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The Umbrella Academy 1: Weltuntergangs-Suite  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 10. Mai 2009

The Umbrella Academy 1: Weltuntergangs-Suite

Autor: Gerard Way
Zeichner: Gabriel Bá

Originaltitel: The Umbrella Academy: Apocalypse Suite
Übersetzt von: Matthias Wieland

1. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-941248-16-8
Preis: 19,80 EUR

160 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.6

Wertung:
8.6
von 10
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Zum Inhalt:

Die Umbrella Academy ist eine Familie aus sieben Superhelden der etwas anderen Art, allesamt im Kindsalter von einem reichen Gönner adoptiert und zu einem schlagkräftigen und noch nie gesehenen Superhelden-Team ausgebildet. Jahre später sind die Mitglieder der Umbrella Academy, von Spaceboy alias 00.01 bis zu der Violinistin Vanya aka 00.07, zerstritten und in alle Winde verstreut - bis sie der Tod ihres Ziehvaters und eine globale Bedrohung wieder vereint.

Meinung:

Wenn Musiker der Meinung sind, auch einmal einen Comic abliefern zu müssen, ist oftmals Skepsis angeraten - zu oft überschätzen die Künstler ihre Fähigkeiten, zu oft haben sie einfach nichts zu erzählen, was über ausgetretene Helden-Klischees hinausgeht, und zu oft glauben sie, allein ihr bekannter Name werde schon für ausreichende Verkaufszahlen sorgen. Es liegt nahe, auch "The Umbrella Academy" bereits im Vorfeld zu verurteilen, denn Autor Gerard Way ist Sänger der erfolgreichen Alternative-Rock-Band My Chemical Romance. Doch Ways Interesse für Comics kommt nicht völlig aus heiterem Himmel: Er kann immerhin auch auf eine Ausbildung an der School of Visual Arts in New York verweisen.

Und in der Tat, bei der Lektüre von "The Umbrella Academy" würde man kaum vermuten, dass der Autor im Hauptberuf nicht Comictexter, sondern eigentlich Sänger einer Emo-Band ist, denn die Geschichte wird gleichermaßen routiniert und erfrischend erzählt: Es geht um eine Art Superhelden-Team, dessen sieben Mitglieder schon im Säuglingsalter von dem außerirdischen Allround-Genie Sir Reginald Hargreeves adoptiert wurden. Als - reichlich dysfunktionale - Familie von Überwesen erzieht Hargreeves die Schüler der Umbrella Academy zu Beschützern der Welt.

Doch da das stets groß angekündigte Unglück ausbleibt, zu dessen Bekämpfung die Truppe eigentlich gegründet wurde, verliert die Öffentlichkeit bald das Interesse an den Taten der begabten Kinder. Als die selbst ernannten Retter der Welt dann schließlich erwachsen werden, werden auch die Differenzen zwischen ihnen größer, und so bricht das Team irgendwann auseinander. Doch nun, Jahre später, treffen sich die zerstrittenen Helden wieder - bei der Beerdigung ihres Mentors Hargreeves. Die Zusammenkunft der noch lebenden Umbrella-Schüler weckt allerdings nicht nur den Rachewunsch alter Feinde. Denn eine noch viel größere Bedrohung erhebt sich und macht sich die Zwietracht unter den Helden zunutze, um die "Weltuntergangs-Suite" aufführen zu können.

Von einem zerstrittenen Heldenteam liest man gewiss nicht zum ersten Mal, doch Gerard Way hat es geschafft, eine Truppe zu gestalten, deren Mitglieder über ebenso interessante wie unverbrauchte Fähigkeiten verfügen. Darüber hinaus wurden die Figuren gelungen charakterisiert und erinnern nur selten an bereits bekannte Stereotype. Hinzu kommen viele verrückte Ideen für das Setting, das in der Summe dennoch verblüffend stimmig wirkt, und eine Handlung, die mit zahlreichen Zitaten aus allen Sparten der Popkultur gespickt wurde. So bietet die "Weltuntergangs-Suite" neben einem gelungenen Spannungsbogen auch genau die richtige Mischung aus Humor und bitterem Drama, die eine gute Geschichte ausmacht.

Der brasilianische Zeichner Gabriel Bá hat sich bei der Entwicklung seines Stils recht eindeutig von Mike Mignola beeinflussen lassen. Bás Illustrationen weisen eine vergleichbare Kantigkeit auf wie die Bilder des "Hellboy"-Schöpfers, und auch die Proportionen der Figuren sowie einige Bildelemente sind äußerst ähnlich. Für Eigenständigkeit sorgt jedoch, dass Gabriel Bás Zeichnungen wesentlich spontaner, mitunter beinahe schon gekritzelt, wirken - diese ungezügelte Wildheit, die man in ähnlicher Form auch bei einem Künstler wie Guy Davis findet, passt bestens zum überdrehten Rundumschlag, den die Story darstellt.

Für die Ausstattung des Bandes gebührt dem Verlag einmal mehr ein gesondertes Lob, denn er enthält neben informativen Vor- und Nachworten auch Skizzen und Charakterentwürfe von Gabriel Bá sowie von Gerard Way selbst, die belegen, dass der Musiker als Zeichner ebenfalls keineswegs unbegabt ist. Zusätzlich wurden in dem Band, der im Cross-Cult-Standardformat als solides, vollfarbiges A5-Hardcover erscheint, noch zwei Bonusgeschichten abgedruckt, die schon vor dem Start der Debütserie "Weltuntergangs-Suite" als Appetitanreger veröffentlicht wurden.

Fazit:

"The Umbrella Academy" kann mühelos mit vielen Veröffentlichungen mithalten, die von hauptberuflichen Comic-Autoren stammen. Das liegt nicht nur an den hervorragenden Zeichnungen von Gabriel Bá, die die Kantigkeit eines Mike Mignola mit dem lebhaften Charme eines Guy Davis kombinieren. Denn auch die Handlung hat viel zu bieten: Es gelingt ihr, Superhelden dezent zu parodieren und sie gleichzeitig sehr ernst zu nehmen, und zudem bietet sie eine unverbrauchte Kombination aus Humor und Ernsthaftigkeit, die den spannenden Verlauf nur umso fesselnder macht. Angesichts der Qualitäten der "Weltuntergangs-Suite" kann man sich nur wünschen, dass sich Autor Gerard Way in Zukunft neben seiner Musik-Karriere weiterhin auch den Comics widmen wird - und es scheint so, als würde sich dieser Wünsch tatsächlich erfüllen, denn in den USA ist gerade eine zweite "Umbrella Academy"-Miniserie mit dem Titel "Dallas" erschienen.

 
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