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Totenhauch  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 3. Dezember 2013

Totenhauch

Originaltitel: The Restorer
Übersetzt von: Diane Beate Hellmann

1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: September 2013
ISBN: 978-3-404-16850-7
Preis: 8,99 EUR

414 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Mein Name ist Amelia Gray. Ich war neun Jahre alt, als ich meinen ersten Geist sah. Heute arbeite ich als Restauratorin auf Friedhöfen und meine besondere Gabe bringt mich täglich in gefährliche Situationen. Mein Vater brachte mir Regeln bei, die mich schützen sollen. Nach ihnen habe ich streng gelebt - bis jetzt. Als Detective John Devlin mich um Hilfe bei der Aufklärung einer Mordserie bat, willigte ich ein. Doch nun spüre ich, dass dieser Fall und dieser Mann mich in Gefahr bringen. Die Grenze zwischen der Welt der Geister und unserer scheint immer dünner zu werden. Und manchmal lässt sich eine Tür, die einmal geöffnet wurde, nicht wieder schließen ...

Meinung:

Mit Amelia Gray führt Amanda Stevens eine ungewöhnliche Protagonistin für "Totenhauch", den Auftaktband ihre "Friedhofskönigin"-Romanreihe, ein. Amelia sieht seit ihrem neunten Lebensjahr Geister - eine zweifelhafte Gabe, die sie mit ihrem Vater teilt, der ihr strenge Regeln beibringt, mit denen sie sich vor ihrer Fähigkeit schützen kann. Regel Nummer eins besagt, dass man den Geistern nie zeigen darf, dass man sie sieht, Regel Nummer zwei empfiehlt, dass man sich in der Nähe von geweihtem Boden aufhalten sollten, denn dieser kann von Geistern nicht betreten werden, und die dritte Regel warnt vor dem Umgang mit Menschen, die von Geistern heimgesucht werden, da diese zu einer großen Gefahr für Amelia werden können.

Viele Jahre lang hält sich Amelia brav an die Regeln ihres Vaters, was dazu führt, dass sie eine relativ einsame Kindheit verbringt und die Friedhöfe, auf denen ihr Vater als Gärtner arbeitet, für sie zu einer Zuflucht werden. So ist es kein Wunder, dass sich Amelia als Erwachsene als Restauratorin für alte Friedhöfe selbstständig macht. Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit dem Thema und führt unter dem Namen "Friedhofskönigin" einen Blog, der sich mit alten Friedhöfen, historischen Details zu Grabsteinen und Begräbnisriten und der Restauration solch alter Stätten beschäftigt und der sie in den dementsprechenden Kreisen recht bekannt gemacht hat.

Doch als sie für die Restauration des zur Emerson University gehörigen Oak-Grove-Friedhofes in Charleston engagiert wird, wird Amelia gezwungen, einige ihrer Regeln zu missachten. Denn kurz nach Beginn ihrer Arbeiten wird die Leiche einer jungen Frau auf dem historischen Friedhof gefunden. Um bei ihren Ermittlungen keinen Schaden an den alten Denkmälern, Grabsteinen und Mausoleen anzurichten und mehr über die Geschichte des Geländes zu erfahren, engagiert die Polizei Amelia als Beraterin - was für sie bedeutet, dass sie immer wieder mit Detective John Devlin zusammentrifft. Zu diesem fühlt sie sich nicht nur von Anfang an stark hingezogen, sondern er wird auch von zwei Geistern heimgesucht, die für Amelia zu einem großen Risiko werden.

Obwohl Amanda Stevens Amelias Geschichte in der ersten Person erzählt, fühlt der Leser immer eine gewisse Distanz zu der Protagonistin, was nicht nur am überraschend sachlichen Erzählstil, sondern auch an der kontrollierten Wesensart der Figur liegt. Trotzdem ist "Totenhauch" fesselnd zu lesen, da die Autorin sich eine interessante und komplexe Handlung rund um die Geister, die Amelia sehen kann, ausgedacht hat. Auch in dem Teil der Geschichte, der sich um die Leichenfunde auf dem historischen Friedhof dreht, gibt es erschütternde Passagen, die einen immer weiterlesen lassen. Doch vor allem der - durch Amelias Perspektive - beschränkte Zufluss an Informationen macht einen neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte.

Die verschiedenen Details, die Amelia nach und nach über den Oak-Grove-Friedhof herausfindet, sind wirklich spannend zu verfolgen. Die Restauratorin präsentiert im Laufe der Geschichte nicht nur Informationen über den Friedhof und die Personen, die darauf bestattetet wurden, sondern versucht auch, mehr über eine geheimnisvolle Verbindung herauszufinden, die an der Emerson University das Sagen haben soll. Dazu kommt noch die tragische Vergangenheit des Detectives John Devlin, die Amelia Stück für Stück über gemeinsame Bekannte herausfindet, und das Gefühl, dass weder zu Johns Geschichte noch zu den mysteriösen Geistererscheinungen schon alles gesagt wurde, sodass man als Leser auf weitere Bände der Reihe neugierig wird.

Doch so neugierig einen die Figuren und der Fall rund um die Leichenfunde machen: "Totenhauch" kann vor allem durch die gruselige Atmosphäre fesseln. Wenn Amelia von einem unheimlichen Schatten verfolgt wird oder ein Geisterkind in ihrem Garten sein Unwesen treibt, läuft einem ein Schauer über den Rücken. Die Vorstellung, dass sich Geister wie Parasiten an Menschen heften und ihnen die Lebensenergie rauben, bietet vielfältige Möglichkeiten für stimmungsvolle Szenen und spielt schön mit den ursprünglichen Ängsten des Lesers. Wer sich einen ersten Eindruck vom Schreibstil der Autorin machen möchte, kann sich auf der Verlagsseite kostenlos das kurze Prequel mit dem Titel "Die Verlassenen" als E-Book herunterladen. In dieser Geschichte spielt Amelia zwar nur eine kleine Nebenrolle, aber man bekommt einen ganz guten Einblick in die von Geistern bevölkerte Welt, in der Amelia Gray lebt.

Fazit:

In Amanda Stevens' Roman "Totenhauch" überwiegt - trotz des "Thriller"-Labels, mit dem der Verlag den Titel bewirbt - eindeutig der übernatürliche Anteil der Geschichte. Durch die Augen der Protagonistin Amelia Gray erlebt der Leser eine bedrohliche Welt voller Geister und unerwarteter Gefahren, die das Leben der Friedhofsrestauratorin beherrschen. So entsteht die Faszination der Geschichte nicht nur aufgrund der Frage, wer die junge Frau ist, deren Leiche auf dem Oak-Grove-Friedhof gefunden wurde, sondern auch durch die fantastischen Aspekte, die mit Amelias Gabe des Geistersehens verbunden sind. Auch die ungewöhnliche Hauptfigur selbst zieht das Interesse des Lesers auf sich, wobei sich ihre kontrollierte und beherrschte Art sehr stimmig im überraschend distanzierten Erzählstil der Autorin wiederfindet. Das sorgt zwar für eine gewisse Distanz zu den Charakteren, mindert aber in keiner Weise die unheimliche Atmosphäre, die durch die Geistererscheinungen und die Todesfälle auf dem Friedhof entsteht.
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