Banner bookdepository.com

Das Geheimnis der Salzschwestern  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 5. November 2013

Das Geheimnis der Salzschwestern

Originaltitel: The Gilly Salt Sisters
Übersetzt von: Sonja Hagemann

Verlag: btb
Erschienen: Juli 2013
ISBN: 978-3-442-74472-5
Preis: 9,99 EUR

480 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Seit Generationen ist die Salzfarm an der Küste Neuenglands im Besitz der Frauen der Familie Gilly. Auf diesem entlegenen Fleckchen Erde wachsen auch die beiden Schwestern Jo und Claire auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die spröde Jo sich dem Familienerbe zutiefst verbunden fühlt, wünscht sich Claire nichts sehnlicher, als die Salzfelder hinter sich zu lassen. Denn die Gilly-Frauen gelten als Außenseiter, und ihr Salz - so munkelt man - soll magische Kräfte haben ...

Meinung:

Auf den ersten Blick erinnert "Das Geheimnis der Salzschwestern" von Tiffany Baker sowohl von der Erzählweise als auch vom Handlungsansatz her sehr an den Roman "Im Hexenhaus" (verfilmt als "Zauberhafte Schwestern") von Alice Hoffman. Doch zum Glück gelingt es der Autorin im Laufe der Geschichte, eine eigene Note in ihren Roman zu bringen und diesen ersten Eindruck deutlich abzumildern. Daher kann man sagen, dass Leser, die die Werke von Alice Hoffman mögen, es mit dieser Geschichte auch mal versuchen sollten. Tiffany Baker entspinnt rund um die "Salzschwestern" Jo und Claire Gilly eine sehr ruhige und eindringliche Handlung voller atmosphärischer Naturbeschreibungen und treffender Beobachtungen zum menschlichen Verhalten.

In "Das Geheimnis der Salzschwestern" wird die Handlung von Tiffany Baker nicht linear erzählt. Stattdessen lernt der Leser erst einmal die Protagonistinnen kennen, um dann im Laufe des Romans durch die Augen von Jo, Claire und der gerade erst zugezogenen Dee Details über die Vergangenheit und die aktuelle Situation der verschiedenen Personen, der Salzfarm und des Ortes Prospect zu erfahren. So lernt man schnell, dass die Schicksale des kleinen Städtchens an der Küste und der Salzfarm der Gillys seit jeher eng miteinander verbunden sind. Nur wenn es der Farm gut geht, kann auch das Leben in der Stadt florieren. Trotzdem sind die Gillys keine angesehene Familie, denn jeder weiß von dem Fluch, der angeblich auf ihnen liegt. Außerdem soll ihr Salz magische Fähigkeiten haben, was den Bewohnern von Prospect natürlich suspekt ist.

Im Gegensatz zur Familie Gilly sind die wohlhabenden Turners in Prospect überaus angesehen - was das Leben für die Frauen auf der Salzfarm nicht leichter macht, verbindet doch eine tiefe Feindschaft die beiden Familien. Umso überraschender ist es, dass sich die pflicht- und traditionsbewusste Jo als Kind mit dem wilden Whit Turner anfreundet, obwohl ihr früh bewusst ist, dass es eine Menge Gründe gegen ein so enges Bündnis mit einem Turner gibt. Während Jo ganz zufrieden mit dem Leben auf der Salzfarm ist und stoisch über alle Unannehmlichkeiten hinweggeht, zieht es Claire schon als kleines Kind von der Farm fort. Sie will mehr von der Welt sehen als nur die Salzbecken vor der Küste, und vor allem sehnt sie sich nach einem weniger anstrengenden Leben, schönen Dingen und Anerkennung.

Obwohl dem Leser früh bekannt ist, dass sich die Schwestern schon zwölf Jahre vor den aktuellen Ereignissen zerstritten und nie mehr ein Wort miteinander gewechselt haben, lässt sich Tiffany Baker Zeit, um die Hintergründe dieses großen Zerwürfnisses darzulegen. Die Autorin enthüllt Stück für Stück einzelne Facetten der Charaktere oder schwerwiegende Momente aus der Vergangenheit, die nicht nur das Leben der beiden Schwestern, sondern des ganzen Ortes gravierend beeinflusst haben. Dazu präsentiert Tiffany Baker immer wieder die Sicht der siebzehnjährigen Dee, die als Außenstehende zusammen mit dem Leser mehr über die Geschichte der Schwestern erfährt und sich ganz eigene Gedanken über das Leben von Jo und Claire macht. Am Ende ist sie es, die eine entscheidende und erschreckende Wendung in die Handlung bringt und damit das Leben vieler Menschen beeinflusst.

"Das Geheimnis der Salzschwestern" ist kein Pageturner, bei dem die Seiten nur so dahinfliegen. Stattdessen präsentiert Tiffany Baker dem Leser eine mal amüsante, mal melancholische Geschichte, die sich über mehr als vierzig Jahre spannt und deren einzelne Abschnitte man eher in Ruhe und mit Genuss lesen sollte. Dafür klingen die Ereignisse, ebenso wie die Figuren und die Sprache, noch lange in einem nach, wenn man das Buch einmal aus der Hand legen muss. Der Autorin gelingt es immer wieder, den kleinen Momenten im Leben ihrer Protagonisten Gewicht zu verleihen, statt dem Leser die großen Höhen und Tiefen einer emotionalen Achterbahn zu bieten. Wenn man sich auf diese Erzählweise erst einmal eingelassen hat, wirkt die Geschichte gerade dadurch umso intensiver.

Obwohl die Sprache, die Tiffany Baker in "Das Geheimnis der Salzschwestern" verwendet, klar und gut zu lesen ist, überrascht die Autorin immer wieder durch ungewöhnliche Vergleiche, die die Naturverbundenheit der Figuren - besonders bei der sonst so sachlich wirkenden Jo - unterstreicht. Das gibt dem Roman eine fast schon poetische Note, die zu einer ganz besonderen Atmosphäre beiträgt. Dazu kommen noch die sehr einprägsamen Beschreibungen der Tätigkeiten auf der Salzfarm, die einen beim Lesen geradezu die körperlichen Anstrengungen spüren lassen, die für die Salzernte notwendig sind. Spätestens in diesen Momenten sucht man nicht mehr nach Ähnlichkeiten zwischen den Romanen von Tiffany Baker und Alice Hoffman und kann sich ganz in dem einfachen und herausfordernden Leben der Gilly-Schwestern verlieren.

Fazit:

Mit "Das Geheimnis der Salzschwestern" hat Tiffany Baker einen ungewöhnlichen, leisen und gerade darum so beeindruckenden Roman geschaffen. Trotz der Tatsache, dass ein Vergleich mit Alice Hoffmans Buch "Im Hexenhaus" anfangs auf der Hand zu liegen scheint, spinnt die Autorin eine ganz eigene Geschichte rund um die Schwestern Jo und Claire Gilly und die Salzfarm der Familie an der Küste Neuenglands. Neben der angenehmen, klaren Erzählweise, die Stück für Stück das Leben der Schwestern offenlegt, besticht Tiffany Baker durch atmosphärische Beschreibungen und ungewöhnliche, in der Naturverbundenheit der Figuren wurzelnde Vergleiche, die einem immer wieder neue Facetten an den Charakteren näherbringen. So klingt die leichte Melancholie, die sich durch das Buch zieht, auf angenehme Weise noch lange im Leser nach und macht "Das Geheimnis der Salzschwestern" zu einem Roman, der (nicht nur) perfekt als intensive Herbstlektüre geeignet ist.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.