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Die Expedition  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Jana Witte   
Sonntag, 9. Januar 2011

Die Expedition

Untergenre: Historischer Roman
Verlag: Droemer
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-3-426-19802-5
Preis: 18,00 EUR

304 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Was keinem Mann bisher gelang, wagen im Jahr 1903 fünf höchst unterschiedliche Frauen: eine Alpenüberquerung im Winter mit Schlittenhunden. Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass das Abenteuer nicht nur erfolgreich sein, sondern auch ihr Leben verändern wird. Doch die Expedition wird zu einem Kampf gegen die inneren Abgründe und die Unbilden der Natur, ein Kampf auf Leben und Tod.

Meinung:

"Die Expedition" ist der dritte Roman der Deutschen Monika Bittl, die sich auch als Journalistin und Drehbuchautorin einen Namen gemacht hat. Die Geschichte beruht nach den Erklärungen der Autorin auf einer wahren Begebenheit. Die Handlung führt den Leser nach München in das Jahr 1903 und in das Leben von fünf unterschiedlichen Frauen.

Da ist zum einen die freigeistige Henny, die in Künstlerkreisen verkehrt, Nietzsche liest und ihren eigenen kreativen Stil sucht. Skandalöserweise lebt sie allein mit einer unehelichen Tochter. Die Gräfin Adele ist mit ihrem Ehemann in einer freundschaftlichen Zweckehe verbunden. Über die Beziehungen ihres Gatten hat sie eine der seltenen Ausnahmegenehmigungen für das Studium an der Universität erhalten und will nun promovieren. Dennoch ist Adele labil und verunsichert. Sie hat Visionen und leidet zudem unter den Angriffen der männlichen Gelehrten.

Auch Ludmilla führt im Schatten eines Mannes ihr Leben, welches sie mit Alkohol erträglicher gestaltet. Obwohl im elterlichen Geschäft ausgebildet, wird ihr vom Ehemann keine Mithilfe im Sportladen gestattet. In Ludmillas Haushalt arbeitet Rosa, eine junge katholische Frau aus den Bergen. Sie lässt sich mit einem verheirateten Mann ein - und muss sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Und dann erscheint in München die Engländerin Emily Dickens, die in ihrer Heimat Medizin studiert hat und ein Geheimnis hütet.

Die Leben dieser fünf Frauen sind auf unterschiedliche Weise miteinander verknüpft. So trifft Henny zum Beispiel während eines Spazierganges auf Adele und Rosa ist mit Adeles Hausmädchen bekannt. Jede dieser Frauen ist auf der Suche nach etwas - und so reißt Ludmillas Idee einer weiblichen Alpenüberquerung jede von ihnen mit.

Auch als Leser verfolgt man interessiert, welches Leben die fünf Frauen führen, auf welche Weise ihre Geschicke miteinander verbunden sind und wie sie in das Abenteuer starten. Monika Bittl hat dabei jeder ihrer Protagonistinnen eine individuelle Stimme verliehen. Zum Beispiel lässt die Autorin Rosa aus der Ich-Perspektive im bayerischen Dialekt erzählen, während sie für die Gräfin Adele die indirekte Rede mit durchschimmernder Arroganz wählt. So fällt es dem Leser nicht schwer, sich die füllige Ludmilla oder die distanzierte Adele vorzustellen.

Den ganzen Roman hindurch erzählt Monika Bittl aus den wechselnden Perspektiven der fünf Frauen. Immer wieder muss sich der Leser auf eine neue Sichtweise und eine neue Stimme einstellen. Hierdurch entsteht durchaus eine gewisse Unruhe im Text, die allerdings den Lesefluss nicht wirklich stört. Die Verbindung von Perspektivwechsel und individueller Sprache führt vielmehr zu einem Wiedererkennen jeder Protagonistin und reizt zum Weiterlesen.

Dabei lässt sich die Autorin Zeit, die einzelnen Charaktere vorzustellen und zusammenzuführen. Erst im letzten Drittel beginnt die titelgebende Expedition und mit ihr der eigentliche Spannungsbogen. Dass Monika Bittl den Leser bis zu diesem Zeitpunkt nicht verliert, liegt nicht nur an dem gewählten Erzählstil. Die Charaktere werden von der Autorin auch in ein spürbar gut recherchiertes Umfeld eingebettet. Obwohl Monika Bittl den kulturellen Aufschwung im München um 1900 und die Frauenbewegung in dem Roman nur anreißen kann, nimmt man diese Ereignisse wahr: Henny experimentiert mit der Fotografie. Adele hat studiert. Frauen gehen zu Sportveranstaltungen etc. All diese kleinen Details machen die Charaktere und deren Geschichte glaubhaft und lebendig.

Fazit:

"Die Expedition" von Monika Bittl erzählt nicht nur von dem Versuch einer winterlichen Alpenüberquerung im Jahre 1903. Die Autorin wirft zudem auch noch einen Blick auf die Stellung der Frau verschiedener Gesellschaftsschichten, ohne dabei belehrend zu wirken. Zwar sind die wiederkehrenden Wechsel in der Perspektive und dem Sprachstil zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch gelingt es Monika Bittl, auch wegen der gewählten Form, das Interesse des Lesers zu wecken und ihn mit der reizvoll erzählten Geschichte über das Leben dieser fünf so unterschiedliche Frauen zu fesseln.
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