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Erdbeerkönigin  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Liebe & Romantik
Geschrieben von Jana Witte   
Samstag, 6. Oktober 2012

Erdbeerkönigin

Verlag: Knaur
Erschienen: März 2012
ISBN: 978-3-426-50834-3
Preis: 8,99 EUR

400 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Vor 20 Jahren wurde Eva in ihrem Heimatdorf zur Erdbeerkönigin gekürt und traf in Hamburg für ein paar Stunden den attraktiven Daniel. Sie hat ihn nie vergessen - und erfährt nun, dass er gestorben ist und sie zu seiner Grabrednerin bestimmt hat. Aber warum? Für Eva beginnt eine Spurensuche voller unerwarteter Entdeckungen ...

Meinung:

Alltag und Routine bestimmen Evas Leben in der Provinz, wo jeder jeden kennt und man auf das, was die Nachbarn sagen, achtet. Der 17-jährige Sohn Benny macht gerade eine Ausbildung, ist aber lieber unterwegs. Ihr Ehemann Nick geht morgens zur Arbeit und Eva kümmert sich im Haushalt und Familie und arbeitet stundenweise im Krankenhaus. Doch sie ist aus dem Gleichgewicht. Nicht nur der Alltagstrott, der offenbar an der Ausbildung desinteressierte Benny und das Nebeneinanderherleben mit Nick zerren an ihren Nerven. Auch dass ihre Mutter vor drei Monaten bei einem Unfall gestorben ist, hat Eva noch lange nicht verarbeitet.

In dieser Situation erhält sie einen Brief, in dem sie gebeten wird, die Grabrede für den Galeristen Daniel Eisentuer zu halten. Eva erinnert sich, wie sie vor 20 Jahren (und gerade zur Erdbeerkönigin gekürt) Daniel getroffen hat und macht sich auf den Weg nach Hamburg, ohne eine Notiz für die Familie zu hinterlassen. Dort sucht sie Daniels Anwalt Hubertus auf, der sich als enger Freund des Galeristen herausstellt.

Er ist auf Eva in gleichem Maße neugierig wie sie wissen möchte, was hinter Daniels Bitte steckt. Doch einfache Antworten gibt es für beide nicht und Eva braucht Zeit zum Nachdenken. Hubertus bietet ihr an, Daniels Wohnung während ihres Aufenthalts in Hamburg zu nutzen. Eva nimmt dieses Angebot an und versucht herauszufinden, weshalb Daniel, den sie nur einmal getroffen hat, sie zu seiner Grabrednerin bestimmt hat.

Es gelingt Silke Schütze in "Erdbeerkönigin" hervorragend, den emotionalen Zustand ihrer Protagonistin einzufangen. Man muss als Leser nicht Hausfrau, Mutter und in Teilzeit arbeitend sein, um sich mit Eva identifizieren zu können (wenngleich man, wie die Protagonistin, mehr als 35 Jahre alt sein sollte). Denn welcher Leser kennt zum Beispiel nicht dieses Gefühl des Déjà-vus oder der Zeitschleife, wenn man tagtäglich dieselbe Routine absolviert.

Dass die Autorin Eva ihre Geschichte selbst erzählen lässt, verstärkt die Identifizierungspunkte natürlich. Deshalb ist Silke Schützes Wechsel der Erzählperspektive bei Evas Rückblicken auch nicht so recht nachvollziehbar. Zwar wird so deutlich, wann sich die Protagonistin erinnert, andererseits bringt dieser bewusste Bruch aber auch eine Distanz zur Protagonistin mit sich: Der Leser ist nicht mehr in Evas Gefühlswelt und wird damit ausgerechnet von ihren eigenen Erinnerungen an Daniel und ihren damaligen Gefühlen ausgeschlossen. Dies wirkt in der Gesamtschau des Romans unglücklich. Das Interesse des Lesers an Eva, ihren Erlebnissen in Hamburg und der Frage, ob sie die Grabrede hält, wird hierdurch aber nicht grundlegend erschüttert.

Es gibt auch einige Vorkommnisse in "Erdbeerkönigin", die irritieren. Dass Hubertus Eva ohne Weiteres Daniels Wohnung zur Nutzung anbietet, ist schon etwas abenteuerlich. Schließlich kennt Hubertus Eva überhaupt nicht und auch Daniel hatte keinen Kontakt mit ihr. Dennoch händigt er dieser völlig Fremden die Schlüssel zu einer noch nicht geräumten Wohnung aus, in der sich auch noch Sachen von Daniels Ex-Frau Alexandra befinden. Und auch die Reaktionen von Daniels Familie und Freunden auf Evas kurz vor der Beisetzung gefassten Entschluss und seine Auswirkungen erscheinen in ihrer Einstimmigkeit etwas unglaubwürdig.

Dennoch treten diese Kritikpunkte angesichts der ansonsten gelungenen Romanerzählung in den Hintergrund. Silke Schütze hat ein Gespür für Menschen und ihr gelingt es, nicht nur ihre Protagonistin, sondern auch die weiteren Romanfiguren zum Leben zu erwecken. Die Gespräche, die Eva unter anderem mit Hubertus, Alexandra oder auch der Krankenschwester Renate führt, sagen nicht nur etwas über Daniel, sondern auch über die Gesprächspartner aus. Und natürlich wirken sie in Eva nach, lassen sie über sich, ihren Ehemann und Sohn, aber auch ihre Eltern nachdenken. Dabei ist der Erzählton trotz der Thematik nicht schwermütig, sondern vereint Ernsthaftigkeit mit Humor. Hinzu kommt, dass die mit beiden Beinen im Leben stehende Eva die Sympathie des Lesers weckt. Trotz dieser Kritikpunkte kann die Autorin daher das Leserinteresse halten und besonders Evas Entwicklung im Roman fühlt sich rund an.

Fazit:

Silke Schützes "Erdbeerkönigin" Eva soll eine Grabrede für Daniel halten, den sie nur einmal vor 20 Jahren getroffen hat. Die Frage nach dem Warum führt Eva nicht nur in die eigene Vergangenheit und in Daniels weiteres Leben, sie muss sich auch mit ihrer aktuellen Situation auseinandersetzen. Zwar gibt es ein paar bequeme Plotwendungen und auch die Abkehr von der Ich-Perspektive während Evas Rückblenden erscheint etwas unglücklich. Das ändert aber nichts daran, dass Silke Schütze Evas vielschichtige Reise mit Gespür für emotionale Entwicklungen erzählt und daher auch eine Identifizierung mit der Protagonistin nicht schwerfällt.
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