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Blutinsel (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 27. März 2014

Blutinsel

Gelesen von: Jürgen Holdorf
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 2 MP3-CDs

Label: Radioropa
Erschienen: Dezember 2013
ISBN: 978-3-8368-0733-3
Preis: 19,95 EUR
Inhalt
4.0
Sprecher
6.0
Bearbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.7

Wertung:
5.7
von 10
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Zum Inhalt:

Detective Cathy Ronsted und ihr Kollege Brian Stockwell werden auf die einsame Insel Hell's Kitchen gerufen, um eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Abergläubisch und in eine schuldhafte Vergangenheit verstrickt, begegnen ihnen die Inselbewohner abweisend, ja feindlich. Während die Ermittlungen ins Stocken geraten, fliehen auf dem amerikanischen Festland, 300 Meilen entfernt, vier Schwerverbrecher aus einem Gefängnis. Sie hinterlassen eine Spur aus Blut und Gewalt, die schließlich nach Hell's Kitchen Island führt. Dort verfolgen die Ausbrecher und der Killer einen grausamen Plan ...

Meinung:

Mit "Blutinsel" hat Radioropa den gleichnamigen Roman von Ulrich Hefner als ungekürztes Hörbuch umgesetzt, gelesen wird die Geschichte von Jürgen Holdorf. Nach einem Prolog, in dem der Hörer im Jahr 1971 den Untergang eines Schiffes vor Hell's Kitchen Island verfolgen kann, bei dem 44 Personen ums Leben kommen, wird die Handlung in zwei parallel laufenden Strängen erzählt. Auf der einen Seite erlebt man die Flucht von vier Gefangenen bei einem Transport vom Gefängnis zum Zahnarzt und die darauffolgenden Ermittlungen zweier US-Marshalls. Auf der anderen Seite steht eine Mordserie auf Hell's Kitchen im Mittelpunkt des Geschehens, bei der verschiedene Personen gefoltert und getötet werden.

Nach den ersten beiden Morden werden Cathy Ronsted und Brian Stockwell von der Mordkommission in Portland auf die Insel geschickt. Für Cathy, die gerade erst vom Drogendezernat versetzt wurde, ist dies die erste eigenständige Mordermittlung, während Brian sie als erfahrener Beamter unterstützen soll. Doch sehr gut arbeiten die beiden nicht zusammen, was sich nicht nur darin äußert, dass die Ermittlungen tagelang kaum voranschreiten, während weitere Morde passieren, sondern auch zu einem deutlichen Mangel an Atmosphäre für den Hörer führt. Auch fällt es schwer, Sympathien für die wenig kompetente, aufbrausende und schnell gekränkte Cathy zu empfinden, die dank ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe bei ihren Kollegen auf verlorenem Posten steht und auch auf der Insel mit einigen rassistischen Ansichten zu kämpfen hat.

Cathys Temperament und ihre Orientierungslosigkeit bei den Ermittlungen kosten sehr viel Zeit. Erst Tage nach ihrer Ankunft auf der Insel ist die Ermittlerin bereit, sich von Brian beibringen zu lassen, wie man eine Mordermittlung in Angriff nimmt. Dabei vermittelt ihr der Kollege nichts anderes als allgemeines Grundwissen, welches man als Krimileser einfach bei einem Polizisten voraussetzt. Auch die Tatsache, dass weder bei den Inselbewohnern noch bei den beiden Polizisten die ebenfalls ermordeten Ehefrauen der verschiedenen männlichen Mordopfer eine Rolle zu spielen scheinen (sie werden in der Regel nicht einmal aufgezählt, wann immer man sich über die Toten unterhält), hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack. Zudem wird anfangs zwar betont, dass alle gut fünfzig Bewohner der Insel als Verdächtige anzusehen sind, doch werden bei allen Befragungen stets einige Gruppen vollkommen ignoriert, was sehr frustrierend für den aufmerksamen Zuhörer ist.

So krankt das Hörbuch nicht nur an unsympathischen Hauptfiguren und der Unprofessionalität der Polizisten, sondern auch an einigen Eigenheiten des Autors. Ulrich Hefners Charaktergestaltung ist zwar auf einen gewissen Realismus angelegt, führt aber dazu, dass dem Hörer die verschiedenen Figuren vollkommen egal sind. Dazu kommt die Tendenz des Autors, so viele englische Begriffe wie möglich zu verwenden und diese stetig zu wiederholen, damit auch ja klargestellt wird, dass die Geschichte an der Ostküste der USA spielt. Auch neigt er zu übertrieben bildhaften Beschreibungen, über die man beim Lesen des Romans vermutlich einfach so hinweggehen könnte, die einem als Hörer von "Blutinsel" aber unangenehm auffallen. Diese Flut an unnötigen Informationen geht leider auch zulasten der Spannung und so können selbst die regelmäßigen Perspektivwechsel zwischen den Geschehnissen auf der Insel und den Ereignissen auf dem Festland nicht dafür sorgen, dass man besonders neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung ist.

Bezüglich der Tonqualität kann man sich hingegen nicht beschweren und auch die Trackeinteilung ist mit einer durchschnittlichen Länge um die fünf Minuten sehr gut gewählt, obwohl dadurch auch schon mal innerhalb eines Tracks ein Kapitelanfang zu finden ist. So kann man nach einer Pause auch dann problemlos wieder in die Geschichte einsteigen, wenn keine Lesezeichen gesetzt wurden, was bei einer Gesamtlänge von gut 16 1/2 Stunden auch notwendig ist. Obwohl es wirklich lobenswert ist, wenn ein Verlag eine ungekürzte Hörbuchversion veröffentlicht, hätten in diesem Fall ausnahmsweise einige geschickte Kürzungen der Geschichte durchaus gut getan und hätten die Spannung deutlich erhöhen können.

Der Sprecher Jürgen Holdorf erbringt bei "Blutinsel" eine solide Leistung. Er hat eine angenehme Stimme und verleiht den verschiedenen Figuren ohne große Verstellung eine hohe Wiedererkennbarkeit. Einzig bei den Frauenfiguren fehlt es - wie so oft, wenn männliche Sprecher ihre Stimme erhöhen, um "weiblicher" zu klingen - an Ausdruckskraft. Das ist gerade angesichts der Tatsache, dass Cathy so eine große Rolle in der Geschichte einnimmt, etwas bedauerlich. Auch mit den vielen englischen Bezeichnungen und Namen hat Jürgen Holdorf leider ein Problem und neigt vor allem am Anfang entweder zu einer zu deutschen Aussprache ("Korona" statt "Coroner") oder zu verschiedenen Variationen bei den Namen. Gerade Letzteres ist zu Beginn sehr lästig, da man bei der Vielzahl der auftauchenden Charaktere häufig nur raten kann, ob schon wieder eine neue Figur eingeführt wurde oder ob der Sprecher nur noch nach der richtigen Aussprache eines bereits erwähnten Namens sucht.

Fazit:

Leider kann Ulrich Hefners "Blutinsel" in der Hörbuchversion nicht überzeugen. Die Charaktere sind zum Großteil unsympathisch, das Schicksal der Opfer lässt den Hörer recht ungerührt und die Fülle an überflüssigen Informationen und Beschreibungen geht deutlich zulasten der Spannung. Auch ist die Neigung des Autors, gewisse Aspekte immer wieder zu wiederholen und geradezu zwanghaft "amerikanische" Begriffe zu verwenden, eher irritierend als der Geschichte zuträglich. Von der Tonqualität und der Trackeinteilung her kann der Verlag Radioropa mit dem Hörbuch überzeugen, die Leistung des Sprechers Jürgen Holdorf ist solide, auch wenn er unüberhörbare Probleme mit der Aussprache der englischen Wörter hat.
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