpfen im Netz", der in Prag gefangen wird.

Wer erwartet, sich mit dem Buch zurücklehnen und gemütliche Weihnachtsgeschichten lesen zu können, der wird auf mehrere Arten eine Überraschung erleben. Einige der Kurzgeschichten sind wirklich schöne Weihnachtserzählungen, wie beispielsweise "Blüten" von Julia Conrad, die von einem kleinen Weihnachtsbaum erzählt, der - abgeholzt, und damit dem Tode geweiht - noch einmal richtig leben möchte und deswegen ein letztes Mal in vollem Glanz erstrahlt. Doch zum größten Teil sind die Kurzgeschichten gruselig, wenn nicht gar gewalttätig. So beschreibt "Das Experiment" von David Wellington, wie eine verrückte Wissenschaftlerin an einem Weihnachtsabend brutale Versuche an einem gefangenen Vampir durchführt.

An letzterer Geschichte wird allerdings auch ein Problem des Bandes deutlich: Nicht nur tauchen die titelgebenden Vampire in äußerst wenigen Geschichten auf - auch etwa die Hälfte der Geschehnisse ereignet sich zwar an Weihnachten, doch hat dieses spezielle Datum für die Angelegenheit an sich keine Bedeutung. Weihnachten bleibt eine Zeitangabe ohne weiteren Sinn. So wirken die Geschichten ein wenig wie Lückenfüller, weil der Herausgeber nicht genug Weihnachtserzählungen gefunden zu haben scheint, um ein ganzes Buch mit ihnen zu füllen. Doch diejenigen Geschichten, die tatsächlich an Weihnachten spielen, entschädigen dafür über alle Maßen.

"Das Fest der Vampire" beinhaltet zwei Klassiker. Zum einen ist das Terry Pratchetts "Zwanzig Pence mit Umschlag und Weihnachtsgruß", eine kryptische Erzählung über eine im Schneesturm verschwundene Reisegruppe und deren seltsame Tour durch verschiedene Landschaften, die alle von Papphorizonten begrenzt sind. Zum anderen "Wenn Jesus durch den Kamin kommt" von Ian Watson, der mit dem Gedanken spielt, was wäre, wenn man Jesus und den Weihnachtsmann die Rollen hätte tauschen lassen.

Besonders hervorstechend ist zudem die Erzählung "Das Ritual" von Florian Straub, die beschreibt, wie Dämonenfamilien ihr Weihnachten begehen. Detailliert wird dargestellt, wie es dort an Weihnachten riecht, was es zu Essen gibt und wie der Weihnachtsbaum im Dämonenwohnzimmer geschmückt sein muss. Passend dazu bietet "Das Fest der Vampire" den Weihnachtsfans auch optisch ein paar ausschmückende Details: Jeder Kapitelanfang ist verziert und neben jeder Seitenangabe befindet sich ein kleines Sternchen.

Fazit:

"Das Fest der Vampire" ist eine Sammlung von fantastischen Erzählungen mehrer bekannter Fantasyautoren wie Terry Pratchett oder Jonathan Barnes. Dabei spielt jede Geschichte an Weihnachten, auch wenn sie sich einmal mehr und einmal weniger stark um dieses Datum drehen. Die persönlichen Stile der einzelnen Autoren und deren Nationalitäten sind deutlich erkennbar. Besondere Highlights sind die beiden Klassiker von Terry Pratchett ("Zwanzig Pence mit Umschlag und Weihnachtsgruß") und Ian Watson ("Wenn Jesus durch den Kamin kommt"). Den letzten Schliff verpassen dem Buch die weihnachtlichen Ausschmückungen am Kapitelanfang und neben den Seitenzahlen.
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