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Die Drachen­flüsterer-Saga  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 23. Februar 2014

Die Drachenflüsterer-Saga

1. bis 3. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Heyne
Erschienen: September 2013
ISBN: 978-3-453-53439-1
Preis: 15,50 EUR

1136 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Der 15-jährige Ben ist nach dem Tod seiner Eltern ganz allein. In seinem Dorf gilt er als Außenseiter, der sich mehr schlecht als recht durchschlägt und davon träumt, dem Orden der Drachenritter beizutreten. Als ein Verbrechen geschieht und Ben verdächtigt wird, muss er das Dorf für immer verlassen - und begegnet auf seiner Flucht einem Drachen. Für Ben wird ein Traum wahr. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Drache offenbar leicht verhaltensauffällig ist. Und nicht gewillt scheint, jemals wieder von seiner Seite zu weichen ...

Meinung:

Der Sammelband "Die Drachenflüsterer-Saga" beinhaltet die drei Romane "Der Drachenflüsterer", "Der Schwur der Geächteten" und "Das Verlies der Stürme" von Boris Koch sowie zusätzliche Extras wie eine Kurzgeschichte, eine gestrichene Szene und ein fiktives Interview mit zwei der Charaktere. Der Autor bietet dem Leser mit seiner Trilogie eine unterhaltsame und jugendgerechte High-Fantasy-Handlung rund um den jungen Ben. Ben ist ein Außenseiter in der kleinen Stadt Trollfurt. Während sein Vater sich recht früh aus dem Staub gemacht hat, ist seine Mutter Alkoholikerin und kümmert sich kaum um ihren Sohn. Das führt dazu, dass Ben nicht nur sehr viel Zeit außer Haus verbringt und durch die Natur rund um die Stadt streift, sondern sich auch regelmäßig durch kleine Diebstähle selbst versorgt. Nichts davon hilft ihm dabei, Ansehen im Ort aufzubauen und so ist es kein Wunder, dass er nur einen einzigen Freund hat. Yanko steht ihm immer wieder zur Seite, obwohl ihm seine Eltern den Umgang mit Ben verboten haben.

Trotz seines schlechten Starts ins Leben träumt der fünfzehnjährige Ben davon, eines Tages ein Drachenritter zu werden. Als dann ein reicher Kaufmann nach Trollfurt zieht, der die alte Blausilbermine wieder erschließen möchte, stellt der Junge begeistert fest, dass der Mann im Besitz eines Drachen ist. Immer wieder schleicht er sich nachts heimlich in den Garten des Kaufmanns, reibt die Schulterknubbel des Drachen und ist sich sicher, dass er spürt, wie ihn dabei das legendäre Glück durchdringt, das diese Berührung bringen soll. Doch viel Glück hat Ben in den folgenden Wochen nicht, und so sieht er sich bald - aufgrund einiger unglücklicher Umstände - als Verbrecher verfolgt und muss um sein Leben fürchten. Auf der Flucht begegnet Ben einem weiteren Drachen und erfährt Dinge über diese Kreaturen und die Drachenritter, die er kaum glauben kann.

Boris Koch hat für seine Drachenflüsterer-Serie eine recht klassische High-Fantasy-Welt geschaffen, die aber aufgrund der Legenden rund um die Drachen eine ganz eigene Note aufweisen kann. Schon früh lernen die Menschen im Großtirdischen Reich, dass Drachen von dem bösen Gott Samoth verflucht wurden und durch die Drachenritter von diesem Fluch erlöst werden müssen. Denn erst durch das Abschlagen der Flügel, die für eine von Samoths größten Sünden stehen, werden die Drachen zu sanften und lenkbaren Wesen. So "befreit", dienen die mächtigen Wesen bereitwillig den Rittern, statt - wie die Legende immer wieder betont - menschenfressend durchs Land zu ziehen. Ben hat keinen Grund, an diesen Legenden zu zweifeln, bis er auf einen wilden geflügelten Drachen stößt und feststellen muss, dass dieser alles andere als eine Bestie mit Killerinstinkt ist.

Die wachsende Freundschaft zwischen Ben und dem Drachen Aiphyron wird vom Autor sehr schön beschrieben. So kommt es regelmäßig zu amüsanten Situationen, wenn die beiden wieder einmal feststellen müssen, wie befremdlich sie das Verhalten des anderen finden. Und je näher sich die beiden ungewöhnlichen Freunde kommen, desto mehr findet Ben über die ungewöhnlichen Fähigkeiten heraus, die in ihm schlummern. Auch wird sein Bedürfnis, denjenigen Drachen zu helfen, die vom Orden der Drachenritter versklavt wurden, immer größer, da er kaum ertragen kann, wie sich ihr unabhängiges Wesen durch diese Verbindung verändert. Obwohl die Geschichte im Laufe der drei Bände immer komplizierter wird, da Ben Verbündete (und Feinde) findet, die von unterschiedlichen Motivationen angetrieben werden, erzählt Boris Koch die Handlung recht geradlinig.

So entsteht eine kurzweilige und - trotz diverser Todesfälle und Bedrohungen - jugendgerechte Fantasygeschichte, die vor allem durch die sympathischen Charaktere, die wunderbaren Drachen und die amüsanten kleinen Erlebnisse zu unterhalten weiß. Doch trotz einer wohl überlegten Handlung und diverser überraschender Wendungen, die dafür sorgen, dass Ben und seine Freunde regelmäßig in Gefahr geraten, gelingt es Boris Koch nur selten, den Leser wirklich um Bens Leben bangen zu lassen. Man ist zwar stets neugierig auf die weiteren Entwicklungen, doch wirklich spannend wird "Die Drachenflüsterer-Saga" nur selten. Dank all der Kabbeleien zwischen den Freunden, die dafür sorgen, dass selbst kritische Szene von einem unübersehbaren Humor durchzogen werden, schafft es die Geschichte leider nicht, dem Leser den Atem zu rauben und ihn ernsthaft um das Schicksal der Protagonisten bangen zu lassen.

Auch kann der dritte Teil lange Zeit nicht mit der Qualität der ersten zwei mithalten. Zu Beginn von "Das Verlies der Stürme" gibt es einen entscheidenden Einschnitt in die Geschichte, der den Eindruck erweckt, als ob Boris Koch hier selbst nicht sicher wusste, wie es mit seinen Figuren weitergehen sollte. So bekommt man sehr viele kleine Inselszenen präsentiert, die sich um gewagte Tauchgänge, fremdartige Vegetationen und das Sammeln von Muscheln drehen, und hat dabei das Gefühl, dass die Handlung sich kaum voran bewegt. Erst gegen Ende dieses dritten Bandes wird die Handlung wieder spannender und ein neuer Gegenspieler taucht auf. Dadurch zieht das Erzählttempo wieder an und sorgt dafür, dass Bens Geschichte doch noch einen befriedigenden Abschluss findet.

Fazit:

Mit "Die Drachenflüsterer-Saga" hat der Heyne-Verlag eine liebevoll aufgemachte Sammelausgabe der Trilogie von Boris Koch auf dem Markt gebracht, die auch noch um einige Extras wie eine amüsante Kurzgeschichte erweitert wurde. Überhaupt ist die gesamte Handlung rund um Ben eher unterhaltsam und witzig als spannend geschrieben, obwohl der Junge, seine Freunde und die Drachen, mit denen sie reisen, allerhand gefährliche Abenteuer erleben. Dies verleiht der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit, die dafür sorgt, dass dieses Buch auch für eher jüngere Jugendliche geeignet ist. Neben all den lustigen Begebenheiten sind es vor allem die sympathischen Charaktere (Drachen und Menschen), die dafür sorgen, dass man diese umfangreiche Ausgabe am liebsten in einem Stück lesen würde. So verzeiht man als Leser auch den Mangel an Spannung und den leichten Hänger zu Beginn des dritten Teils, da man einfach gern seine Zeit mit Ben, dem Drachen Aiphyron und ihren Freunden verbringt.
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