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B.U.A.P. 6: Garten der Seelen  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 26. Juli 2009

B.U.A.P. 6: Garten der Seelen

Zeichner: Guy Davis

Originaltitel: B.P.R.D.: Garden of Souls
Übersetzt von: Frank Neubauer

Reihe: B.U.A.P.
6. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-936480-85-6
Preis: 19,80 EUR

152 Seiten
Inhalt
10.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.4

Wertung:
9.4
von 10
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Zum Inhalt:

Ein anonymer Hinweis führt den B.U.A.P.-Agenten Abe Sapien in den Dschungel von Indonesien und in die Hände eines geheimen Ordens mit Verbindungen zu Abes vergangenem Leben zu Zeiten des Amerikanischen Bürgerkriegs. Unterdessen muss Captain Daimio mit den Dämonen aus seiner eigenen Vergangenheit ringen, Liz' apokalyptische Visionen haben begonnen zu eskalieren, und Johann fördert bei seinen Nachforschungen in den chaotischen Kellergewölben des neuen B.U.A.P.-Hauptquartiers ein dunkles Geheimnis über ein Mitglied der Behörde zu Tage.

Meinung:

In den vergangenen "B.U.A.P."-Bänden gewann Abe Sapien nach vielen Jahren der Unwissenheit erste Einzelheiten darüber, wie er zum Fischmenschen wurde - und wer er vor dieser Transformation war: Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts gehörte er offenbar als Langdon Everett Caul einem okkulten Geheimbund an, dessen Mitglieder sich mit morbider Neugier den damals üblichen Unterhaltungsthemen für distinguierte Gentlemen wie etwa dem "Mumien-Auswickeln" widmeten. Während Abe damit beschäftigt ist, diese Erkenntnisse mit seinem gegenwärtigen Selbst in Einklang zu bringen, zieht er sich immer stärker vom normalen B.U.A.P.-Dienst und auch von seinen Freunden und Kollegen zurück. Stattdessen versucht er, sich mehr wie sein früheres Ich zu verhalten - oder zumindest so, wie er sich Cauls Charakter vorstellt, denn eigentlich hat er immer noch keinerlei eigene Erinnerungen an sein anderes Leben vor fast 150 Jahren.

Als ein unbekannter Absender ihm eine Zigarrendose mit Cauls Initialen sowie eine Landkarte, die auf Indonesien verweist, zuschickt, bricht Abe unverzüglich nach Südostasien auf. Begleitet wird er dabei vom bärbeißigen B.U.A.P.-Einsatzleiter Benjamin Daimio, der allerdings ebenfalls nicht in die Geheimnisse des Fischmenschen eingeweiht ist. Vor Ort setzt Abe sich dann aber plötzlich mit unbekanntem Ziel ab und Captain Daimio ist auf die Hilfe eines mysteriösen kleinen Mädchens angewiesen, um mehr über den Verbleib seines Agenten zu erfahren und eine Katastrophe von unschätzbarem Ausmaß abzuwenden ...

Nach den Andeutungen bezüglich der lange Zeit völlig im Dunkeln belassenen Herkunft Abe Sapiens in den vergangenen Bänden konnte man als Leser bereits ungefähr erahnen, in welcher Weise die Entstehungsgeschichte des Fischmenschen sich entfalten würde - zumindest glaubte man das vielleicht. Doch "Garten der Seelen" bietet in dieser Hinsicht noch so manche große Überraschung, denn die Autoren Mignola und Arcudi - und nicht zuletzt auch die bildliche Ausgestaltung von Guy Davis - stoßen in diesem Band einmal mehr ein Tor auf, das in eine völlig unerwartete Richtung führt. Dabei werden meisterlich verschiedenste Elemente, die von märchenhaften Naturidyllen über eine Organisation verblendeter "Weltverbesserer" und untote, aber erstaunlich schalkhafte Damen bis hin zu grotesken Chimären reichen, zu einem faszinierenden Gesamtbild verflochten, das eine einzigartige Atmosphäre erschafft.

Besonders der Einfallsreichtum in den Zeichnungen von Guy Davis verblüfft hier einmal mehr den Betrachter. Seien es viktorianisch wirkende mechanische Konstrukte oder üppige Gartenlandschaften: Mit seinem lebhaften und detailreichen, aber nie überfrachteten Stil setzt der Künstler alle Aspekte gleichermaßen gekonnt um und erzeugt stets die richtige Stimmung, um den Leser vollkommen in die gezeigte Welt eintauchen zu lassen. Natürlich tragen wieder einmal auch die superben Farben von Dave Stewart viel zum plastischen Eindruck der Bilder bei. In einer umfangreichen Skizzen-Sektion am Ende des Bandes lässt sich zudem die Entstehung vieler Designs aus diesem Band nachvollziehen.

In "Garten der Seelen" stehen ganz eindeutig Abe Sapien und - allerdings klar an zweiter Stelle - Benjamin Daimio im Mittelpunkt. Die übrigen Agenten treten nur in vereinzelten, kurzen Szenen auf. Das ist jedoch völlig in Ordnung so, damit der Entfaltung von Abes Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart der nötige Raum zukommt. Denn alles andere würde nur von den Geschehnissen ablenken, die den blaugrünen Agenten auf drastische Weise mit seiner eigenen Entstehung konfrontieren. Und wenn man bedenkt, dass Mike Mignola diese Geschichte noch nicht einmal ansatzweise im Kopf hatte, als er vor vielen Jahren einen Zettel mit der Aufschrift "Icthyo sapien, April 14 1865" an den Glaszylinder klebte, in dem Abe gefunden wurde, ist es umso beeindruckender, wie nahtlos sich die Handlung in die übrigen Geschehnisse um die Agenten der B.U.A.P. einfügt.

Fazit:

Auch der sechste Band der "B.U.A.P."-Reihe begeistert den Leser mit dem rasanten Voranschreiten der Handlung und seinen vielschichtig ausgebauten Charakteren. "Garten der Seelen" konzentriert sich dabei vor allem auf Abe Sapien und liefert dem Leser endlich die längst überfälligen Einblicke in die Vergangenheit des Fischmenschen. Die Enthüllungen, die dieser Band bereithält, dürften selbst langjährige Leser dieser Reihe überraschen und faszinieren. Einen beträchtlichen Teil ihrer Wirkung bezieht die Geschichte dabei auch einmal mehr aus den großartigen Zeichnungen von Guy Davis, dessen Gespür für die Gratwanderung zwischen traumhaft schönen und gruselig-grotesken Darstellungen nur von wenigen anderen Künstlern erreicht wird.
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