Banner bookdepository.com

Schatten­freundin  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 29. September 2013

Schattenfreundin

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: März 2013
ISBN: 978-3-404-16746-3
Preis: 8,99 EUR

287 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Die Rückkehr in ihren Heimatort Münster steht für Katrin unter keinem guten Stern. Der neue, aufreibende Job verlangt ihrem Mann alles ab, und auch die plötzliche Nähe zu ihren reservierten Eltern ist nicht einfach. Zum Glück hat sie ihren kleinen Sohn Leo - und ihre neue beste Freundin Tanja. Als Katrins Vater überraschend stirbt, erweist Tanja sich wieder einmal als Retterin in der Not: Sie erklärt sich sofort bereit, auf Leo aufzupassen. Doch Tanja meint es nicht gut mit Katrin. Ohne zu zögern setzt sie einen perfiden Plan in Gang: Während der Beerdigung verschwindet sie spurlos - zusammen mit Leo.

Meinung:

"Schattenfreundin" ist der Debütroman der Autorin Christine Drews und scheint als Auftaktband einer Krimireihe rund um die Polizistin Charlotte Scheidmann und ihren Kollegen Peter Käfer geplant zu sein. Doch erst einmal dreht sich die Handlung um Katrin Ortrup, die nach vielen Jahren, die sie in Köln gelebt hat, gemeinsam mit ihrer Familie zurück in ihre Geburtsstadt Münster zieht. Während Katrins Mann Thomas sich intensiv mit einem neuen Job beschäftigt und kaum noch daheim ist, muss sich die junge Mutter nicht nur um den dreijährigen Sohn Leo kümmern, sondern auch um all die Arbeiten, die mit einem Umzug in ein neues Heim zusammenhängen. Dass Katrin zusätzlich auch noch eine Teilzeitstelle als Physiotherapeutin hat, macht das Ganze für sie nicht weniger stressig.

Umso erleichterter ist sie, als sie Tanja Weiler kennenlernt, deren kleiner Sohn Ben sich im Kindergarten mit Leo angefreundet hat. Die beiden Frauen haben in vielen Bereichen die gleichen Ansichten, ihre Söhne spielen sehr gern miteinander und Tanja hat immer ein verständnisvolles Ohr, wenn Katrin über den aktuellen Stress in ihrem Leben spricht. So ist es kein Wunder, dass Katrin die neue Freundin trotz der Kürze ihrer Bekanntschaft um Hilfe bittet, als sie wegen eines familiären Notfalls jemanden benötigt, der sich um Leo kümmert. Doch als Tanja den Jungen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurückbringt, wird Katrin klar, wie wenig sie überhaupt über ihre neue Freundin weiß.

Für Charlotte Scheidmann und Peter Käfer wird die Fahndung nach der Entführerin so zu einer Herausforderung. Weder die Identität noch die Motive der Frau scheinen ermittelbar zu sein und so müssen sich die Polizisten von einem winzigen Hinweis zum nächsten hangeln. Zusätzlich muss sich Charlotte auch noch mit wieder aufkommenden Erinnerungen an ihre Kindheit herumschlagen und feststellen, dass sie sich an einem wichtigen Wendepunkt in ihrem Leben befindet. Während die Polizistin aufgrund dieser privaten Einblicke für den Leser im Laufe der Zeit immer greifbarer wird, erfährt man über ihren Kollegen Peter nur, dass er eine Schwäche für Backwaren und Süßigkeiten hat und diese den ganzen Tag über in sich hineinstopft.

Überhaupt fällt auf, dass Christine Drews den Männern in ihrem Roman recht wenig Raum (oder Profil) gibt, obwohl einige von ihnen für wichtige Wendungen in der Handlung verantwortlich sind. Thomas Ortrup scheint einen Großteil der Geschichte abwesend (oder angetrunken) zu sein, Peter Käfer wird fast nur über seinen Appetit definiert, Katrins Vater verschwindet hinter der konservativen Mutter, und sonst spielen eigentlich keine weiteren männlichen Protagonisten eine Rolle. Auch bei den weiblichen Figuren - wenn man von Charlotte und Katrin absieht - legt die Autorin keinen Wert auf eine detaillierte Ausarbeitung und setzt stattdessen eher auf Klischees. So wirkt Katrins konservative Mutter wie eine gefühlskalte Person, die sich vor allem Gedanken darüber macht, was andere Menschen über sie und ihre Familie denken könnten, während bei den Nebenrollen nicht nur die boshafte und neugierige Nachbarin, sondern auch die Karrierefrau, die ihren Sohn von ständig wechselnden Kindermädchen versorgen lässt und keine Zeit für ihr Kind hat, auftauchen.

Auch Katrin und Charlotte sind nicht frei von Klischees, was man Christine Drews aber verzeihen kann, da die beiden Frauen recht sympathisch und realistisch dargestellt werden. So ist sich Charlotte der Gründe für ihre Beziehungsunfähigkeit bewusst, leidet aber nicht darunter, sondern hat sich ihr Singleleben - ihrem Gefühl nach - zufriedenstellend eingerichtet. Katrin hingegen ist eine liebevolle, aber nicht perfekte Mutter, die zwar nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft, diese aber immerhin aus den richtigen Gründen fällt. Trotzdem wachsen einem selbst diese beiden Figuren nicht so recht ans Herz, was dazu führt, dass der Leser die Geschehnisse als interessierter, aber distanzierter Beobachter verfolgt, statt bei der Geschichte mitzufiebern.

Dabei verspricht der Beginn des Romans Spannung, die nicht nur daraus resultiert, dass der Leser weiß, dass Tanja keine zuverlässige Freundin, sondern eine skrupellose Kindesentführerin ist. Auch die Beziehung zwischen Katrin und Thomas bietet anfangs Raum für einige Spekulationen, ebenso wie die wenigen Einschübe, in denen etwas über Tanjas Motivation zu erfahren ist. Doch so richtig kann einen die Geschichte im Laufe der Zeit nicht packen. Der Autorin gelingt es nicht, ein Gefühl von Dringlichkeit oder gar Gefahr aufzubauen, woran der etwas temporeichere Schluss leider auch nichts ändern kann. So lässt einen "Schattenfreundin" zwar über die Motivation der Entführerin nachdenken und insgesamt ist die Handlung auch recht unterhaltsam, richtig fesseln kann die Geschichte aber leider nicht.

Fazit:

Für ihren Debütroman "Schattenfreundin" hat Christine Drews sich eine spannende Grundidee überlegt, doch leider gelingt es ihr nicht, die Geschichte auch so zu erzählen, dass der Leser von der Handlung gefesselt wird. Während die Autorin immer wieder in der Lage ist, den Verstand des Lesers anzusprechen, wenn man über die Motivation der Entführerin oder über die Geheimnisse einiger Protagonisten nachdenkt, kommt die emotionale Seite beim Lesen zu kurz. So fällt es einem schwer, bei den Ereignissen mitzufiebern oder gar Angst um das Leben des dreijähigen Leo zu haben, was leider zu Lasten der Spannung geht.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.