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Northlanders 2: Hammer + Kreuz  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Donnerstag, 26. August 2010

Northlanders 2: Hammer + Kreuz

Autor: Brian Wood
Zeichner: Ryan Kelly

Originaltitel: Northlanders 2: The Cross and the Hammer
Übersetzt von: Bernd Kronsbein

Reihe: Northlanders
2. Band der Reihe

Verlag: Vertigo
Format: Softcover
Erschienen: Februar 2010
ISBN: 978-3-86607-928-1
Preis: 16,95 EUR

144 Seiten
Inhalt
3.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
5.5

Wertung:
5.5
von 10
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Zum Inhalt:

Clontarf, Irland, im Jahre 1014: Die Insel wurde von den Wikingern erobert, aber ein Mann weigert sich, die Eroberer anzuerkennen. Dieser Nomade, den man Magnus nennt, ist eine Ein-Mann-Armee. Das Einzige, was ihm wichtiger ist, als das Blut seiner Feinde zu vergießen, ist das Leben seiner Tochter Brigid. Doch der Krieger hat einen hartnäckigen Verfolger: Lord Ragnar Ragnarsson, ein Vertrauter des Königs, folgt der blutigen Spur durchs ganze Land. Und um den Killer zu fassen, will er dessen Blutdurst sogar noch anstacheln.

Meinung:

In der Serie "Northlanders" erzählt Autor Brian Wood (bekannt u. a. durch "DMZ") voneinander unabhängige Geschichten, die den Alltag nordeuropäischer Völker um die erste Jahrtausendwende beleuchten sollen. Daher ist es für die Lektüre von "Hammer + Kreuz", dem zweiten Band der Reihe, nicht erforderlich, bereits die erste, sehr gelungene Geschichte um "Sven, den Verräter" gelesen zu haben. Doch die beiden Episoden unterscheiden sich nicht nur in Personal und Setting grundlegend voneinander, sondern leider auch in der Qualität.

"Hammer + Kreuz" spielt im Jahre 1014. Irland wurde von den Wikingern erobert und die keltische Bevölkerung hat sich den Usurpatoren weitgehend gefügt. Nur ein Ire namens Magnus widersetzt sich der Besatzungsmacht und schlachtet offenbar gezielt die nordische Zivilbevölkerung ab, die sich mittlerweile auf der grünen Insel niedergelassen hat. Um den brutalen Morden ein Ende zu bereiten, hat der neue König des Landes seinen Vertrauten Ragnar Ragnarsson mit den Ermittlungsarbeiten beauftragt.

Der Begriff "Ermittlungsarbeiten" mag in diesem frühmittelalterlichen Kontext unangebracht wirken, jedoch präsentiert Brian Wood Ragnar in der Tat als eine Art CSI-Ermittler, der am Tatort akribische Spurensuche betreibt und daraus erstaunlich präzise Rückschlüsse auf den Tathergang und die Persönlichkeit des Täters erhält. Dieser Anachronismus gipfelt gar in einem Brief an den König, der ihm - quasi wie eine angeforderte "Laboranalyse" - schlussendlich geradezu lachhaft umfangreiches Wissen über Magnus beschert.

Der einzelgängerische Freiheitskämpfer Magnus hingegen erscheint über weite Strecken als eindimensionaler Über-Krieger, der noch in verletztem Zustand ganze Gegnerscharen auszulöschen vermag. Hinzu kommt, dass man als Leser schon recht früh ahnt, worauf die Geschichte hinausläuft, da das Weltbild des selbsternannten Rebellen in erster Linie auf einer großen Illusion basiert. Somit kann für den anfangs als Helden des Befreiungskampfes präsentierten Kelten beim Leser keine Sympathie aufkommen, während sich aus einigen Randbemerkungen immerhin erahnen lässt, dass sein Gegenspieler Ragnar als Figur einen halbwegs interessanten Hintergrund zu haben scheint. Diese positiven Ansätze werden jedoch vom Autor leider nicht weiter ausgebaut.

Stattdessen wird die gesamte Geschichte durch ausgiebige und recht brutal inszenierte Schlachtszenen gestreckt. In komprimierter Form hätte man die gesamte Handlung sicher auf der Hälfte der Seitenzahl unterbringen können. Doch die von Magnus verübten Gewalttaten sowie die Gegenangriffe der Wikinger auf Kelten, mit denen der Mörder zu weiteren Übergriffen provoziert werden soll, nehmen unnötig viel Raum ein. Schon der erste "Northlanders"-Band war in Sachen Gewalt nicht gerade zurückhaltend. Dort fügten diese Szenen sich jedoch harmonisch in die Handlung ein, während sie in "Hammer + Kreuz" zum reinen Selbstzweck zu verkommen scheinen.

Immerhin wissen die Zeichnungen von Ryan Kelly ("Lucifer") einigermaßen zu gefallen. Gerade die Gesichter der männlichen Protagonisten stellt er ausgesprochen detailreich, ausdrucksstark und angenehm individuell dar. Auch die irische Landschaft, die er oft in seitenfüllenden Motiven abbilden darf, gerät ihm sehr überzeugend. Die Farben von Dave McCaig wirken mitunter etwas blass, bereichern die Bilder allerdings auch auf subtile Weise um interessante Texturen. Die eklatanten Mängel in Sachen Handlung und Glaubwürdigkeit kann die ansprechende Optik allerdings insgesamt nicht ausgleichen.

Fazit:

Eine gewisse Enttäuschung lässt sich nicht leugnen: Nachdem Brian Wood im ersten "Northlanders"-Band ein erfreulich vielschichtiges Bild vom Leben nordeuropäischer Völker um das Jahr 1000 herum entwarf, bietet "Hammer + Kreuz" kaum mehr als ein oberflächliches Gemetzel, das schlussendlich auf ein kaum überraschendes Finale hinausläuft. Obendrein bleiben die Protagonisten weitgehend uninteressant und agieren unter historischen Gesichtspunkten wenig glaubwürdig. Einzig die detailreichen Zeichnungen von Ryan Wood bieten dem Betrachter ansatzweise eine Entschädigung für das dünne Handlungsgerüst, doch die Bilder allein können diese ausgesprochen banale Comic-Geschichte auch nicht mehr retten. Es bleibt zu hoffen, dass der Autor im dritten Band der Reihe, der mehrere Kurzgeschichten in sich vereint, wieder zu seiner gewohnten Form zurückfindet.
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