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Totenlichter  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 5. Januar 2015

Totenlichter

Originaltitel: The Kingdom
Übersetzt von: Diana Beate Hellmann

2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Mai 2014
ISBN: 978-3-404-16972-6
Preis: 8,99 EUR

400 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Amelia Gray lebt mit den Toten. Sie restauriert Friedhöfe und es heißt, sie habe einen Sinn für diese besondere Welt. Dass dies wörtlich so ist, weiß jedoch niemand: Amelia kann die Geister der Verstorbenen sehen. Als sie den Friedhof der abgelegenen Kleinstadt Asher Falls restauriert, kommt sie den Toten erneut gefährlich nahe. Amelia entdeckt ein verborgenes Grab im Wald und lüftet bald sein finsteres Geheimnis. Ein Geheimnis, das seit Jahrzehnten gewahrt wurde - und gewahrt bleiben soll ...

Meinung:

Nach "Totenhauch" bringt Bastei Lübbe mit "Totenlichter" den zweiten Band rund um die Friedhofsrestauratorin Amelia Gray auf den Markt. Dieses Mal spielt die Handlung nicht in der atmosphärischen Südstaatenstadt Charleston, sondern in einem kleinen verlassenen Ort in den Blue Ridge Mountains. In Asher Falls soll Amelia den Thorngate-Friedhof restaurieren - ein ehemaliger Familienfriedhof, der inzwischen allen Bürgern der Stadt zur Verfügung steht.

Doch es wohnen nicht mehr sehr viele Menschen in Asher Falls, nachdem Pell Asher in den 80er-Jahren einen Großteil seines Landes verkauft hat, damit dort ein Stausee angelegt werden konnte. Mit dem See veränderte sich nicht nur die Umgebung der Kleinstadt, sondern der Ort wurde auch von der Außenwelt abgeschnitten, da die Zugangsstraße ebenso wie der alte städtische Friedhof geflutet wurde. So wird Asher Falls vor allem von einer Atmosphäre der Verlassenheit und Trostlosigkeit beherrscht, die natürlich auch bei Amelia ihre Spuren hinterlässt. Einzig Pell Ashers Enkel Thane scheint gegen die düstere Stimmung in Asher Falls immun zu sein, außerdem übt er eine große Anziehungskraft auf die Friedhofsrestauratorin aus.

Obwohl dieser zweite Band nicht ganz so sehr überzeugen kann wie "Totenhauch", hat Amanda Stevens auch diesmal wieder einen sehr atmosphärischen Roman geschrieben. Es gibt einige unheimliche und sehr stimmungsvolle Szenen rund um die verlassene Stadt Asher Falls, die etwas exzentrische Familie Asher und den alten Friedhof, den Amelia restaurieren soll. Auch hat die Autorin ein paar weitere ungewöhnliche Charaktere geschaffen, wie die drei charismatischen Frauen Luna, Bryn und Catrice, die anscheinend als einzige Bewohner der Stadt erfolgreich und zufrieden leben, was einen spannenden Kontrast zu der Trostlosigkeit darstellt, die sonst jede Szene zu durchdringen scheint.

Es wird immer wieder deutlich, dass Amelia in Asher Falls noch weniger dazugehört als in ihrem normalen Leben in Charleston - und das führt dazu, dass man als Leser all die Figuren vermisst, die man in "Totenhauch" kennengelernt hat. Auch wenn Amelia in Charleston keine engen Freunde hat, so kennt sie dort doch zumindest Menschen, die ihre Interessen teilen, die sie um Rat bitten kann oder die Informationen für sie beschaffen können, was einen angenehmen Ausgleich zu all den unheimlichen Momenten bildete. In "Totenlichter" fehlen diese freundschaftlichen Momente. Stattdessen muss sich Amelia ganz allein mit all den Dingen auseinandersetzen, die sie - unter anderem über einen rätselhaften Unfall, bei dem vor vielen Jahren eine junge Frau umkam - herausfindet.

Doch nicht nur mit der Vergangenheit der Menschen in Asher Falls wird Amelia konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Dabei hat Amanda Stevens es leider nicht geschafft, all die "überraschenden" Enthüllungen auch wirklich so zu gestalten, dass der Leser sie nicht vorausahnen kann. Bei all den privaten Entwicklungen fällt Amelias Arbeit als Friedhofsrestauratorin leider recht klein aus, dabei haben diese Passagen erheblich zum Reiz des ersten Bandes beigetragen. So hat "Totenlichter" immer noch einige atmosphärische und - dank Amelias neuem Haustier - auch sehr berührende Momente, kann aber leider weder beim Krimianteil noch bei den Passagen rund um die Friedhöfe mit "Totenhauch" mithalten.

Fazit:

Bedauerlicherweise kann Amanda Stevens mit "Totenlichter", dem zweiten Band rund um die Friedhofsrestauratorin Amelia Gray, nicht ebenso überzeugen wie mit dem Auftakt der Reihe. Obwohl die Autorin die kleine Stadt Asher Falls sehr atmosphärisch beschreibt und jedes Kapitel von der eindrucksvollen Trostlosigkeit dieses Ortes durchdrungen ist, fehlen die helleren Momente als Ausgleich in Amelias Leben. Auch kommt ihre Beschäftigung als Friedhofsrestauratorin, die in "Totenhauch" so spannend beschrieben wurde, in diesem Roman viel zu kurz. Zudem sind die vermeintlich überraschenden Enthüllungen zu Amelias Herkunft recht vorhersehbar. All diese Kritikpunkte machen "Totenlichter" nicht zu einer schlechten Geschichte: Die Handlung ist immer noch unterhaltsam und stimmungsvoll beschrieben, aber eben nicht so packend, wie man es sich nach Amanda Stevens' Debütroman erhofft hatte.
Weiterführende Infos
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