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Mitternachtsmädchen  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 24. Oktober 2009

Mitternachtsmädchen

Verlag: Knaur
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-426-66391-2
Preis: 16,95 EUR

400 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

In einer verwunschenen Pension an Englands Küste, mitten in der Nacht, werden Zwillinge geboren - und in den stürmischen 20er- Jahren bald von ihrer Mutter verlassen. Die kleine April wird adoptiert, während May in der Obhut der Pensionswirtin aufwächst. Doch ohne voneinander zu wissen, haben die Mitternachtsmädchen ihr Leben lang das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt ...

Meinung:

Tanja Wekwerth erzählt mit dem Roman "Mitternachtsmädchen" weniger die Geschichte der Zwillingsschwestern April und May, sondern zeigt eher Szenen aus dem Leben einiger Menschen, die in der kleinen Pension "Old Inn" einkehren. Doch vor allem dreht sich das Buch um Molly, die ihr ganzes Leben in Kilborough verbringt und sich um das "Old Inn" kümmert. Schon als sie noch ein Teenager war, nahm sie die Stelle in der Pension an und fühlte sich privilegiert, weil sie an einem solch schönen Ort arbeiten durfte.

Denn auch wenn das "Old Inn" nur über vier kleine Gästezimmer verfügt, besitzt es doch einen einzigartigen Speisesaal, der durch seine ungewöhnliche Form und die großartige Aussicht auf das Meer fast magisch wirkt. Liebevoll kümmert sich Molly um ihre Gäste und weiß oft schon im Voraus, was sie von den einzelnen Personen zu erwarten hat - bis eines Tages ein Ehepaar bei ihr übernachtet, welches sie einfach nicht einschätzen kann. Die junge Ehefrau, Mary, bleibt allein und schwanger in der Pension zurück und bekommt einige Monate später Zwillingsmädchen.

Doch während die Kinder April und May für Molly wie ein wunderbares Geschenk sind, setzt die junge Mutter alles daran, wieder nach London zurückzukehren und ihre Töchter und ihren treulosen Ehemann zu vergessen. Noch bevor Molly Mary begreiflich machen kann, dass sie sich um die Schwestern kümmern will, wird April von dem deutschen Ehepaar Hermann und Dorothee Meissner adoptiert und reist mit diesem nach Berlin.

May verlebt im "Old Inn" eine wunderschöne Kindheit, auch wenn sie immer das Gefühl hat, dass in ihrem Leben etwas fehlt. Ihre Schwester April hingegen wächst im Vorkriegsberlin als Margarethe auf. Für Dorothee stellt die Anwesenheit des Mädchens zwar die Erfüllung eines Herzenswunsches dar, doch so recht kommt die Adoptivmutter mit der wilden und unabhängigen Art des Kindes nicht zurecht. Während sich Dorothee immer weiter von Margarethe abwendet, wächst diese ihrem Adoptivvater immer mehr ans Herz. Als die Situation in Berlin immer angespannter wird, verlässt Hermann Meissner mit den Seinen das Land und geht nach Afrika. Dort kann Margarethe endlich so frei und ungezwungen aufwachsen, wie es in ihrer Natur liegt. Doch trotz der Liebe, die sie von ihrer Familie bekommt, hat auch sie immer das Gefühl, dass etwas Entscheidendes in ihrem Leben fehlt.

So interessant Tanja Wekwerths Grundidee für diesen Roman ist und so sehr es der Autorin gelingt, den Leser in den Bann der wunderschönen und wilden englischen Küstenlandschaft zu ziehen und ihm die Magie des Speisesaals im "Old Inn" vor Augen zu führen, so unausgewogen wirkt dieses Buch. Sehr langsam und ausführlich bereitet die Autorin die Bühne bis zur Geburt der Schwestern vor. Der Leser lernt Molly in all ihren Facetten kennen und erfährt viel über die Gäste in der Pension.

Auch die ersten Lebensjahre der Zwillinge werden recht stimmungsvoll beschrieben, doch spätestens ab der Hälfte des Buches kommt das Gefühl auf, dass die Autorin die Geduld mit ihrer Geschichte verloren hat. Sie springt von einer Szene zur nächsten und lässt den Leser mal eben ein paar Jahrzehnte mit einem Satz überbrücken. So sympathisch einem Molly auf den ersten Seiten war, so sehr verliert man dadurch den Bezug zu den einzelnen Charakteren. Hier und da eine stimmungsvolle Szene, ein atmosphärischer Buchladen oder ein Spaziergang vor dem Charlottenburger Schloss reichen letztendlich nicht, um den Leser emotional einzubinden.

Natürlich bringt einen die Frage, ob sich die Zwillingsschwestern jemals wieder sehen werden, dazu, das Buch zu Ende zu lesen, doch der Zauber, der den Anfang beherrschte, geht leider im Laufe der Handlung verloren. Das hängt auch damit zusammen, dass der Leser eigentlich nur bei Molly und den beiden Mädchen das Gefühl hat, stimmige Charaktere vor Augen zu haben. Keine der beschriebenen Frauen hat ein normales Verhältnis zu sich oder dem anderen Geschlecht - und die wenigen Männer, die in diesem Buch eine Rolle spielen, werden als rückgrat- und morallos dargestellt. "Mitternachtsmädchen" hätte das Potenzial zu einem traumhaften Roman gehabt, wenn es Tanja Wekwerth gelungen wäre, die wunderbare Stimmung der ersten Seiten bis zum Ende der Geschichte aufrechtzuerhalten.

Fazit:

Tanja Wekwerths Roman "Mitternachtsmädchen" lässt im Leser Sehnsucht nach der wilden englischen Küste und dem heranwogenden Meer aufkommen. Auf den ersten Seiten gelingt es der Autorin, den Leser durch ihre stimmungsvollen Beschreibungen gefangen zu nehmen und mit der sympathischen Molly mitfühlen zu lassen. Doch leider verliert das Buch im Laufe der Zeit seine Faszination. Große Zeitsprünge und eher einseitig beschriebene Charaktere führen dazu, dass der Leser mit den Figuren nicht mehr mitfiebern kann. So ist dieser Roman immer noch für ein paar unterhaltsame Lesestunden gut, kann aber leider nicht durchgehend überzeugen.
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