Banner bookdepository.com

Herbstbringer  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 31. Oktober 2013

Herbstbringer

Untergenre: Fantasy
Verlag: Baumhaus
Erschienen: Oktober 2013
ISBN: 978-3-8432-1065-2
Preis: 8,99 EUR

384 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Die 15-jährige Emily weiß weder, woher sie kommt, noch, wer ihre Eltern sind. Sie wurde eines Nachts an einem Flussufer gefunden, vollkommen ausgekühlt und ohne Kleider. Seitdem lebt sie in einem Waisenhaus - doch eines Tages hat sie Glück und wird von einer tollen Familie adoptiert. Das idyllische Vorstadtleben ist allerdings nur von kurzer Dauer: Bald geschehen merkwürdige Dinge um sie herum. Was hat es mit dem ungewöhnlich frühen Herbst in diesem Jahr auf sich? Warum scheint der Herbstwind ihr etwas zuzuflüstern? Langsam kommt Emily dem Geheimnis ihrer Herkunft auf die Spur ...

Meinung:

Björn Springorum bietet dem Leser mit seinem Roman "Herbstbringer" eine schöne Grundidee, atmosphärische Beschreibungen (vor allem von London) und einen unverbrauchten Umgang mit mystischen Elementen. Das alles führt dazu, dass man anfangs kaum erwarten kann, tiefer in die Geschichte einzutauchen und mehr über Emily und ihr weiteres Schicksal zu erfahren. So verfolgt man neugierig, wie in kurzen - und in einem fast schon sachlichen Ton gehaltenen - Absätzen erzählt wird, dass das Mädchen eines Tages nackt an einem Flussufer gefunden wurde. Ohne ein Zeichen seiner Herkunft am Leib und ohne eine einzige persönliche Erinnerung kommt es ins Waisenhaus, wo es den Namen Emily verliehen bekommt.

Zwei Jahre später wird Emily von einem Ehepaar adoptiert. Ihre neue Schwester Sophie bemüht sich anfangs sehr um den Familienzuwachs und führt sie in das Leben in dem Ort Woods End ein. Doch Emily benimmt sich immer wieder seltsam - so beschimpft sie während einer Filmvorführung Dracula, als dieser ein junges Mädchen beißt, oder ereifert sich im Geschichtsunterricht über den Wortbruch einer historischen Figur -, und so distanziert sich Sophie von ihr. Einzig Sophies bester Freund Jake steht Emily zur Seite, die selbst nicht weiß, warum sie diese Ausbrüche nicht unter Kontrolle hat. Nach und nach wird Emily und Jake klar, dass das Geheimnis um die Herkunft des Mädchens wohl mehr verbirgt als ein paar unbekannte Eltern - und dass Emily die Antworten auf ihre Fragen vielleicht in London finden wird.

So spannend diese Grundvoraussetzung klingt: Es gelingt Björn Springorum leider nicht, seine Geschichte auch wirklich fesselnd zu erzählen. Weder Emily noch eine der anderen Figuren kommen dem Leser näher, sodass man in der Regel weder ihre Emotionen noch ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Vor allem bei der Beziehung zwischen Emily und Jake fällt es schwer zu begreifen, wie sich die beiden in so kurzer Zeit so nah kommen können. Die beiden sehen sich und sind sich auf den ersten Blick sympathisch, nach ein paar gewechselten Worten halten sie Händchen und wenige Tage später sind sie sich schon sicher, dass es die große und ewige Liebe ist. Dabei gibt es eigentlich nur eine Szene in dem Roman, bei der man so etwas wie einen privateren Austausch zwischen den beiden miterleben darf.

Auch beim fantastischen Teil der Geschichte fehlt dem Autor das richtige Händchen für die Dinge, die man als Leser erzählt bekommen sollte, und die, die ruhig ausgelassen werden können. Björn Springorum wirft mit diversen popkulturellen Anspielungen um sich, verweist auf bekannte Dichter und Autoren und lässt verschiedene mythische (und biblische) Wesen in seinem Roman auftreten. Das alles hätte eine unglaublich faszinierende Mischung ergeben können, doch stattdessen kann der Leser viel zu viele "überraschende" Wendungen in der Handlung schon im Voraus erahnen und die Hintergründe, die einen wirklich interessieren würden - wie zum Beispiel Details zu den Sirenen oder zur Geschichte des Orakels -, erfährt man leider nicht.

Die Höhepunkte in diesem Roman liegen so bedauerlicherweise weniger in der Handlung als in den atmosphärischen Szenen, in denen sich der Autor Zeit nimmt, um zum Beispiel den Herbst zu beschreiben, in dem die Geschichte spielt. Noch intensiver wirken die Momente, in denen Björn Springorum seine Vorliebe für London ausspielt und Straßenszenen, Denkmäler und Buchläden für den Leser zum Leben erweckt. Auch wenn einige dieser Szenen gerade mal ein paar Zeilen lang sind, findet man hier doch die Stimmung, die man sich für die gesamte Geschichte gewünscht hätte.

Fazit:

"Herbstbringer" von Björn Springorum hinterlässt nach dem Lesen leider das Gefühl, dass der Autor zu viel gewollt hat und gerade deshalb unheimlich viel Potenzial verschenkt. Die Grundidee, die dem Roman zugrunde liegt, ist wirklich reizvoll, die endgültige Umsetzung hingegen deutlich weniger. Die Charaktere sind einem gleichgültig, ihre Beweggründe und ihre Gefühle kann man oft nicht nachvollziehen. Auch der fantastische Hintergrund kann trotz eines erfrischenden Umgangs mit klassischen mythischen Elementen nicht überzeugen, da zu viele wichtige Fragen offen bleiben, während irrelevanten Elementen unnötiger Platz eingeräumt wird. Da auch keine rechte Spannung aufkommen will, weil der Leser zu viele Handlungsentwicklungen vorausahnen kann, sind vor allem die stimmungsvollen Herbstszenen und die liebevollen Beschreibungen Londons dafür verantwortlich, dass man bis zum Ende der Geschichte durchhält.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.