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Ruinen­märchen  Drucken E-Mail
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 27. März 2014

Ruinenmärchen

Autor: Tsukiji Nao
Zeichner: Tsukiji Nao

Originaltitel: Haikyo Shoujo
Übersetzt von: Ai Aoki

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Januar 2014
ISBN: 978-3-770-48149-1
Preis: 7,50 EUR

192 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.3

Wertung:
8.3
von 10
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Zum Inhalt:

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Besonders an geheimnisvollen Orten wie zerfallenen Fabriken und uralten Häuserruinen. In vier Kurzgeschichten finden Tsukiji Naos tiefgründige Charaktere die verloren geglaubte Liebe oder müssen sich ihren schlimmsten Erinnerungen stellen. Nicht alles, was den Weg aus den Ruinen zurück ins Leben findet, wendet die Geschichte zum Guten. Auch der Tod ist ein ständiger Begleiter in diesen Ruinenmärchen.

Meinung:

"Ruinenmärchen" von Tsukiji Nao (bekannt durch ihre Serie "Adekan") beinhaltet vier separate Geschichten aus der Feder der Mangaka. Obwohl in jeder einzelnen Episode Ruinen eine relevante Rolle spielen, drehen sich die Geschichten um sehr unterschiedliche Themen. In "Das Mädchen in der Ruine" lernt der Leser die beiden Schulmädchen Momoka und Kazeko kennen, die schon seit vielen Jahren miteinander befreundet sind. Während Momoka von Kindheit an regelmäßig krank ist, hatte Kazeko vor drei Jahren ein traumatisches Erlebnis in einer Fabrikruine. Um das Gedächtnis der Freundin wiederherzustellen, greift Momoka zu einer radikalen Methode, die nicht nur für Kazeko, sondern auch für den Leser einige überraschende Wendungen bereithält.

"Der Mann, der die Musik sehen konnte" handelt von dem verbitterten Musiklehrer Sumida, der seit einer Begegnung mit einem mysteriösen Fremden in der Lage ist, Musik zu sehen. Je schöner und harmonischer ein Musiker spielt, desto berauschender sind auch die Bilder, die die Töne vor den Augen des Lehrers erzeugen, während ein unbegabter Künstler dem Mann albtraumhafte Erlebnisse voller Dämonen beschert. Erst als Sumida dem Unbekannten auf einer Müllhalde in einer Ruine wiederbegegnet, findet der Lehrer heraus, was diese Visionen erzeugt und wie er wieder mehr Freude im Leben empfinden kann.

Die dritte Geschichte, "Das Mädchen in der Kommode", wird aus der Perspektive des erfolglosen Diorama-Künstlers Toru erzählt, der sein Leben lang seinen erfolgreichen und beliebten Zwillingsbruder beneidete. Als er nach dem Tod seines Bruders von dessen Patientin Kozue mit diesem verwechselt wird, nutzt er die Gelegenheit, in die Fußstapfen des Arztes zu treten. So lernt Toru nicht nur die - inmitten einer Ruine in einer Kommode lebende - junge Kozue besser kennen, sondern auch mehr über die Schwächen und Stärken des verstorbenen Bruders. Mit diesem neu gewonnenen Wissen ist es Toru möglich, aus dem Schatten seines Bruders zu treten und endlich seinen eigenen Weg im Leben zu finden.

"Der Hügel auf dem Hut" führt den Leser in ein Reich, in dem Hüte eine wichtige Rolle im Leben der Menschen spielen. So ist es kein Wunder, dass ihnen auch für ihre eigene Beerdigung spezielle Hüte angefertigt werden, die ihr Leben und ihre Persönlichkeit spiegeln sollen. Auch wenn dieser letzte Dienst wichtig ist, genießen diejenigen Hutmacher, die diese Trauerhüte fertigen, keinerlei Ansehen. Deshalb hat sich der junge Toma auch vor vielen Jahren von seiner Mutter, die eine wahre Künstlerin bei der Herstellung von Trauerhüten war, abgewandt, eine Lehre bei einem Modehutmacher absolviert und sich bei seiner Kundschaft auf die reichsten Adligen im Land konzentriert. Doch als er bei einer Reise in einer verfluchten Ruine landet, muss Toma beweisen, dass auch er die uneigennützige Kunst seiner Mutter beherrscht.

Jeder Protagonist ist - bewusst oder unbewusst - auf der Suche nach sich selbst, sei es, weil er seinen Weg noch nicht gefunden oder im Laufe der Zeit aus den Augen verloren hat. So kommt es für jeden Charakter zu einer entscheidenden Begegnung in einer Ruine. Trotz dieses sich wiederholenden Grundkonzepts gelingt es Tsukiji Nao aber immer wieder von Neuem, überraschende Wendungen, interessante Figuren und reizvolle Hintergründe in ihre Geschichten einzubauen. Jede dieser Episoden verfügt über eine eindringliche Atmosphäre, selbst dann, wenn die Handlung eigentlich recht ruhig und leise erzählt wird, wie es zum Beispiel bei Torus Erlebnissen der Fall ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Manga-Kurzgeschichten-Bänden bekommt der Leser bei "Ruinenmärchen" nicht das Gefühl, dass der Platz nicht gereicht hätte, um eine ausgeklügelte und interessante Handlung zu erzählen. Stattdessen konstruiert Tsukiji Nao die verschiedenen Episoden so geschickt, dass man am Ende zwar gern mehr über die Charakere, ihr Leben und ihre Zukunft erfahren möchte, aber mit der Geschichte an sich zufrieden ist. So ist es kein Wunder, dass die einzelnen Figuren und ihre Erlebnisse noch eine Weile im Leser nachklingen.

Auch bei den Zeichnungen lassen sich kaum Kritikpunkte finden. Charaktere, Mimik, Gestik, Hintergründe und Panelaufbau passen sehr gut zur jeweiligen Szene und bieten dem Betrachter einiges zum Entdecken. Gerade die kleinteiligeren Kulissen, die liebevoll die einzelnen Ruinen und anderen Räumlichkeiten zeigen, sind reich an Details, ohne den Leser damit zu überfordern. Mit feinen und gezielt gesetzten Strichen unterstreicht die Mangaka gekonnt die Handlung, was besonders in "Der Hügel auf dem Hut" wunderbar zur Geltung kommt.

Fazit:

Mit "Ruinenmärchen" hat Tsukiji Nao einen Kurzgeschichtenband mit vier sehr atmosphärischen und - für dieses Format ungewöhnlich - intensiven Episoden geschaffen. Jede dieser Geschichten handelt von Charakteren, die eine für ihre Zukunft entscheidende Begegnung in einer Ruine haben. Doch von diesem einen Element mal abgesehen, gibt es keine Gemeinsamkeiten bei den einzelnen Handlungen, was zu abwechslungsreichen und immer wieder überraschenden Geschichten führt. Zeichnerisch kann der Manga ebenso überzeugen wie inhaltlich, was nicht nur an den angenehm individuell gestalteten Charakteren, sondern auch an den atmosphärischen und wunderbar detaillierten Hintergründen liegt.
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