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Die namenlosen Töchter  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 24. Oktober 2009

Die namenlosen Töchter

Originaltitel: Miss Chopsticks
Übersetzt von: Michaela Grabinger

Verlag: Knaur
Erschienen: Oktober 2009
ISBN: 978-3-426-63838-5
Preis: 8,95 EUR

336 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
8.0
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Zum Inhalt:

Sechs Mädchen und kein einziger Sohn - Li, der unglückliche Vater, schämt sich vor der Dorfgemeinschaft. So sehr, dass er ihnen nicht einmal Namen gibt und sie einfach durchnummeriert. Doch Sanniu, das "Dritte Mädchen", will beweisen, dass sie mehr wert ist, und flieht in die Stadt.

Meinung:

Die Romanidee zu "Die namenlosen Töchter" entstand zu der Zeit, als Xinran noch als Journalistin in China tätig war. Das Schicksal der Mädchen vom Land, die entweder in ihrer althergebrachten Lebensweise verharrten oder versuchten, in der für sie unvertrauten und oft überfordernden großen Stadt Fuß zu fassen, rührte die Chinesin. So fasste sie den Entschluss, über junge Wanderarbeiterinnen zu schreiben und anhand von drei realen Schicksalen eine Geschichte zu spinnen, die einigen dieser unzähligen Mädchen ein Gesicht verleiht.

Drei wurde als dritte Tochter eines Mannes geboren, dessen Fluch es war, keine Söhne zeugen zu können. Kurz bevor das Mädchen mit einem ihm fremden Mann verheiratet werden soll, verhilft ihm sein Onkel zur Flucht in die Stadt Nanjing und stellt es Leuten vor, die ihm helfen, einen Arbeitsplatz zu finden. Diese Beziehungen zu den älteren Bewohnern der Stadt, die sich regelmäßig unter der großen Weide treffen, helfen Drei auch zukünftig über so manche Schwierigkeit in ihrem neuen Leben hinweg.

So kommt es, dass das Mädchen einen Arbeitsplatz in einem kleinen Restaurant findet und nach einiger Zeit sogar in der Lage ist, seine beiden Schwestern Fünf und Sechs in die Stadt nachkommen zu lassen. Mit rührender Naivität entdecken die drei jungen Frauen die große Stadt und das Leben im modernen China. So unterschiedlich die drei sind, so verschieden entwickelt sich auch ihr Leben. Auf diese Weise ermöglicht es Xinran dem Leser, die verschiedenen Bereiche und Entwicklungen dieses Landes mitzuerleben. Hintergrundwissen über die chinesische Vergangenheit braucht man als Leser nicht, um die Situation im Land einschätzen zu können, da es der Autorin gelingt, die nötigen Informationen geschickt in die Geschichte einfließen zu lassen.

Doch selbst wenn die Geschichte von Drei, Fünf und Sechs zum Großteil eine Erfolgsgeschichte für diese drei jungen Frauen ist, so zeigt Xinran doch auch, dass es ihnen nicht gelungen ist, etwas an der Gesamtsituation der Mädchen auf dem Land zu ändern. Solange sie genügend Geld mit nach Hause bringen, um der Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, wird die Emanzipation dieser Frauen in ihrem Dorf geduldet - doch wirkliche Anerkennung bekommt keine von ihnen in ihrem ländlichen Umfeld. Nur in der Stadt - vor allem bei den Kollegen und Freunden -, wo die wirtschaftliche Entwicklung das traditionelle Ansehen der Frau verändert hat, werden diese Frauen wirklich als Persönlichkeiten mit eigenen Fähigkeiten und Träumen wahrgenommen.

Xinran zeigt in ihrem Roman die wirklich extremen Schicksale nicht direkt, sondern lässt den Leser nur über die Erinnerungen anderer an der Armut, dem Hunger und den Folgen der Kulturrevolution teilhaben. Obwohl die drei Schwestern ein hartes Leben hatten und die zweitälteste Tochter der Familie lieber Selbstmord beging, als sich verheiraten zu lassen, meidet die Autorin eine direkte Beschreibung. Das macht diesen Roman leichter und zügiger lesbar als vergleichbare Bücher wie zum Beispiel "Feder im Sturm" von Emily Wu. Doch auch wenn man bei der Lektüre weniger persönlich betroffen ist, berührt das Schicksal dieser Frauen den Leser und lässt ihn so schnell nicht wieder los.

Fazit:

Mehr als einen kleinen Einblick in die chinesische Kultur und das Schicksal der Wanderarbeiter in China kann Xinran dem westlichen Leser mit ihrem Buch "Die namenlosen Töchter" nicht vermitteln. Diese Informationen verpackt die Autorin aber in ihrem Roman so gut, dass die Neugier auf dieses Land geweckt wird. Doch vor allem berühren einen die Schicksale der zahlreichen Mädchen, die, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ihr Elternhaus verlassen und versuchen, einen Weg zwischen der traditionellen und der modernen Lebensweise zu finden.
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