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Asterix 35: Asterix bei den Pikten  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Funnys & Humor
Geschrieben von Jano Rohleder   
Donnerstag, 24. Oktober 2013

Asterix bei den Pikten

Zeichner: Didier Conrad

Originaltitel: Astérix chez les Pictes
Übersetzt von: Klaus Jöken

Reihe: Asterix
35. Band der Reihe

Verlag: Egmont Ehapa
Format: Softcover
Erschienen: Oktober 2013
Preis: 6,50 EUR

48 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.4

Wertung:
7.4
von 10
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Zum Inhalt:

Es ist Winter im Dorf der Gallier. Und weil zu viel Schnee liegt, um Wildschweine zu jagen, begeben sich Asterix und Obelix an den Strand, um Austern zu suchen. Doch statt Muscheln finden sie eine riesige Eisscholle ... in die jemand eingeschlossen ist. Schnell wird das schockgefrostete Treibgut ins Dorf gebracht, wo Miraculix attestiert, dass es sich um einen Pikten aus Kaledonien (Schottland) handelt. Nach reichlich Trubel beim Versuch, den Fremden, der seine Stimme verloren hat, aufzutauen, gelingt dies endlich und man beschließt, ihn - begleitet von Asterix und Obelix - auf die Heimreise zu schicken. Als auf dem Seeweg schließlich die Stimme des jungen Mannes zurückkehrt, der sich als Mac Aphon vorstellt, stellt sich jedoch heraus, dass es in Kaledonien noch deutlich mehr zu tun gibt. Denn der Häuptling des Nachbarstamms will nicht nur die Macht im Land an sich reißen, sondern auch noch Camilla, die Verlobte Mac Aphons zur Frau nehmen.

Meinung:

"Asterix" ist ein einzigartiges Phänomen in der internationalen Comiclandschaft. Keine andere Comicreihe hat weltweit mehr Exemplare verkauft. Allein in Deutschland liegen die Erstauflagen neuer Bände schon im Millionenbereich und seit Jahrzehnten sind sämtliche Abenteuer des Galliers flächendeckend im Handel verfügbar. Selbst Leser, die nichts mit Comics anfangen können, haben in der Regel ein paar "Asterix"-Ausgaben im Regal stehen oder zumindest ein paar gelesen.

Über viele Jahre hinweg wurde die Reihe von René Goscinny geschrieben, der unter anderem auch "Lucky Luke" und "Isnogud" erdachte, während die Zeichnungen von Albert Uderzo stammten. Nach Goscinnys Tod im Jahr 1977 übernahm der heute 86-jährige Zeichner selbst das Verfassen der Manuskripte ... mit mehr oder weniger überzeugenden Ergebnissen. Die Alben waren zwar weiterhin erfolgreich, doch die Geschichten selbst wurden von mal zu mal schwächer, bis das Ganze im letzten neuen Uderzo-Band "Gallien in Gefahr" aus dem Jahr 2005 seinen traurigen Tiefpunkt fand und Asterix sich mit seltsamen Außerirdischen herumschlagen musste, die eine Hommage an Micky Maus sein sollten, aber einfach nur ein hanebüchener Teil einer hanebüchenen Story ohne Inhalt waren.

Nun, acht Jahre später, erscheint mit "Asterix bei den Pikten" ein brandneues albenlanges Abenteuer (die zwischenzeitlich erschienenen Kurzgeschichtenbände, die nachträglich in die Reihennummerierung eingegliedert wurden, sollen hier nicht beachtet werden) und erstmals in der Geschichte der Gallier war ein neues Kreativteam am Werk. Das Skript stammt von Autor Jean-Yves Ferri, von dem auf Deutsch bereits "Die Rückkehr aufs Land" bei Reprodukt erschien, während für die Zeichnungen Didier Conrad engagiert wurde, der deutschen Lesern u.a. durch "Die Weiße Tigerin" oder "Helden ohne Skrupel" bekannt ist.

Doch können der neue Autor und sein Zeichner tatsächlich das Ruder herumreißen und "Asterix" zu altem Glanz zurückführen? Die Antwort ist: "Ja", wenn auch ein vorsichtiges. Während die Skripts der letzten Uderzo-Alben wirkten, als hätte man eine in einem halben Satz zusammenfassbare Grundidee planlos auf 44 Seiten ausgerollt, gibt es bei "Asterix bei den Pikten" tatsächlich wieder so etwas wie eine richtige Handlung - und diese bewegt sich sogar auf den Spuren großer Klassiker wie "Asterix bei den Briten". Klar, wirklich innovativ ist das Ganze nicht - die Grundthematik "Asterix reist irgendwo hin, um irgendwen zurück- oder mit jemandem zusammenzubringen" ist doch schon etwas ausgelutscht - und das Erzähltempo sehr gemächlich. Vor allem die Szenen ganz am Anfang im Dorf ziehen sich etwas in die Länge. Der plötzlich für eine Volkszählung vorbeischauende Römer ist beispielsweise für die Handlung völlig überflüssig und dient offensichtlich ausschließlich dazu, den im Dorf spielenden Teil der Story noch über ein paar Panels mehr auszurollen, aber im Endeffekt liegt hier eine schöne kleine Geschichte vor, die vage an frühere Glanzzeiten erinnert. Und dafür, dass es Ferris erstes Asterix-Abenteuer ist, hat "Asterix bei den Pikten" durchaus Lob verdient.

An wirklich lustigen Stellen mangelt es dem Band jedoch leider etwas. Das soll nicht heißen, dass er so vollkommen unlustig ist wie die letzten Abenteuer, aber für mehr als ein Schmunzeln reichen die Gags in der Regel leider nicht. Ein Grund dafür könnte allerdings auch sein, dass in französischsprachigen Produktionen sehr gerne und häufig Gags mit Wortspielen eingesetzt werden, die in der Übersetzung natürlich nicht mehr funktionieren - oder nur noch in abgeschwächter Form. Wenn beispielsweise bei der Erwähnung des Wortes "Pikte" in gefühlten 35 Panels der Gag "Ein was?" - "Ein Pikte!" kommt, ist das vielleicht im Original super lustig (oder auch nicht?), auf Deutsch hingegen aber etwas irritierend und nach dem zweiten oder dritten Mal bloß noch nervig. Warum Mac Aphon in seinem sprachunfähigen Zustand Liedzitate von sich gibt, die nur gelegentlich wirklich was mit der jeweiligen Situation zu tun haben, wird auch nicht so ganz klar. So bleibt letztlich zwar ein recht unterhaltsames Asterix-Abenteuer übrig, das meilenweit über der Qualität der letzten Uderzo-Bände liegt (was allerdings auch keine große Kunst ist), aber noch deutlich Luft nach oben für folgende Bände des neuen Teams lässt.

An der Arbeit von Didier Conrad gibt es hingegen nichts auszusetzen. Mit souveränem und dynamischem Strich, der die jahrelange Erfahrung Conrads im frankobelgischen Funny-Bereich verrät, bringt er die Gallier gekonnt aufs Papier und wer nicht einen alten Band zum Vergleich direkt daneben legt, würde kaum ahnen, dass es sich diesmal um einen neuen Zeichner handelt. Erfreulicherweise orientiert sich Conrad optisch eher an etwas älteren Bänden. Statt den sehr rundlichen Stil der letzten Bände nachzuahmen, erinnern seine Zeichnungen mehr an die angenehm prägnantere Optik der 10er-Bände wie "Asterix und der Avernerschild" oder "... bei den Olympischen Spielen". Bis auf den vielleicht ein wenig zu struppig aussehenden Majestix sind dabei alle Figuren perfekt getroffen.

Wie üblich veröffentlicht Egmont den neuen Band in Deutschland sowohl in einer günstigen Softcoverfassung für den Zeitschriftenhandel, die preislich bei 6,50 EUR liegt, als auch in einer fadengebundenen Hardcoverversion für den Buchhandel, die 12 EUR kostet. Bonusmaterial gibt es in beiden Fassungen wie immer keins, bei dem recht günstigen Preis der Softcoverfassung lässt sich darüber jedoch hinwegsehen. Die Letteringschriftart entspricht derjenigen, die in der aktuellen Neuauflage der bisherigen Alben zum Einsatz kommt, und wirkt stimmig, wenngleich sie nicht immer sehr gut lesbar ist. Einen größeren Kritikpunkt stellt allerdings das Papier dar, das sich etwas eklig anfasst und wie mittelmäßiges Kopierpapier wirkt. Zudem ist das verwendete Offsetpapier derart rau, das man anscheinend den Farbauftrag verringert hat, damit nicht zu viel Farbe ins Papier gesaugt wird, was Verlaufgefahr und längere Trockenzeiten bedeutet hätte. Dadurch sehen die eigentlich sehr lebendigen Farben leider reichlich blass aus. Zudem fehlt den Seiten 41 und 44 im zur Besprechung vorliegenden Exemplar ein großer Prozentsatz ihres Magenta-Anteils, sodass sie einen starken Grün-Gelb-Stich aufweisen. Die Hardcoverversion bietet im Vergleich zwar leicht bessere Papier- und Farbqualität, von einer "Gut"-Bewertung sind diese aber trotzdem noch meilenweit entfernt. Leser, die die blassen Farben stören, sollten jedenfalls lieber auf die später noch erscheinende Luxusausgabe warten, die vermutlich auf Bilderdruckpapier gedruckt werden dürfte.

Fazit:

Mit "Asterix bei den Pikten" liegt erstmals ein Asterix-Abenteuer von einem komplett neuen Kreativteam vor und man merkt sofort, dass der frische Wind den Abenteuern des Galliers überaus guttut. Zwar ist die Handlung etwas gemächlich und zieht sich stellenweise ganz schön hin, doch zumindest gibt es in diesem Band endlich mal wieder überhaupt so was wie eine Handlung, was Jean-Yves Ferri schon hoch angerechnet werden muss. Aufgrund der Thematik, die sich erfreulicherweise eher an klassische Asterix-Storys anlehnt, verzeiht man dem Autor dann auch, dass der Band insgesamt eher moderat lustig ist und noch deutlich Luft nach oben lässt. Zeichner Didier Conrad leistet hingegen durchweg hervorragende Arbeit, die seine langjährige Erfahrung mit frankobelgischem Funny-Material demonstriert. So ist der neueste Asterix diesmal nicht nur ein Pflichtkauf für Fans, sondern auch eine erfreuliche Überraschung ... die lediglich von dem verwendeten grausigen Billigpapier getrübt wird.
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