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Jack of Fables 1: Flucht nach vorn  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Allge­meines
Geschrieben von Manuel Tants   
Freitag, 17. April 2009

Jack of Fables 1: Flucht nach vorn

Zeichner: Tony Akins

Originaltitel: Jack of Fables 1-5
Übersetzt von: Gerlinde Althoff

1. Band der Reihe

Verlag: Vertigo
Format: Softcover
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-86607-774-4
Preis: 14,95 EUR

128 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Nachdem er in Hollywood ein Vermögen gemacht hat, indem er seine eigene Legende anzapfte, wurde der kleine Jack Horner alias Jack B. Nimble alias Jack der Riesentöter der berühmteste Fable der Welt. Klar, sein Geld musste er wieder abgeben, und aus Fabletown wurde er verbannt, aber tief im Innern war Jack schon immer ein Streuner, und die Straße ist seine wahre Heimat. Darum ist es wirklich eine Schande, dass er vom Straßenrand weg gekidnappt und ganz unzeremoniell in ein Lager gebracht wird, in dem noch andere abtrünnige Fables festgehalten werden. Im Innern der "Golden Boughs Ruhestandsresidenz" findet Jack sowohl Feinde wie Verbündete - aber als er von den Plänen seines Kerkermeisters Mr. Revise erfährt, wird ein Ausbruch nicht nur aus Gründen der Ehre notwendig. Natürlich ist über die Jahrhunderte, die Mr. Revise sein Lager betreibt, niemand entkommen. Aber er ist schließlich der märchenhafte Jack! So schwer kann es also gar nicht sein!

Meinung:

Die im Jahr 2002 gestartete Comicreihe "Fables" ist mit ihrer Geschichte um altbekannte Märchenfiguren, die im Geheimen mitten unter den normalen Menschen leben und dabei auch mit ganz menschlichen Problemen zu tun haben, zu einem echten Überraschungserfolg geworden. Eine der Fabelfiguren aus dieser Serie ist Jack Horner. Er ist der Jack, der die Bohnenranke erklomm und den Riesen erschlug, er ist auch der Jack, der als "Jack O'Lantern" die Kürbislaterne schwenkt oder als "Jack Frost" eisige Kälte bringt - kurz gesagt, er ist jeder Jack, der jemals in einer Sage, in einem Volkslied oder in einem Kindervers auftrat.

Stets auf der Suche nach Ruhm und dem schnellen Geld, verließ er irgendwann die Märchen-Enklave Fabletown, um in Hollywood seine eigenen Abenteuer auf die Leinwände der so genannten "Normalos" zu bringen. Die Filme waren tatsächlich sehr erfolgreich und brachten ihm sowohl ein immenses Vermögen als auch grenzenlose Popularität - und da die Macht einer Fable von ihrem Bekanntheitsgrad unter den Normalos abhängt, ist er mittlerweile so gut wie unsterblich. Auf diesem Umstand basiert auch seine nonchalante Überheblichkeit und die völlige Abwesenheit von Selbstzweifeln.

Jacks Geltungssucht sowie die Tatsache, dass er vor seiner Abreise aus Fabletown eine Menge Geld gestohlen hatte, erregten jedoch das Missfallen der übrigen Fables, und so wurde er aus der Gemeinschaft der Fables verstoßen und fast sein gesamtes Kapital konfisziert. Nun muss er wieder ganz von vorne anfangen - aber er wäre nicht Jack, wenn sein unverwüstliches Ego durch diesen kleinen Fehlschlag einen Dämpfer erhalten hätte. Und außerdem ist er nun nicht mehr eine von vielen Fables in der gleichnamigen Comicserie, sondern hat seine eigene Spin-off-Serie bekommen, was er als durchaus angemessen empfindet, wie er dem Leser gerne mitteilt.

Diese Art von Meta-Kommunikation findet in "Jack of Fables" immer wieder statt: Jack ist sich darüber im Klaren, dass sein weiterer Werdegang nach dem "Rauswurf" aus der Hauptserie gerade in Comic-Form konsumiert wird, und so bittet er den Leser auch schon einmal, die letzten paar Seiten noch einmal zu lesen, damit der gerade erwachte Protagonist genug Zeit bekommt, seine Müdigkeit abzuschütteln. Dank Jacks Mitteilsamkeit werden zudem auch Leser, die die Hauptserie nicht kennen, mit allen notwendigen Informationen über die zurückliegenden Ereignisse in seinem Leben versorgt, und etwaige letzte Lücken schließt dann das kurze Vorwort des Bandes.

Besonders viel muss man jedoch gar nicht wissen, um der Geschichte folgen zu können: Jack steht mit einem Koffer voller Geld (die darin enthaltene Million ist allerdings nur ein Schatten seines einstigen Vermögens) und einem ausgestreckten Daumen am Straßenrand - und wird prompt von Unbekannten entführt. Selbige laden ihn in der Seniorenresidenz "Golden Boughs" ab, wo Jack neben "ausrangierten" Märchengestalten wie Hase und Schildkröte, Mutter Gans oder Humpty Dumpty ein für seinen Geschmack viel zu idyllisches Zuhause findet. Da verwundert es wenig, dass er fortan seine Zeit damit verbringt, Fluchtpläne zu schmieden - doch das Altersheim unter der Leitung des geheimnisvollen Mr. Revise ist überraschend gründlich gesichert.

Die Gefangennahme Jacks und seine darauf folgende Vorbereitung der Flucht sind simpel und ohne große Überraschungen strukturiert - hier haben "Fables"-Erfinder Bill Willingham und sein Kollege Matthew Sturges es sich ein wenig zu leicht gemacht. Die Geschichte lebt somit vor allem von den zahlreichen "Gaststars", also den zusammen mit Jack inhaftierten Märchenwesen. Durch ihr Verhalten, das zum Teil geradezu zwanghaft ihren aus den Originalgeschichten bekannten Wesenszügen entspricht, zum Teil aber auch das genaue Gegenteil davon ist, sorgen die Autoren für viel Humor - das Fehlen einer interessant konzipierten Handlung lässt sich auf diese Weise jedoch nicht vollständig kaschieren.

Zeichner Tony Akins hat bislang vor allem an Science-Fiction-Comics mit "Star Wars"- oder "Aliens"-Hintergrund gearbeitet. Seine Illustrationen für "Jack of Fables" sind durchaus zufriedenstellend und orientieren sich weitgehend an den Standards semirealistischer Superheldencomics. Bei der Darstellung einiger Fabelwesen gelingt es ihm allerdings auch, deutlich cartoonhaftere Züge in seine Zeichnungen zu integrieren, ohne dass der Bruch zu den übrigen Bildern allzu drastisch wäre - das ist durchaus eine bemerkenswerte Leistung. Die Farben von Daniel Vozzo bewegen sich ebenfalls auf Standardniveau. Eine kleine Skizzensektion mit Charakterentwürfen von Tony Akins rundet den Band ab.

Fazit:

Wer sich mit Märchen und Sagen auskennt (vor allem mit denen angelsächsischer Herkunft), der wird an "Jack of Fables" seine helle Freude haben. Es gibt neben einigen recht populären Gastfiguren eine ganze Reihe eher obskurer Fabelkreaturen zu entdecken, die das Autorenduo Willingham und Sturges zudem so manche amüsante Situation erleben lässt. Auch die angenehm anzuschauenden, aber eher unspektakulären Zeichnungen haben ihre stärksten Momente in den humorvollen Szenen, in denen mitunter plötzlich ein leichter Cartoon-Stil durchschimmert. Der Comic verlässt sich allerdings manchmal ein wenig zu sehr darauf, mit Anspielungen auf Märchen um sich zu werfen und Jack in seinen Monologen Späße über das Medium, in dem er gerade auftritt, machen zu lassen. Dadurch wird die eigentliche Handlung leider ein wenig vernachlässigt.
Weiterführende Infos

 
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