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Mouse Guard 1: Herbst 1152  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Comics: Amerika Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Mittwoch, 26. November 2008

Mouse Guard 1: Herbst 1152

Zeichner: David Petersen

Originaltitel: Mouse Guard: Fall 1152
Übersetzt von: Stefan Pannor

Reihe: Mouse Guard
1. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-936480-55-9
Preis: 24,90 EUR

192 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

"Mouse Guard: Herbst 1152" von Newcomer David Petersen entwirft das Bild von einem wundersamen Zwischenreich: die Geschichte einer Mäusezivilisation im Mittelalter. Versteckt agieren die Nager in dieser schweren Zeit, in der nicht nur Schlangen, Wölfe und Krabben schier gigantische Feinde sind, sondern auch machtgierige und intrigante Mäuse.

Meinung:

"Mouse Guard", David Petersens erste nennenswerte Comic-Arbeit, wurde in den USA zu einem echten Überraschungserfolg - es hätte wohl im Vorfeld niemand damit gerechnet, dass die Fantasy-Geschichte um eine Gruppe von Mäusen, die in einer mittelalterlichen Gesellschaft sowohl gegen Fressfeinde als auch gegen Verräter aus den eigenen Reihen bestehen muss, beim Publikum so gut ankommen würde. Der erste Zyklus dieser Saga, "Herbst 1152", liegt nun im Cross-Cult-Verlag auch auf deutsch vor, sodass sich hiesige Leser selbst davon überzeugen können, ob der Rummel um dieses angenehm unprätentiöse Werk gerechtfertigt ist.

Petersen entführt den Leser in eine überraschend glaubwürdige Welt: Zum Schutz vor Raubtieren haben die Mäuse sich in gut versteckte Siedlungen zwischen Baumwurzeln oder hinter Felsen zurückgezogen, die wie mittelalterliche Städte wirken. Wenn doch einmal eins der Pelztiere die Sicherheit einer dieser Enklaven verlassen muss, um eine andere Siedlung zu erreichen, bekommt es als Reisebegleitung eine oder mehrere speziell ausgebildete Wach-Mäuse an die Seite gestellt. Diese Wachen gehören einer zentral verwalteten Organisation an und können nicht nur besonders gut kämpfen, da sie in Kriegszeiten als Soldaten fungieren, sondern sind auch erfahrene Fährtenleser sowie Wetterdeuter und erfüllen zudem eine Art "Polizei"-Funktion im Mäusereich.

Im Zentrum des Bandes "Herbst 1152" stehen drei dieser Wachen: Der besonnene Kenzie leitet den Trupp, zu dem noch der raubeinige Saxon und der junge Heißsporn Lieam gehören. Nach einem Rettungseinsatz kommt das Trio einem Verräter auf die Spur und muss nun geheime Nachforschungen anstellen, um die Drahtzieher hinter der Verschwörung zu finden. Doch das Netzwerk der Schurken ist bereits ausgedehnter, als sie ahnen, und so geraten selbst diese gut trainierten Kämpfer bald in ernste Gefahr. Diese Geschichte mag vielleicht im Kern nicht besonders originell sein, aber durch die Verschiebung des Blickwinkels auf den Alltag der Mäuse gewinnt sie einen sehr eigentümlichen Reiz.

Abgesehen von der Anthropomorphisierung der Mäuse, die aufrecht gehen, Werkzeuge nutzen und sprechen, ist die gezeigte Welt dabei erstaunlich nah an der Realität realer Nagetiere: Fast das gesamte Leben wird von der Flucht vor Fleischfressern und dem Anlegen von Nahrungsvorräten für den Winter bestimmt, und auch das Größenverhältnis zu den anderen Tieren stimmt. Durch diese Aspekte heben sich die Abenteuer von Lieam, Kenzie und Saxon wohltuend von vielen anderen Geschichten aus dem Bereich der Tier-Fantasy ab und gewinnen einen ganz eigenen Charme.

Auch die Zeichnungen verleihen diesem Comic einen sehr eigenständigen Charakter: Die großflächig angelegten Bilder sind von bezaubernder Schlichtheit, weisen aber dennoch zahlreiche liebevolle Details auf. Die Körperhaltung der Mäuse wirkt dabei tierhaft natürlich und doch gleichzeitig menschlich. Zudem setzt Petersen Dialoge nur sehr sparsam ein und verlässt sich stark auf die Aussagekraft seiner Bilder. Abgerundet werden die Zeichnungen durch eine hinreißende Farbgebung, die viele weitere Feinheiten hinzufügt, sodass man mitunter weniger an einen klassischen Comic als an die Illustrationen eines wunderschönen Bilderbuchs für Kinder denkt.

Das ungewöhnliche quadratische Format des Hardcover-Bandes verstärkt dabei noch den Eindruck, es hier mit einem Kinderbuch zu tun zu haben. Ergänzt wird die deutsche Ausgabe durch einen umfangreicher Anhang mit einem Interview, zusätzlichen Illustrationen von David Petersen und anderen Künstlern sowie einem Einblick in den schon jetzt reich ausgearbeiteten Hintergrund der Mäusewelt, von der der Autor uns bislang erst einen winzigen Ausschnitt gezeigt hat.

Fazit:

"Mouse Guard: Herbst 1152" mutet auf den ersten Blick wie ein Bilderbuch für Kinder an und würde zweifellos auch als solches funktionieren. Dennoch gelingt es dem Werk mühelos, auch erwachsene Leser zu verzaubern. Fernab aller Comicmaus-Klischees zeigt dieser Comic das Leben einer Gemeinschaft von Lebewesen, die für fast alle anderen Kreaturen als Beute gelten. Angesichts dieser permanenten Bedrohungen von Außen strapazieren interne Intrigen das soziale Gefüge besonders stark. "Mouse Guard" zeigt auch auf herzenswarme Art, zu welcher Tapferkeit die kleinen Pelztiere in der Lage sind, wenn die Situation es verlangt, ohne dass zu viel Heldenpathos das Bild trüben würde - selbst die mutigsten Mäuse sind eben doch im Grunde Fluchttiere.

 
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