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Die dreizehnte Geschichte  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 20. März 2008

Die dreizehnte Geschichte

Originaltitel: The Thirteenth Tale
Übersetzt von: Anke und Eberhard Kreutzer

Verlag: Blessing
Erschienen: Februar 2007
ISBN: 978-3-89667-328-9
Preis: 19,95 EUR

528 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.8

Wertung:
9.8
von 10
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Zum Inhalt:

Überraschend erhält die unbekannte Buchhändlerin und Hobbybiografin Margaret Lea den Auftrag, die Biografie der beliebtesten und erfolgreichsten Schriftstellerin Englands zu schreiben. Vida Winter hat ihr Leben lang Stillschweigen über persönliche Dinge bewahrt. Kein Mensch weiß etwas über ihre Vergangenheit und in Interviews hat sie jahrelang immer neue erfundene Geschichten über sich und ihre Familie erzählt. Doch nun beschließt die Autorin, dass es an der Zeit sei, ihre Geschichte - sowie die ihrer Familie - zu erzählen und enthüllt der jungen Biografin Unglaubliches.

Meinung:

Mit "Die dreizehnte Geschichte" hat Diane Setterfield nicht nur einen beeindruckenden Erstlingsroman geschrieben, sondern auch eine wundervolle Hommage an die Klassiker des 19. Jahrhunderts geschaffen, wie zum Beispiel "Jane Eyre" oder "Sturmhöhe", die die Fantasien unzähliger junger Frauen über die Jahrhunderte hinweg beflügelt haben. Doch trotz der Anlehnung an diese Klassiker, wirkt "Die dreizehnte Geschichte" in keiner Weise verstaubt oder altbacken. Der Kontrast zwischen den beiden Hauptpersonen und die schöne und frische Erzählweise bringen auf eine spannende Art eine Schicht der Erzählung nach der anderen zum Vorschein.

Nach einem etwas langsam in Fahrt kommenden Anfang entwickelt sich mit der Erzählung der Autorin Vida Winter über ihr Leben eine spannende und unheimliche Familiengeschichte mehrerer Generationen. Denn das Leben der Schriftstellerin kann nicht wiedergegeben werden, ohne dass die Geschichte bei ihren Großeltern beginnt, deren seltsame Liebe den Grundstein legte für die Erlebnisse und das Elend der nachfolgenden Generationen der Familie Angelfield und für die Geschehnisse rund um die Zwillinge Adeline und Emmeline.

Gerade die Gegensätze zwischen Margaret Lea und Vida Winter machen das Buch zu einem ganz besonderen Erlebnis. Auf der einen Seite ist da die junge Biografin, die mit wissenschaftlicher Neugier an ihre Aufgabe herangeht und jeden Teil der Erzählung mit Fakten und Informationen aus Archiven und Kirchenregistern belegen muss, bevor sie sie wirklich glauben kann. Margarets privates Leben ist bestimmt von einer Mutter, zu der sie keinen Kontakt findet, und von ihrem liebevollen Vater, in dessen Antiquariat sie eine befriedigende Arbeit, die unendliche Liebe zu Büchern sowie Schutz vor dem Leben außerhalb ihrer kleinen Welt gefunden hat.

Auf der anderen Seite ist da Vida Winter, die so lange schon Lügengeschichten um ihr Leben gesponnen hat, dass die Wahrheit nur sehr mühsam von ihr freigelegt werden kann. Denn die Wahrheit ist schmerzhaft und berichtet von unnatürlicher Liebe, Wahnsinn, Misshandlungen, Aufopferungsbereitschaft und Tod. Mit feinen, wohl gesetzten Worten entsteht vor den Augen des Lesers eine Familiengeschichte dreier Generationen, die einen in ihren Bann zieht und am Ende mitfiebern lässt, ob man mit seiner eigenen Vermutung dem Geheimnis auf die Spur gekommen ist.

Die gegensätzlichen Erzählebenen, in denen Margarets und Vidas Teile der Geschichte dargelegt werden, hätten dafür sorgen können, dass für den Leser die Spannung verloren geht, doch das Gegenteil ist der Fall. Diane Setterfield schafft es meisterhaft, gerade durch die zeitlichen und emotionalen Einschnitte, die Margarets Erlebnisse mit sich bringen, die Geschichte noch weiter voran zu treiben. Vidas Erzählung scheint einfach zu unglaublich zu sein, bis die Recherchen ihrer Biografin die Fakten hervorbringen, die die Geschichte belegen. Durch diesen Anschein von Realismus wird die Stimmung des Buches noch vertieft und man fiebert dem nächsten Tag entgegen, an dem Vida Margaret ihre Geschichte erzählt.

Auch wenn in diesem Buch viel von unnatürlichen Neigungen, Gewalt und Tod die Rede ist, so ist es doch kein brutales Buch. Der zeitliche Abstand zwischen den Ereignissen, von denen berichtet wird, sowie die leise und sensible Erzählweise machen diesen Roman zu einem verzaubernden Erlebnis. Besonders positiv fallen der ganz eigene Erzählstil der Autorin und die atmosphärische Dichte ins Auge, die dafür sorgen, dass der Leser über diesem Buch alles andere vergessen kann, während unverhoffte Wendungen die Spannung bis zuletzt erhalten.

Trotz aller Begeisterung, die der Roman "Die dreizehnte Geschichte" hervorruft, sollte auch kritisiert werden, dass die Autorin doch manches Mal sehr passende Zufälle zum Einsatz bringt, um die Geschichte voran zu bringen. Allein die Tatsache, dass sowohl Margarets Leben als auch das der Autorin Vida Winter von ihrem Dasein als Teil eines Zwillingspaares bestimmt werden, ist schon eine nicht unbedingt glaubwürdige Basis für den Roman und auch das Auftauchen der Figur des Aurelius kommt ein bisschen zu gelegen. Und doch verzeiht man solche Stilmittel gerne, wenn daraus ein bis zur letzten Seite so spannender und unterhaltsamer Roman geschaffen wird.

Fazit:

Mit "Die dreizehnte Geschichte" von Diane Setterfield bekommt der Leser einen wirklich einzigartigen Roman vorgelegt. Aus einer Hommage an die viktorianischen Klassiker hat die Autorin eine spannende Geschichte mit faszinierenden Charakteren und vielen unverhofften Wendungen geschaffen, die den Leser bis zur letzten Seite in ihren Bann ziehen und hervorragend unterhalten wird. Ein so gelungener Debütroman macht Hoffnung auf weitere fesselnde Werke der Autorin.

 
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