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Mehr als ein Sommer  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Jana Witte   
Mittwoch, 24. November 2010

Mehr als ein Sommer

Originaltitel: In the Hands of Anubis
Übersetzt von: Diana Beate Hellmann

Untergenre: Liebe & Romantik
Erschienen: September 2010
ISBN: 978-3-7857-6038-3
Preis: 14,99 EUR

284 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

Trevor Wallace hasst das Reisen. Er hasst sowieso alles, was ihn mit fremden Menschen zusammenführt. Dummerweise ist es sein Beruf, kanadische Traktoren in die weite Welt zu verkaufen - ziemlich unpraktisch bei Reisephobie. Auf dem Weg nach Afrika stolpert er beim Zwischenstopp in Frankfurt über das Gepäck einer alten Dame, die ihn sofort in Beschlag nimmt und nicht wieder in Ruhe lässt. Und als wäre das nicht schon genug an Scherereien, führt diese kauzige Lady auch noch ungewöhnliche Schmuggelware mit sich: die Asche ihrer drei Ehemänner. In Vitaminpulverdosen. Constance sucht die geeignete letzte Ruhestätte für sie. Plötzlich steckt Trevor, dem Liebe bisher suspekt war, inmitten eines Abenteuers, das nicht nur seine geordnete Welt völlig auf den Kopf stellt, sondern auch sein Herz öffnet ...

Meinung:

Mit "Mehr als ein Sommer" wird in Deutschland das erste Buch der Kanadierin Ann Eriksson veröffentlicht. Der Roman wurde von Diana Beate Hellmann übersetzt, die in Deutschland unter anderem durch ihr eigenes Werk "Zwei Frauen" bekannt geworden ist. Bevor der Leser überhaupt die Bekanntschaft des Protagonisten Trevor machen kann, unternimmt die Autorin zunächst im Prolog einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit. Dort bringt ein junges Mädchen namens Angela einen verletzten Kojotenwelpen mit nach Hause.

In dem folgenden Kapitel lernt der Leser dann die 79-jährige Kanadierin Constance Ebenezer kennen, die in Frankfurt am Main auf ihren Flug nach Afrika wartet. Ihr Gepäck steht so unglücklich, dass der gestresste Vertreter Trevor darüber stolpert und zu Fall kommt. Er wird auch sofort von der skurrilen Constance in Beschlag genommen. So vertraut sie ihm zum Beispiel ungefragt an, dass sie mit der Asche ihrer drei verstorbenen Männer um die Welt reist, um für jeden die perfekte Grabstätte zu finden.

Obwohl Trevor nur seine Ruhe - besonders vor Constance - haben will, vertieft sich ihre Bekanntschaft durch den gemeinsamen Aufenthalt in Kairo und den Weiterflug nach Nairobi. Er erzählt ihr sogar von seiner Freundin, der Rechtsanwältin Angela. Der Leser erfährt jedoch schon bald, dass dies keine feste Beziehung im herkömmlichen Sinne ist. Der einzelgängerische Trevor, der seine Eltern in jungen Jahren verloren hat und bei Verwandten auf einer Farm aufgewachsen ist, lässt Menschen nicht sehr nahe an sich heran. So basiert auch seine Beziehung zu Angela darauf, emotionale Distanz zu wahren. Und auch seine Freundin kann offenbar mit dieser freien, eigentlich nur auf Sex beruhenden Partnerschaft gut leben.

Constance jedoch hat etwas in Trevor zum Klingen gebracht, das von ihm lange verschlossen gehalten wurde. Die gemeinsam verbrachte Zeit in Kairo, ihre Erzählungen über ihre drei Männer und ihr Vertrauen in ihn und die anderen Menschen bringen Trevor dazu, sich mit seiner Vergangenheit und seinem Leben auseinanderzusetzen. Und das schließt auch seine Beziehung zu Angela mit ein, die auf diese Veränderungen mit Rückzug auf die Farm ihrer Eltern reagiert.

Der Roman ist ohne Frage unterhaltsam geschrieben. Constance Ebenezer ist in ihrer Skurrilität und Offenheit ein wunderbarer Charakter und bildet einen starken Gegenpol zu dem widerwilligen, in sich gekehrten Protagonisten. Die Lebensgeschichten dieser beiden Figuren wurden von Ann Eriksson gut herausgearbeitet: So widmet die Autorin Constance zu Beginn des Romans sehr viel Zeit. In einzelnen Kapiteln werden Wahrnehmungen aus Constances Sicht geschildert und sie erzählt Trevor während ihrer gemeinsamen Zeit von ihren Männern. Und auch später wird diese Romanfigur nicht vergessen, sei es durch Briefzitate oder den Besuch von Constances Tochter.

Auch Trevor kommt in der ersten Hälfte des Buches immer wieder zu Wort und der Leser lernt seine Gedanken, Empfindungen und Träume kennen. Dass er der eigentliche Protagonist dieser Geschichte ist, wird jedoch erst ab der Mitte des Romans deutlich, wenn sich seine und Constances Wege trennen.

In der zweiten Hälfte von "Mehr als ein Sommer" beschäftigt sich Ann Eriksson nämlich mit Trevor und seinem Leben daheim in Kanada, seiner Beziehung zu Angela und der Bewältigung seiner Vergangenheit. Dabei zeichnet die Autorin sehr liebevoll die Nebenfiguren, besonders Angelas Familie mit ihrem Leben auf der Farm und ihren Eigenarten. Leider gelingt Eriksson Angelas Charakterisierung nicht so gut, da der Leser sie nur über Trevors Wahrnehmung kennenlernt. Im Gegensatz zu der Figur der Constance wird nichts aus ihrer Perspektive geschildert. Und so fragt man sich zum Beispiel, aus welchen Gründen Angela ihre Meinung über die Beziehung zu Trevor ändert und ihn auf die Farm einlädt.

Dabei hätte der Autorin durchaus Raum und Zeit für Angelas Charakterentwicklung zur Verfügung gestanden. Sie hätte zum Beispiel auf die wiederkehrenden Schilderungen aus Sicht des Kojoten verzichten können. Das gilt auch für den Fall, dass Eriksson hierdurch Trevors innere Suche und Entwicklung weiter symbolisch vertiefen wollte. Für diese Absicht spricht übrigens auch der Originaltitel "In the Hands of Anubis", der es leider nicht auf das deutsche Cover des Romans geschafft hat.

Anubis, der ägyptische Totengott, trägt den Kopf eines Schakals - und Schakale wie auch Kojoten zählen zu den Hundeartigen, die in der Mythologie als Seelenführer gelten. Zusätzlich zu Constance als ganz reale Seelenführerin hätte der symbolischen Bogen auch nur durch die Prologszene mit dem Kojotenwelpen, die Statue des Anubis im Kairoer Museum sowie Trevors Begegnung mit dem Kojoten in der kanadischen Prärie gespannt werden können. Stattdessen räumt die Autorin der Symbolik mehr Raum ein als Angelas Innenleben, was den positiven Gesamteindruck des Romans mindert.

Fazit:

"Mehr als ein Sommer" erzählt, wie der auf emotionale Distanz und Sicherheit bedachte Trevor wieder zu leben lernt, wobei ihm als Führerin die skurrile 79-Jährige Constance zur Seite steht. Ann Erikssons Roman bezaubert besonders durch das Aufeinandertreffen dieser beiden gegensätzlichen Charaktere und ihre gemeinsamen Erlebnisse. Und obwohl man sich eine ausgewogenere Komposition der Charaktere wünscht, ist "Mehr als ein Sommer" ein unterhaltsamer und kurzweiliger Roman.
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